Ekel-Vorwürfe gegen Pizza-Pasta-Kette 

„Vapiano-Kunde merkt es nicht – kommt ja Soße drüber“

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München - Die Pizza- und Pastakette Vapiano soll bewusst abgelaufene Lebensmittel an Kunden verkauft haben. Das haben Recherchen der „Welt am Sonntag“ ergeben. Ausdrücklich geht die Zeitung auf Missstände in Münchner Restaurants von Vapiano ein.

+++ Update vom 5. November: Der Vapiano-Chef entschuldigt sich bei seinen Kunden.

In der Landeshauptstadt betreibt Vapiano vier Filialen – unter anderem im Busbahnhof an der Hackerbrücke und an der Theatinerstraße. Die Welt am Sonntag beruft sich unter anderem auf Nina S., die bis vor kurzem Küchenchefin in einer Münchner Filiale war. Zu ihren Aufgaben habe es gehört, Aufkleber mit dem unternehmenseigenen Haltbarkeitsdatum von Verpackungen für Fleisch und Gemüse zu kratzen, wird sie zitiert. Somit hätten die Waren zwei bis drei Tage länger verarbeitet werden können. „Dadurch, dass die Waren so oft umetikettiert werden, wussten wir am Ende gar nicht mehr, wie alt sie eigentlich sind“, sagt Nina S. Ein anderer Münchner Mitarbeiter sagte: „Die Nudeln, die wir verkauft haben, hatten manchmal einen grünlichen Schimmer. Der Kunde merkt das nicht – da kommt ja Soße drüber.“ Vapiano-Angestellte aus ganz Deutschland haben ähnliches berichtet.

Demnach landeten Lebensmittel auf den Tellern von Kunden, die teils merkwürdig rochen und nicht mehr appetitlich gewesen seien. Nicht nur in München, auch in Berlin, Frankfurt am Main, Hannover und Köln sei gegen unternehmensinterne Frische-Standards verstoßen worden. Ein ehemaliger Angestellter in Hannover sagte der Zeitung, das Hühnchen habe zuweilen „eklig“ gerochen. Ein früherer Mitarbeiter aus Frankfurt berichtete demnach, sein Chef habe ihn damals aufgefordert, den Wok heißer zu machen, „dann schmeckt man es nachher nicht mehr“.

Vapiano zeigte sich laut Welt am Sonntag „schockiert und entsetzt“. Das Unternehmen verwies auf die „außergewöhnlich hohen internen Qualitäts- und Kontrollstandards“, die vom TÜV und vom SGS Institut Fresenius bestätigt worden seien. „Es entzieht sich meiner und unser aller Vorstellungskraft, dass es solche Fälle bei Vapiano aktuell trotz allerstrengster Vorschriften und Kontrollen geben soll“, erklärte Vapiano-Chef Jochen Halfmann. Online veröffentlichte die Pizza-Pasta-Kette eine Stellungnahme.

Er kündigte an, den Vorwürfen nachzugehen, „auch wenn sie zum Teil absurd erscheinen“. Wie die Welt am Sonntag mit Verweis auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weiter berichtete, dürfen Gastronomen Lebensmittel, die abgelaufen sind, grundsätzlich noch verkaufen. Das gelte insbesondere für Haltbarkeitsdaten, die ein Unternehmen sich selbst setze. Gesetzliche Vorgaben, wie lang ein Restaurant zum Beispiel aufgetautes Fleisch und frisches Gemüse verkochen darf, gebe es nicht. Die Pasta- und Pizzakette Vapiano betreibt 161 Restaurants in Deutschland und anderen Ländern. In den Filialen werden Pasta, Pizzateig, Soßen und Dressings selbst hergestellt; die Speisen werden vor den Augen der Kunden zubereitet.

Entsprechend gefährlich sind die Vorwürfe für Vapiano, das auf seiner Homepage mit dem Slogan „Unsere Pasta machen wir täglich frisch“ wirbt. Auch das stimmt nicht, behauptet ein Münchner Mitarbeiter. In seiner Filiale sei die Pasta-Maschine nicht täglich angeworfen worden – sondern nur zwei mal in der Woche.

AFP/fm

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