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Leere Wursttheken, Restaurants zu: Personalnot plagt München – obwohl üppige Prämien locken

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Eckard Scholz, Küchenchef beim Rumpler, sucht händereingend Personal. Im fehlen derzeit zwei Mitarbeiter.
Eckard Scholz, Küchenchef beim Rumpler, sucht händereingend Personal. Ihm fehlen derzeit zwei Mitarbeiter. © Markus Götzfried

Der Fachkräftemangel war auch vor Corona schon in aller Munde. Jetzt ist das Phänomen greifbar geworden, die Personalknappheit hat viele Branchen erfasst.

München – Wer zurzeit durch die Münchner Innenstadt schlendert, dem fällt’s an jeder Ecke auf: Die Schaufenster sind vollgepflastert mit Plakaten, mit denen Läden nach Mitarbeitern suchen – vom Schuhgeschäft bis zum Spielzeughändler. Bei einigen Firmen ist die Personalnot mittlerweile so groß, dass sie vierstellige Prämien für neue Mitarbeiter zahlen.

Personalnot in München macht erfinderisch: Prämien für neue Mitarbeiter

So macht das zum Beispiel die Stadtsparkasse. Die Bank lockt potenzielle neue Kollegen mit üppigen Prämien. Vertriebsmitarbeiter erhalten eine Einmalzahlung von 2000 Euro, Privatkundenberater sogar 7000 Euro. Außerdem wirbt die Stadtsparkasse mit besonderen Angeboten wie flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Betriebswohnungen. 40 Stellen sind bei der Bank derzeit unbesetzt, sagt Pressesprecher Sebastian Sippel. Auch die Gastronomie hat zu kämpfen.

„In der Küche fehlen im Moment zwei Leute, ein weiterer geht bald in Vaterschaftsurlaub“, sagt Eckard Scholz. Seit zehn Jahren ist er Küchenchef beim Rumpler (Glockenbachviertel), doch so schlimm wie jetzt sei die Situation noch nie gewesen. „Auf Stellenanzeigen bekommen wir oft gar keine Reaktionen mehr, das war bis vor zwei oder drei Jahren noch ganz anders“, sagt der Koch. Die Pandemie hat die einst so krisensichere Gastronomie schwer getroffen.

Weil sie immer mehr Arbeit, aber immer weniger Mitarbeiter hatten, zog Scholz Konsequenzen. Seit einem Monat bleibt die Küche täglich zwei Stunden und am Samstag ganz zu. Scholz hatte auch gar keine andere Wahl: „Die Leute waren gestresst und sind auch häufiger wegen Krankheit ausgefallen…“ Dass sich die Situation bald verbessert, glaubt Scholz nicht. „Ich denke, dass die Restaurants, die jetzt schon auf der Kippe stehen, sich nicht mehr so lang halten werden.“

Deutsche Post sucht allein in München 150 neue Leute

Das würde dann immerhin neues Personal für die angeschlagene Gastronomiebranche freisetzen. Kritisch ist die Lage auch in der Logistik-Branche, das spürt vor allem das größte deutsche Logistikunternehmen: die Deutsche Post. Um neue Mitarbeiter anzulocken, verteilt sie jetzt Flugblätter in Münchner Haushalten und wirbt mit einem Stundenlohn von 15,34 Euro und einer Sofortprämie von 1000 Euro für neue Paketboten. Auch auf den DHL-Autos prangt Werbung für neues Personal.

„Aufgrund der aktuellen Situation auf den deutschen Arbeitsmärkten sind Arbeitnehmer momentan generell stark umworben. Dies trifft vor allem auf den Großraum München zu“, sagt Pressesprecher Dieter Nawrath. Allein in München sucht die Post deshalb rund 150 Zustellerinnen und Zusteller. Doch Nawrath gibt sich zuversichtlich: „Für das kommende Weihnachtsgeschäft erwarten wir keine Engpässe.“ Auch die München Klinik sucht händeringend nach neuen Arbeitskräften. Azubis erhalten eine Übernahmeprämie von 5000 Euro, um die fertig geschulten Fachkräfte im Unternehmen zu halten.

Mitarbeiter, die neue Kollegen anwerben, erhalten 4000 Euro Prämie

Finanzielle Anreize gibt es darüber hinaus in Form einer Werbeprämie: Mitarbeitende, die neue Kolleginnen und Kollegen werben, können als Belohnung bis zu 4000 Euro bekommen. Darüber hinaus gibt es für Beschäftigte Leistungen wie ein Nahverkehrs-Ticket und Kinderbetreuung. Eine spezielle Werbekampagne für Intensivpflegekräfte, die im vergangenen Herbst online großflächig ausgespielt wurde, zeigte Wirkung und führte zu einem deutlichen Plus bei den Bewerbungen. Dennoch: Pflegestellen nachzubesetzen, fällt in Ballungsräumen wie München nach wie vor schwer. 

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Leere Wursttheken in Supermärkten: „Nicht absehbar, wann sich Lage entspannt“

Wie heftig die Lage ist: Das sehen die Münchner auch in den Supermärkten. So mancher Laden muss seine Fleisch- und Wursttheke stunden- oder sogar tageweise zusperren, weil Leute fehlen. Bernd Ohlmann vom Handelsverband sagt: „Es ist nicht wirklich absehbar, wann sich die Lage entspannt. Wir wissen, dass viele Supermärkte ihre Frischetheken aktuell früher schließen müssen, weil es an Mitarbeitern fehlt.“

Das liegt vor allem an Corona, das viele Händler überwunden glaubten – und sich daher nicht um zusätzliche Reserven gekümmert haben. Gleichzeitig, so Ohlmann, mache sich nun aber zudem „der generelle Personal- und Nachwuchsmangel bemerkbar“. Durch die Ferienzeit habe sich die Lage vielerorts zusätzlich verschärft. Auch müssten viele Prüfungen nachgeholt werden, die in den letzten Jahren nicht abgehalten werden konnten – einige Mitarbeiter müssen dafür lernen und stehen so nicht zur Verfügung.

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