Nach 19 Jahren

Neun Jahre Haft für brutalen Geiselnehmer

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Paun O.

München - Diese Geiselnahme vor rund 20 Jahren von acht Menschen war nach Auffassung des Staatsanwalts „fast nicht zu überbieten“. Dennoch kam der Täter mit neun Jahren Haft davon.

Den Ausschlag gab das Geständnis des Täters Paun O.

Fast 20 Jahre nach einer spektakulären Geiselnahme ist der Haupttäter zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Münchner Landgericht sprach den Mann am Dienstag des erpresserischen Menschenraubs in acht Fällen sowie der schweren räuberischen Erpressung schuldig. Das Strafmaß ging auf eine Absprache zwischen den Prozessbeteiligten zurück.

Am 24. Juni 1994 hatte der heute 44-Jährige mit zwei Ehepaaren den Kassierer einer Bankfiliale und fünf Angehörige in ihrer Wohnung überwältigt und fast 18 Stunden lang unter Folter und Todesdrohungen gefangen gehalten. Um an den Schlüssel zum Tresor zu gelangen, bemächtigten sich die Täter tags darauf einer weiteren Angestellten des Geldinstituts und ihres Mannes. Sie ließen den Kassierer und seine Kollegin im Tresorraum der Bank zurück, nachdem sie rund 1,5 Millionen D-Mark eingepackt hatten.

Die Polizei erwischte die Mittäter kurz darauf beim Geldzählen in der Wohnung eines der Ehepaare, die noch im selben Jahr zu Strafen von fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahren verurteilt wurden.

Der Haupttäter entkam damals mit einem Drittel der Beute in sein Heimatland Serbien. Er saß dort wegen Mordes von 2001 bis 2012 im Gefängnis und reiste danach unter falscher Identität zu Frau und Kindern nach Tirol, wo ihn die österreichische Polizei aufspürte.

„Die Tat ist an Brutalität, menschenverachtender Gesinnung und Rohheit fast nicht zu überbieten“, sagte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag. Wäre der Angeklagte wie seine Komplizen schon 1994 vor Gericht gestellt worden, wäre bei der Haftdauer „an die 15 Jahre zu denken“. Vor einem solchen Antrag bewahre den Angeklagten nur die seither verflossene Zeit, insbesondere aber sein Geständnis.

Diese Gründe nannte auch das Gericht als ausschlaggebend für das Strafmaß. Andererseits müssten die psychischen Folgen des Verbrechens für die Opfer berücksichtigt werden. Der Bankkassierer musste mit 58 Jahren bei entsprechenden Rentenabschlägen aus dem Berufsleben ausscheiden. Sein damals 19-jähriger Sohn wollte seinerzeit aus dem Leben scheiden, er hatte bereits einen Abschiedsbrief geschrieben, bevor er wieder Mut fasste.

Der tatsächliche Suizid einer weiteren Geisel zwei Jahre später wurde dem Täter entgegen der Anklage nicht mehr angelastet, der Mann sei schon vorher seelisch krank gewesen. Vor dem Urteil bat der 44-Jährige die Opfer noch einmal um Verzeihung, insbesondere die als einzige anwesende Frau des Kassierers.

dpa

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