Kampf gegen die Hundemafia

Peinliche Panne bei Hunde-Rettung: Polizei setzt Tierinspektor fest

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Heinrich ist Tierschutz­inspektor. Zum Schein geht er Käufe mit der Welpen-Mafia ein, was der ­Polizei nicht passt.

München - Eigentlich wollte Stefan Heinrich einen dubiosen Tierhändler auffliegen lassen. Doch ein Polizist machte ihm beinahe einen Strich durch die Rechnung.

Ein Mittwochmittag in der Balanstraße: Tierschutzinspektor Stefan Heinrich (59) verabredet sich mit einem dubiosen Russen, der drei anscheinend viel zu junge und ungeimpfte Welpen mit gefälschten Papieren zum Schleuderpreis von 1200 Euro anbot. Der Mann arbeitet offensichtlich für die Hundemafia – und Heinrich will ihm das Handwerk legen.

Er geht zur Polizeiinspektion 23 in Giesing. Denn der Tierschutzinspektor achtet bei seiner Arbeit darauf, dass ihn die Beamten unterstützen. Doch an diesem Tag lassen sie ihn – wieder mal – im Stich! Mehr noch: Heinrich schrammt haarscharf an einer Festnahme vorbei. Ein Beamter wirft ihm Anstiftung zur Straftat vor und lässt ihn nicht mehr gehen. Er nimmt ihm sogar seinen Ausweis ab!

Für seine Schützlinge legt sich Stefan Heinrich seit 19 Jahren mit der Welpen-Mafia an, zurzeit nahezu wöchentlich. Allein auf weiter Flur. Denn von der Polizei fühlt er sich immer häufiger im Stich gelassen und sogar aktiv behindert – wie dieser Fall beweist.

Die angebotenen Pomeranian Zwergspitze kosten bei seriösen Züchtern bis zu 2500 Euro. „Wir bekommen oft Hinweise von Tierfreunden, die im Internet auf zweifelhafte Händler stoßen. Die einzige Chance, an diese Leute heranzukommen, ist, Interesse vorzutäuschen und sich mit ihnen zu verabreden. Meistens passiert die Übergabe auf der Straße, weil die Täter ihre Identität geheim halten.“

Und dann kommt der Teil, vor dem sich Stefan Heinrich fürchtet: „Ich muss zur Polizeiinspektion gehen und Zivilfahnder bitten, mich zum Treffen zu begleiten. Denn ich habe nicht das Recht, Papiere zu kontrollieren.“ 

An diesem 18. Januar in der Balanstraße gerät er an einen genervten Zivilfahnder: „Der hatte mich im Dezember schon mal auflaufen lassen. Er warf mir eine Anstiftung zur Straftat vor, weil ich aktiv Kontakt zum Hundeverkäufer aufgenommen hatte. Er nahm mir meinen Personalausweis ab und ließ mich einfach sitzen.“ 

Heinrich rannte die Zeit davon. „Der Polizist hat seine Rechtsauffassung, und ich habe meine. Ich will einen Steuerbetrug, einen Verstoß gegen das Tierseuchengesetz und eine Gesundheitsgefährdung für Menschen verhindern und die oft todkranken Tiere retten. Es sind schon Welpen mit Tollwut verkauft worden. Da hört’s bei mir auf.“ In seiner Not rief Heinrich den Amtstierarzt an. Der beschwerte sich in der Polizeiinspektion. Und plötzlich ging’s: „Eine Viertelstunde später waren wir unterwegs.“ Die Identität des Händlers wurde festgestellt, die Welpen und die falschen Impfpässe beschlagnahmt. Die Hunde sitzen seitdem in der Tollwut-Quarantäne und bezaubern alle Pfleger mit ihrem Charme.

Im Polizeipräsidium hat man erkannt, dass die Inspektoren feste Ansprechpartner brauchen: „Wir schlagen ein Gespräch der Beteiligten mit unserer Abteilung Einsatz vor“, erklärte Polizeisprecher Michael Riehlein. Und Heinrich ist erleichtert: „Ich wäre so froh, wenn ich nicht länger auf den guten Willen und die Tierliebe einzelner Beamter angewiesen wäre.“

Immer wieder gerät die Hundemafia in die Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr schlugen Tierschützer Alarm, dass Bettler-Hunde unter Drogen gesetzt werden.

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