"Etwas mulmig ist mir schon"

50 Jahre lang beackerte er das Feld über der Bombe

München - Immer wieder werden in München Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Am Montag war es wieder soweit, diesmal in Pasing.

Fliegerbomben-Alarm in Pasing. Auf einem Acker neben Max-Planck-Gymnasium und Westbad wurde am Montag Nachmittageine 220 Kilo schwere Fliegerbombe entschärft. Im Umkreis von einem halben Kilometer um den Fundort an der Silberdistelstraße evakuierten Feuerwehr und Polizei etwa 1000 Anwohner. Das Westbad musste geräumt werden, die bereits anwesenden Schüler des Gymnasium wurden wieder nach Hause geschickt.

Kurios: Die Fliegerbombe war nicht etwa bei Baggerarbeiten für ein Neubaugebiet entdeckt worden. Schatzsucher, die mit einer Sonde unterwegs waren, hatten den Blindgänger am Sonntagabend auf dem Acker gefunden. Sie buddelten daraufhin munter los, realisierten gar nicht, dass es sich bei dem Fund um einen Blindgänger handelte. Erst ein Spaziergänger, der die Szene beobachtet hatte, machte die Sondengänger auf die mögliche Gefahr aufmerksam und alarmierte die Polizei.

Tatsächlich lag die Bombe in nur 40 Zentimetern Tiefe. Polizei und die Experten vom Kampfmittelräumdienst entschieden dann vor Ort, die Bombe am Montag zu entschärfen. „Es ist ein Glück, dass bisher nie etwas passiert ist“, sagt Polizeisprecher Werner Kraus. „Beim Pflügen des Ackers hätte die Bombe durchaus hochgehen können.“

Um 15.45 Uhr hatten die Experten die amerikanische Sprengbombe entschärft. Zuvor waren Polizei und Feuerwehr durch die umliegenden Straßenzüge gefahren und hatten per Lautsprecher die Anwohner aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Im Anschluss kontrollierten Feuerwehr und Polizei jede einzelne Wohnung.

Mit der Entschärfung konnte erst begonnen werden, als sicher war, dass sich niemand mehr in der Gefahrenzone befand.

Landwirt: „Da kann man dem Herrgott danken“

Ein bisschen erleichtert ist Landwirt Lorenz Strohmeir (65) ja schon. Auf seinem Acker wurde die Bombe gefunden, jahrzehntelang war er mit schwerem Gerät über das 220-Kilo-Monstrum gefahren! „Da kann man dem Herrgott danken! Zum Glück lag die Bombe tief genug. Da hätte schon einiges dazu kommen müssen“, sagt er kurz nach der Entschärfung. Erst vergangene Woche sei er auf dem Feld gewesen. Meistens hatte er hier Kartoffeln geerntet. Seit über 50 Jahren ist Lorenz Strohmeir auf seinen Feldern (insgesamt 50 Hektar) tätig – aber noch nie entdeckte er eine Weltkriegsbombe. „Vor Jahren dachte ich das mal, dann war’s aber zum Glück nur ein Rohr.“ Angst vor weiteren Bomben hat er nicht. Trotzdem: „Etwas mulmig ist mir schon.“

… und wir können's ausbaden

Martina Herrnberger (54), Bankangestellte aus München, mit Hund Anton: „Ich komme immer hierher zum Gassigehen. Heute Früh habe ich schon den Einsatz anlaufen sehen, dachte aber, dass hier ein Film gedreht wird. Die Einsatzkräfte sind sehr freundlich zu den Anwohnern. Da habe ich keine Angst!“

Christa (84) und Hermann Roth (82), Rentner aus München: „Begeistert sind wir nicht. Das Ganze erinnert uns auch an den Krieg. Aber den haben wir auch überlebt. Hoffentlich müssen wir nicht übernachten. Wir bewundern aber die, die die Bombe entschärfen.“

Sigrid Guade (82), Rentnerin aus München: „Ich war ewig nicht mehr beim Schwimmen – und ausgerechnet jetzt wird die Bombe gefunden. Jetzt fahre ich halt in die Stadt zum Einkaufen. Ich habe schon Verstädnnis für die weiträumigen Absperrungen.“

Emine Celik (22), Hausfrau aus München, mit Tochter Melody (3): „Wir wollten baden gehen, wussten aber nichts von der Bombe. Es ist schon richtig, dass abgesperrt wird. Ich mag mir gar vorstellen, wenn da jemand sterben würde! Aber die Einsatzkräfte haben das im Griff. Und wir fahren jetzt ins Dantebad.“

Bombenfund in Pasing: Bilder vom Einsatzort

Bombenfund in Pasing: Bilder vom Einsatzort

Immer wieder Bomben-Irrsinn

03.11.2014: Immer wieder halten die Folgen des Zweiten Weltkriegs die Stadt in Atem: Im vergangenen Herbst mussten in Ramersdorf 1500 Menschen evakuiert werden.

28.08.2012: Der bislang spektakulärste Fall: Mitten in Schwabing kommt bei Bauarbeiten eine Bombe zum Vorschein. Sie muss gezündet werden und richtet riesigen Schaden an.

24.05.2012: Als das Grünwalder Stadion saniert wird, taucht plötzlich eine 250-Bombe mitten im Strafraum auf. Hunderte Fußballspiele wurden auf ihr ausgetragen!

Florian Fussek/JAM

Rubriklistenbild: © Fussek

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