Ging Veranstalter zu früh an Öffentlichkeit?

Paulaner-Areal in der Au: Abschiedsfest mit Fragezeichen

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Bald Geschichte: Die Gebäude der Paulaner-Brauerei in der Au. Sie sollen noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

München - Bevor die Gebäude der Paulaner-Brauerei völlig aus der Au verschwindet, könnten sie noch einmal Schauplatz eines Spektakels werden. Am 22. Oktober sollen hier die Philharmoniker spielen und danach DJs auflegen. Das enorme Interesse bringt die Veranstalter in Schwierigkeiten.

Die Welle der Begeisterung schwillt minütlich an. Am Dienstagmittag haben auf Facebook bereits 11 200 Menschen kundgetan, dass sie sich für die Veranstaltung „Eben drum“ interessieren. Wohlgemerkt soll die erst am 22. Oktober stattfinden – und Veranstalter Otger Holleschek hat sie erst vor zwei Tagen auf der Internet-Plattform öffentlich gemacht, inklusive Kartenvorverkauf. Er seufzt: „Wenn ein Vermieter die Zahl 11 200 sieht, trifft ihn natürlich der Schlag.“

Erste Begehung: Bis zu elf Meter hoch sind die mittlerweile leeren Hallen der Brauerei.

Vermieter ist in diesem Fall Paulaner. Seit das Unternehmen nach Langwied gezogen ist, verschwinden in der Au nach und nach die alten Brauereigebäude, es ist die Dämmerung einer Ära, die im Jahr 1634 begann. Diese Ära soll noch einmal gefeiert werden: „Wir bekommen die einmalige und unvergessliche Möglichkeit, ein Fest in der alten Brauerei zu feiern, bevor sie abgerissen wird“, schreibt das Team mit Namen „Die Königin der Nacht“, dem Holleschek angehört. „Ein verlassenes Gewerbegebiet wie in einem Märchen mitten in München.“

Für Kulturschaffende ist es tatsächlich ein Traum, eine solche Fläche bespielen zu dürfen. Wehmütig denkt so mancher an „Puerto Giesing“ zurück, eine gelungene Mischung aus Kunst und Party, die 2010 nur wenige hundert Meter entfernt von Paulaner im Hertie-Gebäude stattfand, bis es abgerissen wurde. „Eben drum“ weckt Erinnerungen, wenn auch nur für eine Nacht: Auf 1600 Quadratmetern, so der Plan, sollen die ehemalige Füllhalle und das Fasslager der Brauerei „zu einem pulsierenden Kosmos einer vergangen Zeit“ werden. Zuerst spielen Schlagwerker der Münchner Philharmoniker, dann legen bis 5 Uhr unter anderem die Berliner DJs Danny Faber und Wannda auf.

Holleschek hat Frühstart hingelegt - Paulaner nimmt ihn verschnupft zur Kenntnis

Wo früher Bier abgefüllt wurde, könnten im Oktober die Philharmoniker und DJs auftreten.

Holleschek betont auf Anfrage freilich, dass Anwohner nicht um ihre Nachtruhe zu fürchten bräuchten. „Wir wissen um die Sensibilität in dieser Ecke. Wir wollen keinesfalls verbrannte Erde hinterlassen.“ So sei die Veranstaltung dezidiert als Schlagzeug-Konzert mit Fest angekündigt. Die Philharmoniker spielten klassische Avantgarde von Steve Reich, Nebojsa Zivkovic und John Cage. Außerdem gebe man „eine fünfstellige Summe“ für den Lärmschutz aus. Man habe beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) eine Veranstaltung für 1000 Besucher beantragt, mehr wolle man auch nicht einlassen. Das bestätigt man im KVR. Der Antrag werde geprüft, bis 10. Oktober gebe es Auskunft.

Organisiert das Fest: Otger Holleschek.

Allerdings hat Holleschek einen Frühstart hingelegt, den man bei Paulaner verschnupft zur Kenntnis nimmt. Offiziell will sich die Brauerei nicht äußern, aber man verübelt es dem Veranstalter offenbar, dass er schon jetzt mit „Eben drum“ an die Öffentlichkeit gegangen ist – zur Wiesnzeit und ohne, dass die Brauerei ihre endgültige Zustimmung zu der Veranstaltung gegeben hätte.

Holleschek gibt zu, dass „noch einige Dinge geklärt werden“ müssten. Er verspricht: „Was der Vermieter verlangt, werden wir tun.“ Facebook-Zahlen dürfe man aber keinesfalls für bare Münze nehmen. Er arbeite bereits seit 2013 erfolgreich mit den Philharmonikern zusammen – und zum Filmfest im Juni habe er bei Paulaner bereits eine Veranstaltung durchgeführt. „Dass die Reaktionen diesmal so abgehen, hätten wir nicht gedacht“, beteuert Holleschek, hoffend, dass sein Abschiedsfest für die Brauerei nicht unter der Welle der Begeisterung begraben wird.

Bilder: Abschied von der Au - Paulaner zieht nach Langwied

Paulaner Brauerei Umzug Langwied
Die Paulaner-Brauerei zieht vor die Tore Münchens. Am Freitag wechselte die Urhefe ihren Standort. Bilder vom Umzug. © dpa
Paulaner Brauerei Umzug Langwied
Die Paulaner-Brauerei zieht vor die Tore Münchens. Am Freitag wechselte die Urhefe ihren Standort. Bilder vom Umzug. © dpa
Paulaner Brauerei Umzug Langwied
Mit dieser „Urmenge“ werden die Braumeister der Münchner Paulaner-Brauerei nächste Woche den ersten Sud am neuen Standort ansetzen. © dpa
Paulaner Brauerei Umzug Langwied
Mit dieser „Urmenge“ werden die Braumeister der Münchner Paulaner-Brauerei nächste Woche den ersten Sud am neuen Standort ansetzen. © dpa
Paulaner Brauerei Umzug Langwied
Die Paulaner-Brauerei zieht vor die Tore Münchens. Am Freitag wechselte die Urhefe ihren Standort. Bilder vom Umzug. © dpa
Paulaner Brauerei Umzug Langwied
Die Paulaner-Brauerei zieht vor die Tore Münchens. Am Freitag wechselte die Urhefe ihren Standort. Bilder vom Umzug. © dpa

Hier wird die alte Paulaner-Brauerei abgerissen

Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen.
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen. © Gaulke
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen.
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen. © Gaulke
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen.
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen. © Gaulke
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen.
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen. © Gaulke
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen.
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen. © Gaulke
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen.
Seit 1634 wurde am Fuße des Nockherberg gebraut - damit ist nun endgültig Schluss. Die Brauerei Paulaner ist bereits nach Langwied gezogen, am Dienstag haben die Abrissarbeiten an der alten Brauerei begonnen. © Gaulke

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