Pasinger klagen seit zehn Jahren

Rentner-Paar: Bäume nehmen uns das ganze Licht!

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Kerzenlicht am Mittagstisch: Roswitha Wölfl und Wilhelm Simon ärgern sich über die Schatten der Bäume

München - Roswitha Wölfl (68) und ihr Mann Wilhelm Simon (69) sehen vor lauter Bäumen nicht mehr aus dem Haus. Das Pasinger Rentner-Paar klagt deswegen seit zehn Jahren - vergeblich.

Ein Blick ins Grüne ist wunderschön. Aber wenn man vor lauter Bäumen im Haus nichts mehr sieht, stört die grüne Pracht. So geht es Roswitha Wölfl (68) und ihrem Mann Wilhelm Simon (69) in Pasing. Vor ihrem Mehrfamilienhaus stehen prachtvolle Bäume. „Die reichen jetzt schon bis über den vierten Stock hinaus“, sagt Roswitha Wölfl. „Jetzt müssen wir bei uns im dritten Stock den ganzen Tag über das Licht anlassen.“ Lesen oder Kochen ist ohne elektrisches Licht nicht mehr möglich. „Dazu ist es sogar um 12 Uhr mittags zu dunkel.“

Seit zehn Jahren kämpft Roswitha Wölfl dafür, dass die Bäume ausgedünnt werden. „Aber die Wohnungsgesellschaft lehnt ab und verweist auf die Baumschutzverordnung, die angeblich Abhilfe verhindert“, ärgert sich die Rentnerin. „Das kann es doch nicht sein, dass man aus Naturschutzgründen gezwungen ist, Energie zu verschwenden und tagsüber das Licht anzulassen!“ Sie wäre zufrieden, wenn die Bäume gekürzt und ausgelichtet werden. „Von Fällen war nie die Rede“. Aber passiert ist nichts, die Eiche, die Linde, die Buche und die zwei Erlen streben ungehindert immer weiter himmelwärts und werden von Jahr zu Jahr dichter. „Die Eiche ist mittlerweile so groß, dass man die Äste vom Balkon aus berühren kann.“

Kein Mieter darf wegen Bäumen vor dem Fenster gezwungen sein, den ganzen Tag künstliches Licht zu brauchen, befand Anja Franz, Mietrechtsspezialistin beim Mieterverein München. „Die betroffenen Mieter müssen den Vermieter schriftlich anmahnen, die Bäume zurechtzustutzen, und ihm eine Frist setzen“, empfiehlt sie. Wenn der Vermieter in dieser Frist nicht handelt, darf die Miete gemindert werden. „Zwischen zehn und 15 Prozent sind angebracht.“

Die Wohnungsgesellschaft kann sich nicht darauf berufen, dass ein Stutzen der Bäume wegen der Baumschutzverordnung unmöglich sei, meint auch Marc Binder. Sprecher des Amts für Stadtplanung und Bauordnung. „Bis zu zehn Prozent des Baumvolumens dürfen ohne Genehmigung gestutzt werden“, erklärt er. Wer mehr stutzen will, muss dies bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt anzeigen und sich genehmigen lassen.

Susanne Sasse

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