Rodungstrupp mit perfidem Plan

Arbeiter eilten mit Motorsägen auf Grundstück: Zahlreiche Bäume gefällt - ohne Erlaubnis

Nichts mehr zu sehen von den gefällten Bäumen: Der Rodungstrupp leistete ganze Arbeit.
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Nichts mehr zu sehen von den gefällten Bäumen: Der Rodungstrupp leistete ganze Arbeit.

Völlig unvermittelt sind im Garten einer Villa in Obermenzing sämtliche Bäume umgemacht worden. Dabei ging der Rodungstrupp offenbar einem perfiden Plan nach. Dennoch droht nun eine Geldstrafe.

Obermenzing - So mancher Immobilien-Hai sieht ihn als natürlichen Feind: den Baum. Klar, könnte man genau dort, wo alte Eichen oder Eschen stehen doch Neues bauen. Und so schafft manch dreister Investor mit illegalen Rodungen gerne Platz - und zahlt notfalls nachträglich ein Bußgeld. Nur: Das Vorgehen der Rodungstrupps ist mittlerweile so durchtrieben, dass die Stadt nun sogar schwer Strafen verhängen kann.

Dabei ist die Rechtslage eigentlich klar: Geregelt ist Münchens Baumbestand in der städtischen Baumschutzverordnung, die bereits vor 53 Jahren zum ersten Mal erlassen wurde. Alle Laub- und Nadelbäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimeter und mehr (gemessen auf einem Meter Höhe) stehen demnach unter besonderen Schutz. Obstgehölze fallen nicht darunter, mit Ausnahme von Walnuss, Holzbirne, Holzapfel, Vogelkirsche, Holunder und Hasel.

Bäume fällen nur mit schriftlichem Antrag

Wollen Grundbesitzer Bäume nur stärker zuschneiden (oder gar fällen), müssen sie schriftlich einen Antrag an die Untere Naturschutzbehörde richten. Doch darüber setzen sich manche Bauträger hinweg. Insbesondere wenn sie Gefahr sehen, die Naturschutzbehörde könnte ungewünschte Auflagen erlassen oder die Fällung gar untersagen.

Wie das abläuft, zeigt ein aktueller Fall in Obermenzing, den Nachbarn dokumentiert haben: Eine Villa an der Frihindorfstraße wurde verkauft und soll wohl abgerissen werden. Wer genau der Investor ist, darüber herrscht Rätselraten. Vergangene Woche rückte aber plötzlich ein Rodungstrupp an. „Die kamen Freitagnachmittag“, berichtet Nachbar Ernst Obermeier. Dem Landschafts-Ökologen war sofort klar, was der ungewöhnliche Zeitpunkt bedeutet: „Weil da niemand mehr bei der Stadt zu erreichen ist, der einschreiten könnte.“

Der Rodungstrupp bei der Arbeit: Mit Baggern wurden die Bäume dem Erdboden gleichgemacht.

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Erst werden Keile rausgeschnitten - dann werden Bäume gefällt

Die Arbeiter eilten sofort mit Motorsägen auf das Grundstück und sägten aus allen hohen Bäumen Keile raus. „So waren alle unwiederbringlich beschädigt und der Fällung geweiht“, sagt Obermeier. Selbst wenn noch eine Behörde eingeschritten wäre. Dann wurde schließlich schweres Gerät in den Garten gefahren - alles plattgemacht. „Schließlich wurden die Baumstümpfe abgefräst.“ So lässt sich der Baumbestand nicht mehr rekonstruieren. Doch der ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, Bußgelder zu verhängen, so Ingo Trömer, Sprecher der Unteren Naturschutzbehörde. Man könne keine Strafen verhängen, wenn es keine Beweise gebe.

Im Fall an der Frihindorfstraße waren keine Fällungen genehmigt. Nun wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. In den vergangenen Jahren sind laut Trömer jeweils rund 160 Fällungs-Verstöße aktenkundig und verfolgt worden. Der Bußgeld-Rahmen liegt bei bis zu 50.000 Euro. Diese Summe wurde aber noch nie ausgeschöpft. „Es wird individuell je nach Umfang und Bedeutung der Handlung bemessen.“ So gab es 2018 Strafen im niedrigen dreistelligen Bereich, aber bei groben Verstößen auch von mehreren Zehntausend Euro.

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Sven Rieber

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