Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Pasing-Obermenzing

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Der „Obermenzinger Dorfschreiber“ Adolf Thurner: „Der Alte Wirt ist das zweit­ältestes Gasthaus der Stadt“

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München wächst. In Aubing entsteht mit Freiham sogar ein ganz neuer Stadtteil. Doch gewerkelt wird auch abseits großer Baugruben - man muss bloß genau hinschauen. In Hinterhöfen, Werkstätten und Garagen sind sie (noch) zu finden: Münchens Handwerker. Doch leider passen sie oft nicht mehr in unsere Zeit: Der Run auf günstige Massenware bricht vielen das Genick, andere werden raussaniert. Wo Altes wegbricht, kommt Neues. Schöner wohnen an der Würm - für die alten Bewohner weniger schön. Traditionshäuser gehen, Verkehr kommt. Welche Viertel aufgemöbelt werden, wo mit zarter Hand saniert wird und wo sich Bürger alte Zeiten zurückwünschen, lesen Sie im letzten Teil des tz-Stadteilchecks.

Dorfschreiber auf Spurensuche

Man müsse schon genau hinschauen, um den dörflichen Charakter Obermenzings noch zu erkennen, sagt Adolf Thurner. Der „Obermenzinger Dorfschreiber“ macht sich seit geraumer Zeit Sorgen um seinen Stadtteil. „Ungefähr seit 2000 geht tragischerweise alles dahin. Die Alten sterben, die Erben können einander nicht ausbezahlen – und dann geht das Grundstück an einen Investor, der so viel reinbaut, wie er kann.“ So sei das auch bei der neuen Wohnanlage mit 33 Eigentumswohnungen am Betzenweg gewesen. Weitere 26 Wohnungen würden momentan „noch näher an der Würm“ gebaut. Oder das rote Würfelhaus im Dorfkern. „Es ist mir ein Rätsel, wie man so ein Haus in einen historischen Ortskern bauen kann, der seit 1972 unter Ensembleschutz steht. Das Haus befindet sich dort, wo früher der Misthaufen war. Das passt.“

Gern denkt der Dorfschreiber an das Obermenzing seiner Jugend zurück. „Obermenzing war seinerzeit noch schön. Viele Straßen waren nocht nicht geteert. Aber es gab schon den Alten Wirt. Dort habe ich für meinen Großvater oft Bier geholt – in der Millibixn.“ Als Bub lief Thuner noch über Äcker und Wiesen. „An der Karwinskistraße gab es Kartoffeläcker und Ziegelhöfe.“ Der 76-Jährige erzählt gern über diese Zeit. Seine Dorfspaziergänge bietet er aber nicht mehr an: „Ich habe resigniert.“

Aber es gibt auch positive Beispiele. Etwa den Alten Wirt im Dorfkern, Münchens zweitältestes Gasthaus, erbaut im Jahr 1417; oder das alte Mesnerhaus nördlich der Dorfkirche St. Georg. Ein Bauträger habe vor einigen Jahren den Abriss des sanierungsbedürftigen Häusls und den Neubau von Reihenhäusern beantragt. Doch er scheiterte vor Gericht. Das Häuschen wurde zwangsversteigert. „Die Eigentümer haben das Haus nach alten Denkmalschutz-Gesichtspunkten äußerlich wieder aufgebaut.“ Auch der alte Eberlhof an der Würm, das Carlhäusl und der Grandlhof erinnerten noch an die alten bäuerlichen Strukturen.

Seit den 70er-Jahren beschäftigt sich Thurner mit der Geschichte seines Stadtteils, forschte zunächst über seine eigene Familie und weitete seine Recherchen auf die Obermenzinger Höfe, Kirchen und schließlich den ganzen Stadtteil aus. Auch über Pasings Historie weiß er bestens Bescheid. „Das Pasinger Zentrum und auch der Bereich westlich der Lorzingstraße haben sich wahnsinnig entwickelt.“ Doch das alte Pasing existiere noch: im Institut der Congregatio Jesu, der ehemaligen Englischen Fräulein. „Da hinten ist die Welt noch in Ordnung.“

Der alte Kreuzgewölbekeller, auf der Insel im Garten des Instituts der Englischen Fräulein, ist das heute noch existierende, letzte Überbleibsel des alten Schlosses und somit das älteste Gebäude Pasings.

Tradition lebt weiter

Eine bessere Heimat für einen Traditionsverein kann es nicht geben: Das Carlhäusl ist eines der ältesten erhaltenen Gebäude Obermenzings. 1726 wurde das Gebäude erstmals im Güterverzeichnis der Hofmark Menzing als „Häusl“ ohne landwirtschaftlichen Grund erwähnt. Das Mauerwerk besteht aus gebrauchten Ziegelsteinen, wohl aus der nahegelegenen Färberei und Walkerei, die 1713 stillgelegt wurde. 1990 erwarb die Stadt München den Bau, der seit 1996 bis 1998 vom Heimat- und Trachtenverein „D’Würmtaler“ renoviert wurde. Seither dient er den Obermenzinger und Untermenzinger Vereinen und Bürgern als Veranstaltungsraum. Nächster Termin: der Kathreintanz am 17.11. um 19.30 Uhr im Carlhäusl.

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