Passionsspiele: Stadt kassiert bei Kindern ab

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Passions-Spielleiter Christian Stückl.

München - Bei den Passionsspielen von Oberammergau haben einige Heimkinder mitgespielt. Jetzt wurde bekannt, dass die Stadt ihnen ihre Gage abknöpft. Nur 25 Prozent dürfen sie behalten.

Die berühmten Passionsspiele von Oberammergau – sie erinnern ans Leiden Christi. Und an Gottes Gebot, dass geben seliger denn nehmen ist. Doch wenn es um die weltlichen Gesetze geht, ist der Bürokratie manchmal nichts heilig. Genauer gesagt: den „Sozialexperten“ im Münchner Rathaus.

Sie haben Heimkindern, die bei der Passion mitgespielt haben, einen Großteil ihrer kleinen Gage abgeknöpft. Die Sozial-Schande – das Garmisch-Partenkirchner und Murnauer Tagblatt hat sie jetzt öffentlich gemacht. Es geht um Heranwachsende aus zerrütteten Familien und Sozialwaisen, die im Oberammergauer Marie-Mattfeld-Haus wohnen. Wie alle Passionsdarsteller erhielten auch sie ein Honorar im dreistelligen Bereich. Von diesem Geld durften sie jedoch nur ein Viertel behalten. Den Rest, also 75 Prozent, hat die Stadt München einkassiert. Sie ist Träger des Heims.

Rein rechtlich ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden, denn nach den Vorschriften des Kinder- und Jugendhilfegesetzes müssen junge Menschen, die in einer Einrichtung dauerhaft untergebracht sind, 75 Prozent ihres Einkommens „als Kostenbeitrag einsetzen“. Vorgaben ließen es grundsätzlich nicht zu, „dass Einkommen über den Freilassungsbetrag von 25 Prozent hinaus den jungen Menschen belassen wird“.

Bei dieser gebundenen Entscheidung stehe der Stadt München kein Ermessen zu. Mit diesen Worten beschreibt Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) im Auftrag von Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Situation als Antwort auf eine Anfrage des Oberammergauer Landtagsabgeordneten Florian Streibl.

Bei Monatzeders Begründung wird Kurt Meier aus München ganz grün im Gesicht. Der Vorsitzende des Freundeskreises des Kinder- und Jugendhauses: „Bei uns werden Kinder betreut, die Niemanden mehr haben. Das Passionshonorar war ein schönes Taschengeld, mit dem sie sich auch mal etwas hätten leisten können. Das Verhalten der Stadt ist bodenlos, ja schändlich den Kindern gegenüber.“

Passionsspielleiter Christian Stückl, der OB Ude auf die Honorarkürzung ansprach, hofft, dass es noch zu einer Einigung kommt: „Sicher wird vielleicht irgendwo ein Präzedenzfall geschaffen. Aber wenn es irgendwie geht, sollte man den Kindern das Geld, das ihnen ja zusteht, in voller Höhe auszahlen.“ Sonst nimmt man ihnen ja jede Motivation, sich auch künftig etwas dazu zu verdienen“, sagte Stückl dem Münchner Merkur.

Ähnlich sieht es Florian Streibl von den Freien Wählern, der Sohn des früheren bayerischen Landesvaters Max Streibl (CSU): „Dass sich die Stadt hier allein auf Paragraphen beruft, ist sehr enttäuschend. Wenn es auf diese paar Kröten ankommt, wäre es um München schlecht bestellt. Die Kinder waren bei der Passion vollkommen integriert, sie haben Anerkennung erfahren und für die Gemeinde eine Leistung erbracht. Dafür haben sie auch das volle Honorar verdient.“

Ludwig Hutter

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