Edelmetall in der Asche

Was passiert mit dem Gold in Zähnen Verstorbener?

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Dietmar Gaiser mit Sieglinde Hilz-Tesch am Grab ihres Mannes am Waldfriedhof Foto: Michael Westermann

München - tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser beantwortet auch heute wieder dringende Fragen von unseren Lesern. Es geht um Gold in der Asche und italienische Parkregeln.

Frage: Mein Mann starb Mitte des Jahres im Krankenhaus Großhadern. Er wurde verbrannt und die Urne vier Wochen später auf dem Waldfriedhof beerdigt. Damals war der Schock groß und ich dachte immer nur an das Nächstliegende. Jetzt bin ich ein wenig zur Ruhe gekommen und es fallen mir viele Dinge ein, die ich damals verdrängt habe. Dazu gehört auch die Frage, was aus dem Zahngold meines Mannes geworden ist. Vor einiger Zeit las ich in der Zeitung, dass ein Nürnberger Gericht sechs Angestellte eines Krematoriums verurteilt hat, weil sie sich an dem Zahngold von Verstorbenen bereichert hatten. Nun frage ich mich, wo ist das Zahngold meines Mannes geblieben? Ich habe es nicht bekommen. Können Sie mir Auskunft geben? 

Sieglinde Hilz-Tesch (79), Rentnerin aus München

Antwort: Die tz-Leserin erinnert sich richtig. Es gab in Nürnberg einen Prozess, bei dem fränkische Krematoriumsmitarbeiter verurteilt wurden, weil sie Zahngold an sich genommen hatten. Dieser Prozess war der Anlass dafür, dass sich die Münchner Friedhofsverwaltung und der Stadtrat mit der Frage beschäftigten, wie man mit dem in den Münchner Krematorien anfallenden Zahngold verfahren soll. Bis zu diesem Zeitpunkt war es aus der Asche per Hand herausgesucht worden, um es „für die Kultur des Sterbens und der Totenruhe“ zu verwenden, wie es im Amtsdeutsch hieß. Es floss in die Friedhofskasse und wurde dort auch wieder ausgegeben. Die Angestellten hatten also keinen Vorteil davon, das Stadtsäckel sehr wohl. Am einfachsten wäre es natürlich, das Gold den Erben zu geben. Das ist aber in der Praxis schwierig. Die Asche wird nämlich mit einem Magnet nach Metallteilen abgesucht. Wenn dann an den Eisenteilen ein bisschen Gold hängt, kann es per Hand zwar herausgesucht, aber nicht zugeordnet werden. Der Magnet wird aus technischen Gründen nämlich nur in größeren Abständen gereinigt. Was also tun? In München fand man eine Lösung, bei der kleine Metallteilchen unmittelbar in die dazugehörige Urne gefüllt werden. Das läuft rein mechanisch ab. Diebstahl ist praktisch ausgeschlossen. Alois Maderspacher, Pressesprecher für die Münchner Friedhöfe, versicherte uns, man könne davon ausgehen, dass das Gold der Zahnprothese des Mannes von Sieglinde Hilz-Tesch mit der Asche in der Urne liegt. Als wir das Sieglinde Hilz-Tesch mitteilten, bewies sie, dass sie trotz der Schicksalsschläge ihren Humor nicht verloren hat. Ihr Kommentar war: „Dann glänzt es in der Urne meines Mannes also golden. Das beruhigt mich.“

Italienische Parkregeln

Frage: Ich war letztes Jahr auf einer Rundreise durch Italien mit meinem Fiat Barchetta. Ich bin durch Weinberge und Städte gefahren und habe im Auto übernachtet. Deshalb habe ich mir in den Innenstädten jeweils einen Parkplatz zwischen parkenden Autos gesucht. Jetzt, fast ein Jahr später, kamen vier Schreiben von der Regierung von Oberbayern über ein Amts- und Rechtshilfeverfahren wegen Verkehrsdelikten in den Städten Grosseto, Bologna und Florenz, aus letzterer Stadt gleich zwei Rechnungen für Rein- und wieder Hinausfahren jeweils über 90 Euro. Wenn man es innerhalb von sechs Wochen nicht begleicht, dann sind es gleich über 300 Euro. Ursache: Ich war in die Innenstadt gefahren in einen beschränkten Verkehrsbereich. Ich hätte wohl immer eine Plakette an einem Zeitungskiosk kaufen müssen. Ich wusste das nicht, sogar meine Freunde aus Italien wissen das nicht. 

Peter Hildegard, München

Rechtsanwalt Michael Nissen.

Antwort: „Die Regelungen für verkehrsbeschränkte Zonen in Italien sind tatsächlich sehr verwirrend“, sagt Rechtsanwalt Michael Nissen, Leiter der Abteilung Internationales Recht beim ADAC München. Wer in so eine Zone einfährt, muss mit einem saftigen Bußgeldbescheid rechnen – normal sind 74 bis 80 Euro plus Verwaltungsgebühren, so Nissen. Da in jeder italienischen Stadt eine andere Regelung gilt, müsse man sich vor Ort erkundigen. „Für Ausländer ist das aber oft nicht einfach, in Florenz hängen zum Beispiel große Schilderbäume, da steht oben ein Verbot und darunter sind 20 Ausnahmen einzeln aufgeführt“, sagt Nissen. Er rät, Innenstädte tunlichst zu umfahren. Nur dann, wenn man in einem innerstädtischen Hotel wohne, könne man erfolgreich gegen den Bußgeldbescheid vorgehen, etwa, indem man die Rechnung des Hotels vorlegt. Vollstreckt werden kann die Geldbuße in Deutschland derzeit allerdings noch nicht, die deutschen Behörden fungieren lediglich als Briefbote. Dies liegt daran, dass Italien den EU-Rahmenbeschluss zur grenzüberschreitenden Vollstreckung von Geldsanktionen noch nicht umgesetzt hat. „Wer allerdings mit demselben Kennzeichen in den nächsten fünf Jahren noch einmal nach Italien will, der sollte zahlen“, rät Nissen. Zudem gibt er zu bedenken, dass Italien den EU-Rahmenbeschluss auch plötzlich doch noch umsetzen und dann rückwirkend vollstrecken könnte. 

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