Proteste in Ramersdorf: Das stinkt zum Himmel!

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Daumen runter! Die Anwohner aus der Paulsdorfferstraße wehren sich gegen ratternde Kehrmaschinen, die bald vor ihrer Haustür rauf- und runterfahren sollen

München - Die Nachbarn fürchten Lärm, Dreck und Gestank. Sie sagen: „Wir wollen hier keine Straßenreinigung!“ Denn die Stadt will in Ramersdorf den neuen Betriebshof des Baureferats platzieren.

Die Nachbarn fürchten Lärm, Dreck und Gestank. Sie sagen: „Wir wollen hier keine Straßenreinigung!“ Denn die Stadt will den Bewohnern der Paulsdorfferstraße in Ramersdorf den neuen Betriebshof des Baureferats praktisch vor die Haustür setzen – drei Fußballfelder groß, mit der Straßenreinigung für ganz München, Winterdienst und Mini-Müllhalde. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat.

Zwei große Standorte will das Baureferat schließen und in dem neuen „City-Service-Center“ konzentrieren. Was da auf die Anwohner zukommen könnte, hat sich Nachbar Andreas Bruckmeier (47) an einem der bisherigen Betriebshöfe in der Gmunder Straße (Obersendling) angeschaut: Die Kehrmaschinen ratterten zu Dutzenden täglich ab 3.50 Uhr in die Stadt, um 5 Uhr kommen die ersten mit Kehricht zurück. Mehrere Tonnen kämen am Tag zusammen, schätzt Bruckmeier. „Das stinkt entsprechend!“ Im Winter sind die Männer rund um die Uhr im Dienst.

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Seit zehn Jahren lebt Bruckmeier mit Frau und drei Kindern (2 bis 7) in der Paulsdorfferstraße. Die Einfamilien- und Doppelhäuser sind nur durch einen 25 Meter breiten Grünstreifen von der Gewerbefläche getrennt. Es war schon immer fraglich, was die Stadt damit macht. Als Bruckmeier sein Häuschen kaufte, studierte er den Bebauungsplan von 1993. Demnach dürfen höchstens 40 Prozent der Fläche bebaut werden. „Das Gewerbe sollte kleinteilig und offen gebaut sein, eher für Forschung und Entwicklung, mit viel Grün dazwischen“, schwärmt Bruckmeier.

Von einem „City-Service-Center“ war nie die Rede: Das wollte die Stadt seit fast 20 Jahren in der Dachauer Straße bauen. Doch weil sich dort der Denkmalschutz gegen den Abriss zweier Hallen sperrt, entsteht nun ein Künstlerquartier. Vor einem Jahr sickerte durch, dass die Stadt mit der Straßenreinigung nach Ramersdorf will. Der Bezirksausschuss protestierte umgehend. Auch die Stadt sieht ein „Konfliktpotential“ und will die Anwohner schützen. Die Fläche sei aber schon immer weniger für Büros, sondern für klassisches Gewerbe vorgesehen gewesen.

Offenbar darum sollte das Projekt zunächst still und heimlich mit dem alten Bebauungsplan und einigen Ausnahmeregelungen genehmigt werden. Die Nachbarn schalteten den Verwaltungsrechtler Prof. Michael Hauth ein, der an die Adresse der Stadte sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das Verwaltungsgericht dieses Spiel mitmachen wird…“

Jetzt sollte alles ganz schnell gehen: Im Mai kam das Zentrum kurzfristig auf die Tagesordnung im Rathaus. Zweimal wurde es vertagt – zuletzt auf Antrag der CSU, nachdem sich Stadtrat Robert Brannekämper zusammen mit Bruckmeier eine Nacht in der Gmunder Straße um die Ohren schlug. Am Mittwoch soll die Verwaltung darstellen, welche anderen Grundstücke für den Bau geprüft wurden. Die Nachbarn werden wieder kommen.

David Costanzo

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