Pasing: Täter flüchten im Auto und zu Fuß

Wilde Einbrecherjagd durch die Gärten

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In diesem Mini Cooper (r.) flüchtete der Einbrecher.

München - Gegen Autos, über rote Ampeln und gegen eine Begrenzung: Ein Einbrecher hat sich in Pasing eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert.   

18.45 Uhr in der Maria-Eich-Straße: Ein Polizeistreife mit zwei Beamten fährt routinemäßig durch das schicke Viertel. Auf dem Gehweg fallen ihnen zwei Männer auf, die sich ungewöhnlich lange an den Häusern umsehen. Der Verdacht: Es sind potenzielle Einbrecher, die die Gegend ausspähen! Aber sie verschwinden, bevor die Beamten sie kontrollieren können. Einer zu Fuß, der andere steigt in seinen geparkten Mini Cooper und fährt davon. Ein gefährliche Verfolgungsjagd beginnt!

Schülerin Melanie S. (l.) sah die Streifenwagen.

Denn als die Beamten Mario C. (26, Name geändert) mit Polizeikelle und Blaulicht anhalten wollen, rast er über die Josef-Felder-Straße in Richtung Osten davon und versucht, den Streifenwagen abzuschütteln. „Der Mann fuhr mit etwa 80 bis 100 Kilometer pro Stunde und wechselte mehrfach die Fahrspur“, sagt Hauptkommisar Markus Göttler (43) von der Pasinger Polizeiinspektion. Eine 63-jährige Frau kommt mit dem Schrecken davon: Ihren Ford Fiesta rammt der Italiener vorne rechts. Statt anzuhalten, flieht er über die Landsberger Straße weiter stadteinwärts. Dabei fährt er auch auf die Gegenfahrbahn, um langsamere Autos zu überholen – und prescht trotz roter Ampel über zwei Kreuzungen. Ein lebensgefährliches Manöver! „Die entgegenkommenden Fahrzeuge sind nach links und rechts ausgewichen. Nur durch großes Glück kam es nicht zu einem schweren Unfall“, sagt Göttler. „Nachdem er in die Willibaldstraße abbog, fuhr er sich in einer Sackgasse fest.“ An einer Baustelle prallt Mario C. frontal gegen einen Parkverhinderungsbügel!

Tatort Maria-Eich-Straße

Zu Fuß flüchtet er weiter stadtauswärts über die Agnes-Bernauer-Straße durch mehrere Hinterhöfe. „Die Kollegen sind über Zäune und durch Hecken gesprungen und dabei zu Fall gekommen. Auch der Täter fiel hin.“ Aber sie holen ihn nicht ein. Erst in der Böcksteiner Straße gelingt die Festnahme, als der Täter von einem Metallzaun klettert. Dort wirft sich ein Beamter auf ihn! Sein Kollege verletzt sich am Fuß.

In der Böcksteiner Straße schnappten die Beamten den 26-jährigen Täter.

Während der Flucht wirft C. einen Schraubendreher weg, mit dem er eine Terrassentür in der Maria-Eich-Straße aufbrach. Sein Komplize ist auf weiter auf der Flucht.

Andreas Thieme

Noch zwei Fälle

Nicht nur in Pasing haben die Einbrecher zugeschlagen. Auch in Berg am Laim drangen bislang unbekannte Täter am Dienstag zwischen 9 und 20 Uhr über die Terrassentür in ein Einfamilienhaus in der Sonnwendjochstraße ein. Dort durchsuchten sie das Wohnhaus eines Arztes und nahmen zahlreiche hochwertige Schmuckstücke im Wert von mehreren zehntausend Euro mit. Bislang gibt es noch keine Hinweise auf die Täter.

In der Neuaubinger Rieneckerstraße drangen die Täter mit brachialer Gewalt ebenfalls über die Terrassentür in ein Reiheneckhaus ein, in dem eine 74-jährige Seniorin lebt. Innen durchwühlten die Täter alle Räume und nahmen Schmuck und Bargeld in Höhe von mehreren zehntausend Euro mit. In beiden Fällen bittet die Polizei unter der Telefonnummer 089/ 29 10 0 um Zeugenhinweise.

Stadtteil ist Einbruchshochburg

Hauptkommissar Markus Göttler (43) weiß: Im November und Dezember nehmen die Einbrüche explosionsartig zu. „Die Täter nutzen die Dunkelheit am Abend. Pasing ist durch seine schöne und elitäre Wohngegegenden für sie attraktiv – ebenso wie die Ein- und Ausfallstraßen durch die Autobahnanbindung für sie günstig liegen.“ In Sachen Einbruchskriminalität sei Pasing „höchstbelastet und im Münchner Westen auch die höchstbelastete Dienststelle“, sagt Göttler. „Aus diesem Grund fahren wir ab nächster Woche gemeinsam mit der Bereitschaftspolizei ein neues Einbruchskonzept. Dazu stocken wir das Personal um 30 Kräfte auf.“

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