Für Vertrag, der nicht existiert

Von Telefonfirma grundlos abgemahnt

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Dieter Halama mit dem angeblichen Vertrag.

München - Leser Dieter Halama wendet sich an den tz-Bürgeranwalt. Er ist von einem Telefonanbieter abgemahnt worden, für einen Vertrag, der gar nicht existiert.

Wie schnell man einen Schufa-Eintrag bekommen kann, zeigt unsere heutige Geschichte. Und welche Folgen das haben kann, auch. Allerdings kann man jedes Jahr einmal kostenlos bei der Schufa anfragen, ob und welche Einträge es über die eigene Person gibt. Doch wer macht das schon? Meist weiß man ja gar nicht, dass die Gefahr eines solchen Eintrages besteht. Was ist die Schufa überhaupt? Es handelt sich dabei um ein Auskunftsunternehmen, das Privatpersonen und Geschäftsleuten gegen Geld Informationen über die finanzielle Lage eines Bürgers oder auch Unternehmens erteilt. Wie kommt die Schufa an ihre Daten? Sie hat Verträge mit Banken, Telefongesellschaften, Leasingunternehmen und anderen Firmen, die ihr die Daten liefern. Das geschieht völlig legal, denn wir haben, wenn wir mit diesen Unternehmen einen Vertrag abschließen, auch unterschrieben, dass wir mit der Weitergabe solcher Daten an die Schufa einverstanden sind. Welche Pläne hat die Schufa? Ihr neuester Plan ist, auch Daten aus dem Internet und dort vor allem aus den sozialen Netzwerken zu sammeln. Diese will sie mit den bereits vorhandenen Daten verknüpfen. Ein entsprechendes auf drei Jahre befristetes „wissenschaftliches Experiment“ läuft zurzeit. Darf die Schufa das? Die Datensammler stellen sich auf den Standpunkt, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt, und wer seine privatesten Dinge ins Netz stellt, muss auch damit rechnen, dass Informationen abgegriffen werden. Datenschützer sind anderer Meinung. Was nützt uns die Schufa? Sie erfüllt eine wichtige wirtschaftspolitische Aufgabe, denn sie schützt Geschäfts- und Privatleute vor windigen Geschäften und Geschäftemachern.

Ihr Dietmar Gaiser

Grundlos abgemahnt

Ich werde seit dem 5. Juli von einem Telefonanbieter mit Forderungen genötigt, einen Handyvertrag zu bezahlen, der nie abgeschlossen wurde. Der Telefonanbieter hat sogar bei der Schufa diesen Handyvertrag gemeldet und eintragen lassen, obwohl er nicht existiert. Seitdem habe ich drei Widerruf-Schreiben und einen Musterbrief der Verbraucherzentrale an den Telefonanbieter gesendet und nie Antwort erhalten.

Nach Einsicht in meine Schufa-Akte habe ich sofort die Schufa über diesen betrügerischen Vorgang des Telefonanbieters informiert. Daraufhin hat die Schufa dort Rücksprache genommen und ihr wurde schriftlich mitgeteilt, dass kein Handyvertrag mit mir existiert hat.

Die Schufa hat daraufhin sofort meinen Eintrag gelöscht und sandte mir das Schreiben, in dem der Telefonanbieter der Schufa bestätigt, dass ich keinen Vertrag abgeschlossen habe. Nun habe ich es auch schriftlich, dass Vodafone keinen Handyvertrag mit mir hat.

Trotzdem bekam ich am 15. November ein Schreiben eines Inkasso-Unternehmens, das von dem Telefonanbieter beauftragt wurde. Zahlung von 345,14 Euro bis 21. November! Da Vodafone bisher auf kein Schreiben von mir reagiert hat, bitte ich Sie um Hilfe.

Dieter Halama (61), Haustechniker aus Obermenzing

Die tz informierte die Vodafone-Pressestelle über die vielen Rechnungen und Mahnungen, die an tz-Leser Dieter Halama gesendet worden waren, obwohl es gar keinen Vertrag mit ihm gibt. Sofort machte sich eine Mitarbeiterin daran, zu recherchieren, wie es zu den verschiedenen Mahnungen und zu dem Schufa-Eintrag kam. Schon am darauffolgenden Tag schrieb die Unternehmenssprecherin an den tz-Leser: „Bitte entschuldigen Sie den entstandenen Aufwand und Ärger, der durch die Aktivierung der oben genannten Kundennummer entstanden ist.“ Die Recherche im Unternehmen habe ergeben, dass es keinen unterzeichneten Vertrag gibt, auf dessen Grundlage eine Aktivierung basiert. Warum das Unternehmen auch auf den zweiten und dritten Widerspruch von Dieter Halama nicht reagierte, begründete die Sprecherin mit „internen Unzulänglichkeiten“. So etwas wolle man künftig unterbinden: „Interne Maßnahmen hierzu sind bereits in Aktion“, hieß es von Vodafone.

Die Sprecherin teilte weiterhin mit: „Soeben wurde der Vertrag deaktiviert und die Kosten ausgebucht.“ Der tz-Leser habe sich zu keiner Zeit im Inkasso befunden, der Außenstand aus dem Kundenkonto sei „lediglich an ein Inkassobüro zur Einholung abgegeben“ worden. Dieses sei ebenfalls gestoppt worden. Die Sprecherin bittet Dieter Halama im Namen des Unternehmens ausdrücklich um Entschuldigung. Zudem kündigte die Sprecherin an, dass er „in den nächsten Tagen eine kleine Wiedergutmachung“ erhalten werde.

Doch Dieter Halama hatte Auslagen, für Porto und die Fahrten zu dem Vodafone-Geschäft, wo er vergeblich versucht hatte, den Sachverhalt aufzuklären. „Außerdem hat mich die Sache enorm Nerven und Zeit gekostet, dies teilte ich dem Telefonunternehmen mit. Dann versprach man mir, dass ich 100 Euro in den nächsten Tagen auf mein Konto überwiesen bekomme“, sagt Dieter Halama, der sich sehr freut, dass er dank der tz die Sache nun als abgeschlossen betrachten darf.

Susanne Sasse

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