Dramatische Engpässe im Haunerschen Kinderspital

Personalnotstand: Intensivstation drei Tage dicht!

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Stefan Vogg (35) ist mit der ärtzlichen Betreuung seines Sohnes Carlos (2) sehr zufrieden - doch die fehlenden Krankenschwestern bereiten ihm Sorge und machen ihn wütend.

München - Im Haunerschen Kinderspital ist der Albtraum aller besorgten Eltern Realität geworden: Wegen Personalnotstand musste die Pädiatrische Intensivstation vorübergehend geschlossen werden.

Es ist die Schreckensvorstellung aller Eltern: Der schwer kranke Säugling liegt auf der Pädiatrischen Intensivstation (PIPS), plötzlich wird die zuständige Krankenschwester gekündigt, eine weitere erkrankt - die Station muss wegen Personalmangels komplett schließen.

Stefan Vogg erlebte diesen Horror im Haunerschen Kinderspital in der Innenstadt. Sein Sohn Carlos liegt seit Mai wegen einer Missbildung der Speiseröhre sowie schwerem Nierenleiden auf der PIPS. Rund um die Uhr braucht der Zweijährige Betreuung. Bereits in den vergangenen Wochen bemerkte Vogg, dass zu wenig Krankenschwestern da waren: "Am Freitag wurde dann eine Schwester von der Pflegedienstleiterin gekündigt." Kurze Zeit später muss eine weitere Schwester wegen Zahnschmerzen zum Arzt. Nur noch eine Schwester bleibt übrig: Gegen 16.30 Uhr wird die PIPS deshalb einfach geschlossen - weder Ärzte noch Eltern waren informiert!

Drei Tage lang gab’s keine Notfallversorgnung in der PIPS der Haunerschen Kinderklinik.

"Niemand wusste was los war, es herrschte Chaos. Die anderen Eltern und ich hatten riesige Sorge um unsere Kinder", empört sich Vogg. Die vier schwer kranken Säuglinge der PIPS werden auf die chirurgische Station verlegt - eine "halsbrecherische und unverantwortliche Aktion", wie es ein Insider der Klinik bezeichnet. "Das war lebensbedrohlich, da einer der Säuglinge ständig an die Beatmungsmaschine angeschlossen sein muss und nicht durch das Krankenhaus umziehen sollte." Auch die anderen drei Winzlinge sollten laut Klinikmitarbeiter weder Geräuschen noch Stress oder Bewegung ausgesetzt sein.

Nach der Verlegung liegen die Kinder in der Chirurgie mit sechs weiteren Patienten. "Die waren regelrecht zusammengepfercht im Zimmer. Die Krankschwester konnte sich kaum umdrehen, so eng war’s da drin", schildert Vogg. Klinikchef Prof. Christoph Klein rechtfertigt die Schließung: "Seit Monaten herrscht bei uns akuter Schwesternmangel. Am Freitag konnte das Versorgungsniveau einfach nicht mehr sichergestellt werden."

Die Klinikleitung versichert, dass auf Hochtouren nach Krankenschwestern für die PIPS gesucht werde - laut Insider-Informationen finden sich jedoch seit 18 Monaten nirgendwo neu inserierte Stellen. Nach drei Tagen wurde die PIPS wieder geöffnet - wird jedoch bis auf Weiteres nur unter Minimalstversorgung betrieben.

Christina Lewinsky

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