Portrait aus Obermenzing

Diese Apotheke ist ein Schatzkästchen

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„Ich bin ein farbenfroher Mensch“: Pharmazeut Wolfgang Ebner in seiner knapp 80 Jahre alten Apotheke.

Wolfgang Ebner, Inhaber der Blutenburg-Apotheke, begeistert seine Kunden mit Liebe zur Tradition und Kunst. Ein Portrait.

München - Über dem Eingang zur Blutenburg-Apotheke in Obermenzing hängt ein altes Reklame-Schild von Bayer. Es ist ein wenig verschmutzt, aber Inhaber Wolfgang Ebner hütet sich davor, es zu putzen. Aus Angst, dass die schon beschädigte, vermutlich nicht mehr ersetzbare Werbetafel ganz kaputt gehen könnte. Auch im Inneren der fast 80 Jahre alten Apotheke hütet der erfahrene Pharmazeut wahre Schätze aus vergangenen Zeiten.

Betritt man die 1938 von Max Eichel gegründete Apotheke an der Verdistraße 119, glaubt man sich in eine andere Epoche zurückversetzt. Im Offizin, dem sogenannten Verkaufsraum hinter dem großen Corpus aus italienischem Eichenholz, stehen in den Regalen Gefäße, wie man sie nur noch selten sieht, vielleicht ab und an auf dem Flohmarkt entdeckt. Sowohl das Mobiliar als auch die Porzellangefäße, Gläser und Dosen hatten den Einschlag einer Bombe wenige Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs heil überstanden. Nur die Decke und die Fenster auf der Südseite des zweistöckigen Hauses habe man damals erneuern müssen, erzählt Ebner. Mitte der 60er-Jahre war er als Praktikant ins Haus der Familie Eichel gekommen und stieg später als Mitinhaber ein. Heinz Eichel, der Sohn des Apothekengründers, starb 2009.

Ab und zu gibt es hier auch Kunst

Es sei ihm immer wichtig gewesen, das besondere Ambiente der Blutenburg-Apotheke zu erhalten, betont Wolfgang Ebner, der zunächst zwei Jahre Kunstgeschichte studierte, bevor er in München einen Studienplatz für Pharmazie bekam. Dabei kommt ihm sicher auch sein ausgeprägter Sinn für Künstlerisches zugute. So fährt Ebner, den seine Kunden nur mit farbigem Hemd und bunter Fliege kennen, in seinen Urlauben gerne mit einem roten VW-Bus durch Deutschland und fotografiert Kirchenportale. Bilder davon stellt er bisweilen in den Schaufenstern aus, die er selbst dekoriert – zuletzt mit rund zwanzig Meter farbigem Tüll, den er kunstvoll um bunte Vasen gewickelt hat. Auf den Regalen im Offizin liegen Stoffblumen-Rosetten, die er selbst um Holzbretter drapiert hat. „Fast ein Wochenende Arbeit“, sagt Ebner.

Ein weiteres Hobby ist das Züchten von Kristallen, das einige Zeit lang regelmäßig Schüler in die Apotheke geführt habe. Neben wertvollem, grünem Nickelsulfat liegen in der Vitrine neben dem Eingang zum Beispiel blaues Kupfersulfat und rotes Kaliumhexacyanoferrat. Daneben hat Ebner Fischversteinerungen platziert, die er in Solnhofen gefunden hat. „Den Sonnenbrand hab ich heute noch“, sagt er und schmunzelt.

Seit fast einem halben Jahrhundert bedient er hier seine Kunden

Von seinen Hobbys könnte Ebner stundenlang erzählen. Aber auch über die Arbeit in der Apotheke, in der er seit fast einem halben Jahrhundert seine Kunden bedient. Und ihnen gerne auch erklärt, was alles in den verschiedenen Gefäßen aufbewahrt wird. Da gibt es zum Beispiel die sogenannten weißen Kruken, in denen Salben gelagert werden. Ebner hat sie selber mit einem Goldrand verziert. Ausgefallen ist auch das Angebot an Teesorten im Regal neben dem Verkaufsraum. Dort stehen mehr als 200 Dosen. „Ich hatte einmal einen Kunden, der 30 Sorten für einen bestimmten Tee gebraucht hat“, erzählt der Pharmazeut. Bei ihm sei er fündig geworden.

Tee gefällig? Das Angebot an Teesorten ist ausgefallen – und hübsch anzuschauen.

Ebners Kunden wissen das Angebot zu schätzen: „Ich habe Stammkunden, die schon in der vierten Generation zu mir kommen.“ Manche kämen auch von weiter her, aus Germering oder Gräfelfing. Denn er nimmt sich Zeit, auch mal intensiv zu beraten, wenn es irgendwo zwickt. Wie zum Beispiel bei der Kundin mit den Bandscheiben-Problemen. Zusätzlich zur Wärmesalbe habe er ihr noch ein, zwei Übungen für den Rücken gezeigt. Ein paar Tage später sei die Dame freudestrahlend zu ihm gekommen und habe ihm erzählt, dass sie dank seiner Tipps um eine Operation herumgekommen sei. Ebner betreibt eben eine klassische Hausapotheke.

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Monika Wehrl-Herr

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