Reiterstaffel geht auf Ganovenjagd

Polizei jagt Einbrecher im Galopp

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Hoch zu Ross sieht man viel mehr: Obermeister Marco Schmied (34; l.) mit Filou und Klaus Schieber (48) auf Attila sind bei den Anwohnern hochwillkommen.

München - Die Polizei versucht den Einbrechern in München nun hoch zu Ross Herr zu werden - offenbar mit Erfolg. Der Einsatz der Reiterstaffel bringt gleich mehrere Vorteile mit sich.

An stillen Nachmittagen hört man sie lange, bevor man sie sieht. Und das ist gut so: Das typische Hufgeklapper der Münchner Polizeipferde ist eines der schärfsten Waffen im Kampf gegen die Plage, die die Münchner in diesem Jahr besonders fürchten: Einbrecher! Beschränkte sich die Einbruchszeit in früheren Jahren auf Herbst und Winter, ist jetzt das ganze Jahr lang Saison (siehe Text unten). Hoch zu Ross hielten Polizeiobermeister Marco Schmied (34) und Polizeioberkommissar Klaus Schieber (48) auf ihren Pferden Filou (8) und Attila (13) am Montag in Obermenzing Ausschau nach verdächtigen Aktivitäten. Die tz traf die Polizeireiter im Bereich der Grandlstraße – einem großen Wohnviertel, das in den vergangenen Monaten oft von Einbrecherbanden heimgesucht wurde.

Die Prävention auf vier Beinen – übrigens auch bei Regen, Schnee und Sturm – funktioniert: „Wenn die Reiter in unserem Bereich unterwegs sind, passiert zumindest an diesem Tag nichts“, bestätigt Kriminaloberkommissar Michael Lutz, Leiter der Pasinger Polizeiinspektion 45. Weil solch ein Ross nämlich enorme Vorteile hat: „Man hört uns von weitem. Wir schauen von oben mühelos über Hecken und Mauern in die Grundstücke und reiten über enge Fuß- und Gartenwege. Da haben die Kollegen im Streifenwagen keine Chance.“ Auch nach fremden Fahrzeugen halten die Reiter Ausschau: „Sobald uns etwas komisch vorkommt, geben wir über Funk Bescheid. Dann übernehmen die motorisierten Kollegen.“ Einen Einbrecher haben die beiden Polizisten noch nie erwischt, wahrscheinlich aber schon jede Menge vertrieben. Ein nicht messbarer Erfolg.

"Man erfährt Dinge, die motorisierte Streifen nie erfahren werden"

Für einen Münchner Fernsehsender trug Klaus Schieber ausnahmsweise für ein paar Meter die Kamera.

Die Münchner Polizeireiter patrouillieren auch in Friedhöfen, Parks und Wäldern, suchen Vermisste, finden illegale Müllhalden, reiten Waldbrand-Streifen und begleiten Fußballeinsätze. Mit ihrer Hilfe wurden schon ganze Serien von Straftaten wie Raub. Grabschändung oder Autoaufbruch beendet.

Und ganz nebenbei sind die vierbeinigen Sympathieträger die besten Polizei-Botschafter: „Man kommt mit den Anwohnern ganz zwanglos ins Gespräch und erfährt so Dinge, die motorisierte Streifen nie erfahren werden.“ Logisch. Wer streichelt schon einen Streifenwagen...

Dorita Plange

Zahl der Einbrüche steigt stark

Mit Ross und Reiter gegen Kriminelle – dieses Konzept der Münchner Polizei soll Einbrüche und Diebstähle eindämmen. Und das ist bitter nötig: Denn bei der Kriminalstatistik für das Jahr 2013 verzeichnet die Landeshauptstadt mit 102 667 die meisten Straftaten in ganz Bayern (plus 4,1 Prozent). Bayernweit sind vor allem die Wohnungseinbrüche gestiegen: 6385 Fälle gab es in 2013 – 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr. In München ist das Ausmaß noch drastischer: Musste die Polizei 2012 noch 979 Fälle bearbeiten, waren es 2013 bereits 1183 – ein Anstieg von 21,8 Prozent. Teilweise gab es zehn Taten an einem einzigen Tag (tz berichtete)! „Dieser Anstieg bereitet mir Sorgen“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Immerhin: Die Diebstähle gingen im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent zurück: 635 131 Delikte registrierte die Polizei. Und hofft jetzt, dass die Reiterstaffel weitere verhindert.

Gleich sieben Einbrüche an einem Tag

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