U-Bahn bis Pasing schon beschlossen

U5 bis Freiham? Wohl keine neue U-Bahn im Münchner Westen

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Die U5 fährt aktuell bis -Laimer Platz. Eine Verlängerung ist geplant - aber wie lang genau wird’s?

Die Münchner müssen in Sachen U5-Erweiterung weiterhin geduldig sein. Ein Ausbau bis Pasing ist bereits beschlossen, die angestrebte zusätzliche Station in Freiham hingegen steht auf der Kippe. 

München - Dass die U5 bis Pasing fahren soll, ist beschlossene Sache. Doch weiter nach Westen wird es von dort nur mit S-Bahn oder Tram gehen. Zu dieser Empfehlung kommt die Firma Intraplan Consult, die im Auftrag des Planungsreferats untersucht hat, wie der neue Stadtteil Freiham am Besten ans Münchner Verkehrsnetz anzubinden ist. Lokalpolitiker sehen das anders.

Zwar sehen auch die Gutachter die Vorzüge einer U-Bahn nach Freiham: Die Belastung der beiden S-Bahn-Strecken im Stadtteil könnten „deutlich reduziert“ werden. Zudem biete die U-Bahn gegenüber der Tram eine höhere Reisegeschwindigkeit und einen stabileren Fahrplan. Doch das alles reicht nicht, um die Waagschale in Richtung U-Bahn zu senken, denn der Kostennachteil überwiegt in den Augen der Gutachter. Eine zusätzliche Schienenerschließung des Entwicklungsgebiets Freiham sei eindeutig nur mit einer Straßenbahn ausgehend von Pasing als gesamtwirtschaftlich vorteilhaft zu bewerten, heißt es.

Laut Gutachten würde eine Tramstrecke von Pasing nach Freiham 53 Millionen Euro kosten. Eine U-Bahn wäre mit 485 Millionen Euro mehr als neunmal so teuer. Weiter rechnen die Gutachter vor, dass bei der Tram-Variante pro neu gewonnenem Fahrgast etwa 12.000 Euro Investitionskosten anfielen. Bei der Verlängerung der U 5 von Pasing nach Freiham liege dieser Wert bei rund 80.000 Euro. „Die besseren verkehrlichen Effekte der U-Bahn können aus gesamtwirtschaftlicher Sicht die hohen Investitions- und Unterhaltungskosten nicht rechtfertigen“, so das Fazit.

Planer sehen Freiham gut angeschlossen

Umso mehr, als in den Augen der Planer noch nicht einmal die Tram zwingend notwendig wäre: Generell, so die Studie, sei Freiham mit zwei S-Bahn-Haltestellen, diversen Buslinien und drei Autobahnanschlüssen bereits heute gut an das übergeordnete Verkehrsnetz angeschlossen. Weder eine U-Bahn noch eine Tram seien deshalb eine „zwingende Erschließungsvoraussetzung für die weitere Siedlungstätigkeit in Freiham“.

Bei ihrer Untersuchung gehen die Gutachter davon aus, dass im Jahr 2025 rund 20.500 Einwohner sowie etwa 11.000 Erwerbstätige und rund 4400 Schüler von Freiham aus den öffentlichen Nahverkehr nutzen werden. Zusätzlich wachse das Bestandsgebiet Aubing-Westkreuz – einschließlich der neuen Wohngebiete Aubing-Mitte, Gleisharfe, Dornier-Gelände und Aubing-Ost – auf rund 28.000 Einwohner.

Hier setzt die Kritik des Bezirksausschusses Aubing-Lochhausen-Langwied ein: Das Gutachten basiere auf veralteten Zahlen von 2015, sagte der Vorsitzende Sebastian Kriesel (CSU) im Gespräch mit unserer Zeitung. Aktuell gehe man davon aus, dass 25 000 Menschen im neuen Stadtteil Freiham leben werden. „Die U-Bahn ist das zukunftsträchtigste Verkehrsmittel“, ist der Lokalpolitiker weiterhin überzeugt.

Trambahn wäre schneller fertig

Auch jenseits der Stadtgrenzen hofft man auf die Tram: Nach dem Vorbild der U6 nach Garching haben Lokalpolitiker in Germering bereits mehrfach Interesse bekundet, mit einer verlängerten U 5 einen zweiten Schienenanschluss an den Münchner Nahverkehr neben der S-Bahn zu bekommen.

Allerdings wäre die Trambahn womöglich um viele Jahre schneller, denn wenn die Stadt für die U-Bahn auf staatliche Zuschüsse hofft, wird sie sich gedulden müssen. Wie berichtet, hat Verkehrsminister Joachim Herrmann gerade erst bekanntgegeben, dass der Freistaat zahlreiche Verkehrsprojekte, verschieben will. Die Verlängerung der U 5 nach Pasing steht in dieser Planung erst nach Inbetriebnahme der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke an – also frühestens 2026. Und eine Weiterführung nach Freiham ist dabei nur als „perspektivisch“ erwähnt. Eine Tram, aus städtischen Mitteln finanzierbar, könnte da schon längst fahren.

Mit dem Ergebnis der Untersuchung soll sich nun der Planungsausschuss im Stadtrat befassen und das Thema der Tram-Fortführung von Pasing nach Freiham wieder in Gang bringen. Der Termin dafür sei noch nicht bekannt, so ein Pressesprecher im Planungsreferat. Bis Mitte Juli hat der BA 22 Zeit, zu dem bereits ausgearbeiteten Entwurf einer Beschlussvorlage zur Erschließung Freihams durch den ÖPNV Stellung zu nehmen. Im BA bestehe man vorab auf einer Erläuterung des Gutachtens durch das Planungsreferat und der Möglichkeit, auf die kritischen Punkte hinzuweisen, so Kriesel. „In einer immer dichter werdenden Stadt wird das Thema Verkehr zu wenig ernst genommen“, kritisierte der Lokalpolitiker.

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