Münchner Reinigungsprofis erzählen

Putzfrauen gefragt wie nie - „10 Anfragen pro Tag!“

Marion Trenk reinigt die Fenster.
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Eine sauber Sache: Marion Trenk reinigt die Fenster. „Ich bin Putzfrau mit Leibe und Seele“, sagt sie

Neben Handwerkern sind sie derzeit gefragt wie lange nicht mehr: Reinigungskräfte in München. Putz-Profi Marion Trenk (60) erzählt über ihren Job, der sich gewachsen hat.

Ein blank geputztes Bad – für Marion Trenk (60) glasklar ein Erfolgserlebnis. „Ich bin Putzfrau mit Leib und Seele“, sagt die Münchnerin. „Mein Job ist sehr abwechslungsreich, ich bin einfach gern bei meinen Kunden“, sagt die Münchnerin. Vier bis fünf Stunden macht sie täglich in einer Wohnung oder einem Haus sauber – egal ob Fenster, Heizkörper, Böden oder Backöfen. „Mein Arbeitsplatz ist mein Sportstudio“, erzählt Marion Trenk und lacht. „Man bekommt richtig Muskeln.“ Die Münchnerin weiß, wie rar erfahrene Haushaltshilfen sind: „Ich könnte doppelt so viel arbeiten – aber die Aufgaben sind körperlich sehr anstrengend, das würde ich mit meinen fast 61 Jahren nicht mehr schaffen.“

Vor sechs Jahren hat Marion Trenk bei der Reinigungsfrma HappyMaids angeheuert. Der Gründer Helmut Schwind weiß, wie gefragt seine Mitarbeiter derzeit sind: „Wir bekommen täglich zehn neue Anfragen in und um München – und können die kaum bewältigen.“

Heiß begehrt: Die Perlen der Pandemie: „Reinigungskraft gesucht für Haus“ oder „Suche zuverlässige Putzhilfe“ – Spaltenweise gibt es solche Stellenangebote derzeit in unserer Zeitung. In einer Forsa-Umfrage konnte sich jeder zweite Deutsche vorstellen, eine Reinigungskraft zu beschäftigen – dabei ist es 77 Prozent wichtig, dass ihre Putzkraft legal tätig ist. Auch die zuständige Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ist sich der hohen Nachfrage bewusst. Wer privat sucht, dem rät eine Sprecherin: „Wichtig ist, dass die Reinigungskraft angemeldet werden muss, Infos gibt es bei www.minijob-zentrale.de.“ Somit fallen für die privaten Arbeitgeber Pauschalbeiträge für die Sozialversicherung an. „Dem gegenüber stehen die Steuervorteile und der Vorteil, dass bei einem Arbeitsunfall die Kraft abgesichert ist.“

Etliche Münchner aber suchen ihre Haushaltshilfe auch über Reinigungsfirmen: „Die Nachfrage ist so groß, ich könnte zu meinen 25 Mitarbeitern sofort fünf weitere anstellen“, sagt HappyMaids-Chef Schwind. „Aber es gibt zu wenige Arbeitskräfte, genau wie in der Gastronomie.“ Dabei zahlt er seinen Angestellten 13 Euro pro Stunde (Tariflohn: 11,11 €), dazu gibt’s eine MVV-Karte oder einen Firmenwagen zur Fahrt.

Warum die Nachfrage das Angebot übertrumpft – dabei spiele Corona eine große Rolle, so Schwind: „Zunächst einmal legen die Menschen jetzt noch mehr wert auf Hygiene und Sauberkeit.“ Durch Homeschooling hätten sich zudem viele Eltern verstärkt um die Kinder zuhause kümmern müssen. „Da war kaum noch Zeit zum Putzen.“ Drittens seien durch Corona viele Mitarbeiter zurück in ihre Heimat – „und nicht wiedergekommen.“ Und viertens, so Schwind: „Viele Kräfte haben umgesattelt, etwa als Fahrer in die Logistikbranche.“

Mitarbeiterin Marion Trenk würde nie Lappen und Eimer gegen Lieferwagen oder Bürostuhl tauschen. Gerade in der Pandemie wurde sie gebraucht wie nie: „Viele Familien waren einfach überfordert – und unheimlich dankbar für die Entlastung, dass wenigstens der Haushalt keine Probleme mehr macht.“ Dreimal die Woche wird sie übrigens getestet. Und wenn nach getaner Arbeit Küche und Kunde um die Wette strahlen, dann macht sich Marion Trenk putzmunter auf den Heimweg.

Wer die Perlen buchen möchte: Das Basispaket für die Reinigung einer Zwei-Zimmer-Wohnung gibt es ab 99 Euro.

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