"Die reinste Abzocke"

Park-Posse: Rentner soll Auto auf Fahrbahn stellen

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Pasing, Schirmerweg: Das Baureferat will, dass man auf der Straße parkt, obwohl’s viele behindert.

München - Soll Josef Gwinner sein Auto in Pasing auf einem Seitenstreifen abstellen, wo es niemanden behindert – oder mitten auf der Straße, wo es im Weg steht?

Der Rentner versteht die Welt nicht mehr, denn die Stadt sagt: auf die Straße mit dem Wagen! Und hat Gwinner ein Knöllchen verpasst – da parkt der Verstand!

Gwinner ist ein rücksichtsvoller Mensch. Seit vier Jahren besucht der 72-jährige Rentner regelmäßig seinen Sohn in Pasing, der dort schon lange im Schirmerweg wohnt. Und seit vier Jahren parkt Gwinner auf dem Seitenstreifen, denn im Schirmerweg sind viele Radler und Kinder unterwegs. Auf die gibt der Moosacher Rentner acht: „Ich habe auf dem Seitenstreifen geparkt, weil ich kein Verkehrshindernis sein wollte“, so Gwinner. Ausgewiesene Parkplätze gibt es hier nicht.

Widerspruch gegen Knöllchen

Josef Gwinner.

Als er neulich zurück zu seinem Wagen kam, klemmte eine Verwarnung auf seiner Windschutzscheibe, wegen „Parkens auf einer Grünanlage“. „Die reinste Abzocke“, findet der Rentner. Er habe seinen Skoda lediglich zehn Minuten dort abgestellt, um seine Schwiegermutter (87) aussteigen zu lassen. Das Bußgeld von 25 Euro sei völlig unangemessen, sagt der „Falschparker“. Deshalb legte der Moosacher Widerspruch ein – bislang ohne Ergebnis. Doch damit will sich Gwinner nicht abfinden. „Ich wollte einfach nicht einsehen, dass ich als Autofahrer wissen muss, wo in München eine Grünanlage ist, wo sie beginnt und wo sie endet.“ Er hat das Gefühl, die Stadt wolle nur die Kasse klingeln lassen.

Jetzt wartet der Rentner auf den Bußgeldbescheid. Er ist stinksauer und will andere Autofahrer warnen. Sein Appell: „Sie sollen in Zukunft darauf achten, ob sie sich in einem Weg oder einer Straße mit Grünanlage befinden. Wenn man dort mit einem Reifen die Teerdecke verlässt, hat man gegen eine Verordnung verstoßen.“ Er empfiehlt süffisant: „Die entsprechende Satzung mitführen – oder Hellseher werden.“

Josef Gwinner glaubt, dass derartige Bagatellen auch mit einer höflichen Verwarnung zu lösen wären. „Kann man da nicht Gnade vor Recht ergehen lassen?“

Das Baureferat erklärt: „Parken auf dem Grünstreifen ist nicht nur hier, sondern auf allen Grünanlagen verboten.“ Dortige Parker würden Rinnen verursachen, in denen sich Pfützen bilden. Somit ist fürs Baureferat nur das Abstellen des Autos auf der Straße erlaubt. Für Gwinner ist das keine Alternative: „Wenn ich mich mit dem Auto auf die Straße stelle, kommt ja kein Lastwagen mehr durch, auch nicht die Müllabfuhr.“

Andreas Huber

 

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