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Münchens kleiner Viktualienmarkt feiert Geburtstag: „Die Arbeit hier ist bisschen wie Stresstherapie“

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Von: Julian Limmer

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Pasinger Viktualienmarkt feiert 115 Jahre.
Pasinger Viktualienmarkt feiert 115 Jahre. © Markus Schlaf

Es ist der kleine Bruder von Münchens bekanntem Wahrzeichen – der Pasinger Viktualienmarkt. Und er steht seinem Vorbild schon seit über 100 Jahren in nichts nach.

München – Man kennt sich hier. Verkäufer Torsten Allerding begrüßt viele seiner Kunden mit Vor- oder Nachnamen, bevor er ihnen Kartons mit Eiern, frischem Geflügel oder Leberkäs über die verglaste Theke reicht. Es folgt oft ein kurzer Ratsch. „Das ist einfach eine familiäre Geschichte hier“, sagt Allerding.

Seit zehn Jahren betreibt der 47-Jährige den Stand „Am Eiermanneck“ direkt am Eingang des Pasinger Viktualienmarkts im Westen Münchens. Hier, im Innenhof an der Bäckerstraße, wo sie derzeit ein Jubiläum zu feiern haben. Denn: Den Pasinger Viktualienmarkt gibt’s jetzt seit 115 Jahren!

Pasinger Viktualienmarkt gibt es seit 115 Jahren

Verbunden damit sind Erinnerungen an die Zeit, als Pasing noch kein Stadtteil Münchens war, sondern eine eigene Gemeinde. Das ist auch der Grund dafür, warum München zwei Viktualienmärkte hat. Mit seinen 400 Quadratmetern Verkaufsfläche ist der Pasinger Markt zwar viel, viel kleiner als sein berühmter Bruder in der Innenstadt, für Pasing ist er aber mindestens genauso wichtig. Hier schlägt das Herz des Stadtteils.

Pasinger Viktualienmarkt

Den Markt gibt es seit 1907. „Viktualienmarkt“ heißt er, weil Pasing damals eine selbständige Stadt war und erst seit 1938 zu München gehört. Seit 1937 befindet sich der Markt am heutigen Standort.

Der Pasinger Viktualienmarkt liegt direkt neben dem Pasinger Rathaus in der Bäckerstraße, nur zwei Gehminuten vom Bahnhof und den Pasing-Arcaden entfernt.

Der Innenhof ist seit 1937 quasi unverändert und gilt deswegen als sehr idyllisch.

„Für die Pasinger ist der Markt ein wichtiges Stück Eigenständigkeit, Identität und Heimatgefühl, das es zu pflegen gilt“, sagt Kommunalreferentin Kristina Frank, die auf Seiten der Stadt für den Markt zuständig ist. In den kommenden Jahren sollen die Standl saniert werden.

Verkäufer Torsten Allerding an seinem Standl im Pasiner Viktualienmarkt.
Verkäufer Torsten Allerding an seinem Standl im Pasiner Viktualienmarkt. © Marcus Schlaf

Pasinger Viktualienmarkt: Hier arbeiten, ist wie Stresstherapie

Verkäufer Torsten Allerding blickt der Modernisierung mit „einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen“. Einerseits freut er sich, dass die Verkäufer dadurch besser vor Sonne, Wind und Regen geschützt werden. Andererseits befürchtet er, dass dadurch das urige Flair des Markts ein Stück weit verloren geht. Denn irgendwie wirkt der Markt auch heute noch so, als seien die Uhren damals vor 115 Jahren am ersten Markttag stehen geblieben.

Ganz gemächlich, als sei die Hektik der Großstadt ganz weit weg, schlendern Kunden unter den grün-weißen Markisen hindurch, vorbei an offenen Blumen, Obst- und Gemüsestandln. Sie lächeln, schnuppern den frischen Duft von Tulpen und Tomaten. Diese Gemütlichkeit schätzt auch Marina Casti (30), die hier als Blumenverkäuferin arbeitet: „Die Arbeit hier ist bisschen wie Stresstherapie – nur dass ich dafür bezahlt werde.“

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Pasing hat Ende 2021 ein Traditionsgeschäft verloren. Seit 83 Jahren versorgte die Bäckerei Keller ihre Kunden mit Semmeln, Brezen und Co. Am 31. Dezember war Schluss.

Pasinger Viktualienmarkt ist in die Jahre gekommen: Der Fahrplan in die Zukunft

„Wir tun alles dafür, den Markt in den kommenden Jahren fit für die Zukunft zu machen“, sagt Kommunalreferentin Kristina Frank. Denn der Pasinger Viktualienmarkt ist in die Jahre gekommen: Sowohl die Strom- und Wasserversorgung als auch der Hygiene- und Brandschutz entsprächen nicht mehr dem neuesten Stand, teilt das Referat mit. Deshalb soll der Markt innerhalb des bestehenden Hofes komplett neu aufgebaut, mit moderner Technik versehen und mit Toiletten für die Händler und Besucher ausgestattet werden.

Die Planungen dafür sollen voraussichtlich im Sommer 2022 anlaufen. Wann es dann mit der Sanierung losgeht, ist derzeit noch nicht sicher. Doch eins steht fest: Alle Händler, die aktuell auf dem Markt vertreten sind, sollen auch nach der Sanierung einen Standplatz erhalten.

Übrigens: Der Münchner Viktualienmarkt wird grundlegend saniert, so der Plan. In Schwabing am Elisabethmarkt wurden die alten Standl schon abgerissen. Seither dient ein Container-Markt als Zwischenlösung. Zuvor hat es heftige Auseinandersetzungen um den über 100 Jahren alten Markt gegeben. Jetzt kommt der Schwabinger Standl-Schick für 20 Millionen Euro: So soll der neue Elisabethmarkt aussehen.

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