Kurzschluss und Oberleitung gerissen

S-Bahn-Fahrgäste zwei Stunden lang eingeschlossen

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Die Reparatur-Arbeiten an der Oberleitung dauerten bis zum Abend.

München - Ein Kurzschluss zerstörte die Oberleitung der S-Bahn bei Laim! Die Passagiere steckten zwei Stunden fest und Tausende Pendler blieben auf der Strecke. Das Chaos sollte sich noch bis zum Feierabend ziehen!

Das große Chaos kann man nicht nur sehen, man kann es sogar hören und riechen. Thorsten Wessel (42) ist gegen 6.45 Uhr auf dem Weg zur Arbeit von Allach mit der S2 nach Laim und steigt dort in die S3 Richtung Lochhausen. Plötzlich knallt’s! „Fast schon Explosionen über unseren Köpfen“, erinnert sich der Landschaftsgärtner. Dann kokelt’s auch noch. „Gleichzeitig quoll Rauch aus den Lichtschienen.“ Dann geht gar nichts mehr – und das große Chaos wird an praktisch allen Bahnsteigen der Stadt sichtbar. Stillstand über Stunden!

Ein Kurzschluss hat den Zug lahmgelegt. Schlimmer: Die Oberleitung ist gerissen. Die Stammstrecke muss größtenteils gesperrt werden! Die Bahn berichtet nicht nur von einem „Oberleitungsschaden“, diesmal vermeldet sie gleich einen „größeren Oberleitungsschaden“. Den Pendlern schwant nichts Gutes. Hunderte Bahnen stehen still, werden umgeleitet, enden vorzeitig – und das bis in den späten Nachmittag.

Die Reparatur-Arbeiten an der Oberleitung dauerten bis zum Abend.

Glücklicherweise behalten die im Pannen-Zug gefangenen Passagiere die Nerven. „Die Bahn war nicht voll. Erst einmal haben alle fragend geschaut: Was ist jetzt los?“, erzählt Wessel. „Aber alle sind sehr ruhig geblieben. Bald haben manche mit Scherzen angefangen.“ Die Ruhe sei auch der Lokführerin zu verdanken. „Sie hat uns immer auf dem Laufenden gehalten. Kompliment!“ Dabei warnte sie die Insassen auch, dass rund um die Bahn Hochspannung herrschen könnte – Lebensgefahr!

Doch dann dauerte es ganze zwei Stunden, bis der Zug evakuiert wurde! „Für den Kurzschluss kann die Bahn nichts“, ist Wessel nachsichtig. „Aber die Evakuierung hätte schneller gehen können!“ Die Passagiere klettern in einen anderen Zug und wurden nach Pasing gebracht. Ein Fahrgast erlitt einen Schwächeanfall!

Nur die Linien S2 und S7 konnten durch die Stammstrecke. Die Flughafen-Linie S8 wurde vom Ostbahnhof über den Südring nach Pasing umgeleitet. Die anderen Linien wendeten meist vorzeitig in Pasing und am Hauptbahnhof oder Ostbahnhof. Die Reparatur sollte sich bis 18 Uhr ziehen. Thorsten Wessel hatte nach dem Drama mit insgesamt vier Stunden Verspätung genug und nahm sich den Tag frei. Sein Chef hatte Verständnis.

Was sich heute im Verkehrschaos in München getan hat, können Sie in unserem Ticker nachlesen.

S3 wird auf Stammstrecke evakuiert: Bilder

S3 wird auf Stammstrecke evakuiert: Bilder

Mehr Informationen wären gut

Daniel Enns (18), ­ Student aus München: "Wenn’s wirklich eine technische Störung war, kann man nix machen. Ich will gerade in die Stadt und hab es nicht sonderlich eilig. Generell würde ich mich über mehr Informationen freuen. Etwa bei Ansagen oder auf den Anzeigetafeln."

Wie's weitergeht, weiß keiner

Stephanie Kuczka (43), Bürokauffrau, Pfaffenhofen: "Ich will zu meiner Mutter und wurde vom Chaos überrumpelt. Ich habe zwar heute morgen Radio gehört, aber nichts von einer S-Bahn-Störung mitgekriegt.Ich weiß nicht, wie ich zum Ostbahnhof kommen soll. Infos? Fehlanzeige!"

So langsam nervt's gewaltig …

Maria Winter (20), Studentin aus München: "Ich will zu meiner Praktikums-Stelle und warte jetzt schon über eine halbe Stunde vergeblich auf die S2 nach Petershausen. Ich bin Studentin und fahre fast täglich mit den S- und U-Bahnen. Normalerweise ist die Bahn zuverlässig, aber gerade in letzter Zeit kommt es oft zu Verspätungen. Langsam nervt’s gewaltig …"

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