Paulaner verlässt den Nockherberg!

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Paulaner-Chef Steinfatt lässt das Bier nun in Langwied brauen. Der Salvator-Anstich (mit Bavaria Luise Kinseher) bleibt am Nockherber

München - Die Paulaner Brauerei verlässt ihren Traditionsstandort am Nockherberg und zieht bis 2014 ans Autobahnkreuz Nordwest bei Langwied. Hauptgrund für den Umzug ist das Luxus-Problem der Brauerei.

Während bundesweit der Bierkonsum zurückgeht, trinken Italiener, Chinesen und Amerikaner immer mehr Bier vom Nockherberg. Gleichzeitig werden Gebinde wie Sixpacks stets beliebter. Das stellt die Brauerei vor Logistikprobleme, für die der Platz am Nockherberg nicht mehr ausreicht.

Das Gelände in Langwied, wo bis voriges Jahr die Spaten-Brauerei einen Neubau plante, ist mit 15 Hektar fast doppelt so groß wie das Gelände am Nockherberg und liegt noch auf städtischem Territorium. Dort sollen Kapazitäten für 3,5 Millionen Hektoliter Bier jährlich entstehen, es gibt noch eine Reservefläche, die einen Ausstoß von fünf Millionen Hektoliter ermöglichen würde. Derzeit stößt die Brauerei rund 2,4 Millionen Hektoliter aus. Die Produktion am neuen Standort wird effizienter, was den Energie- und Wasserverbrauch senkt, aber auch einen Personalabbau von an die zehn Prozent der 900 Jobs bedeutet!

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„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, so Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt, Schließlich ist Paulaner die einzige Münchner Brauerei, die an ihrem Ursprungsort steht. Doch Steinfatt stellt klar: „Wir bleiben eng mit unserem Standort in der Au verbunden.“ Denn Vertrieb und Verwaltung sollen mit ihren 250 Jobs am Nockherberg bleiben, wo an der Ohlmüllerstraße ein Neubau entsteht. Die denkmalgeschützten Gebäude an der Ohlmüllerstraße sollen erhalten bleiben, auch die Original Linde-Eismaschine. Der Paulaner Biergarten und der Salvator-Keller bleiben stehen. Wirt Peter Pongratz ist schon ein wenig nostalgisch ums Herz, auch wenn er den Umzug versteht: „Nach 21 Jahren kennt man jeden Mitarbeiter, da ist es schon schade, wenn man sich nicht mehr jeden Tag sieht.“

Das Brauereigelände wird an die Bayerisch Hausbau verkauft, die dort Wohnungen plant, die zu 30 Prozent öffentlich gefördert werden. Hausbau-Geschäftsführer Jürgen Büllesbach: „An diesem attraktiven Standort wird kein Luxusquartier entstehen, sondern eine Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen für Familien und Singles mit unterschiedlichem Einkommen, ergänzt durch kleinteiliges Gewerbe und groß­zügige Grünflächen.“

J. Welte

Die Historie einer Traditions-Brauerei

1627: Auf Einladung von Kurfürst Maximilian I. siedeln sich die so genannten Paulaner im Kloster Neudeck ob der Au am Nockherberg an.

1634: Die Paulaner-Brauerei am Nockherberg wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt: Sie wird von Brüdern des Paulaner-Ordens geführt.

2. April 1751: Erlaubnis zum öffentlichen Bierausschank am Festtag des Ordensgründers Hl. Franz von Paola.

1773: Der Mönch Barnabas wird Paulaner-Braumeister – nach seiner Grundrezeptur wird bis heute der Salvator gebraut.

1780: Kurfürst Karl Theodor erlaubt den Paulanern unbeschränkten Bierausschank.

1799: Das Kloster Neudeck ob der Au löst sich auf, das Brauhaus wird unter staatlicher Regie weitergeführt.

1806: Bierbrauer Franz Xaver Zacherl übernimmt das Brauhaus zur Pacht, sieben Jahre später kauft er das gesamte Gelände. Er modernisiert und erweitert die Brauerei.

1849: Nach dem Tod Franz Xaver Zacherls erben seine ­Neffen Heinrich und Ludwig Schmederer die Brauerei.

1861: Erstmals wird der Salvator im neu erbauten „Zacherl-Keller“, ausgeschenkt, dem heutigen Paulaner am Nockherberg.

1928: Die aus der Gebrüder Schmederer Aktienbrauerei hervorgegangene Aktiengesellschaft Salvatorbrauerei schließt sich mit Thomassbräu zur Paulaner-Salvator-Thomassbräu AG zusammen.

1979 bis 1981: Die Schörghuber Unternehmensgruppe übernimmt die Brauerei.

1994: Umbenennung in Paulaner Brauerei AG

28. November 1999: Säle und Räume des Paulaner-Kellers werden bei einem Brand zerstört. Die Paulaner AG wird zur Paulaner GmbH & Co. KG.

2003: Der nach dem Brand neu erbaute Paulaner am Nockherberg wird eröffnet.

CS

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