Zuggäste flüchten auf die Gleise - Brand im Zug befürchtet

München - Weil Menschen im Gleis herumgelaufen sind, war die Stammstrecke am Mittwoch wieder dicht. Zwischen Hackerbrücke und Ostbahnhof ging nichts mehr. Die Zuggäste zogen wohl die Notentriegelung, weil sie dachten, es brennt im Zug.

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Schuld war letztlich wohl ein Kind auf der Plattform des S-Bahnhofs Marienplatz. Wie die Bahn mitteilte, segelte gestern gegen 15 Uhr „ein metallbedampfter Gasluftballon an die Oberleitung des stehenden Zuges der S 2 Richtung Erding und löste dort einen Kurzschluss aus“. Kleine Ursache, große Wirkung – denn von diesem Moment an liefen die Dinge gelinde gesagt aus dem Ruder.

Nach einer Viertelstunde kamen S-Bahn-Mitarbeiter zu der Erkenntnis: Nichts passiert, die kurzfristige Sperrung des Verkehrs kann wieder aufgehoben werden. Doch beinahe im selben Moment erreichte die Leitzentrale ein Alarmsignal aus dem Tunnel zwischen Isartor und Rosenheimer Platz. Der Fahrer der S 1 Richtung Freising hatte bemerkt, dass Fahrgäste in seinem Zug das Notentriegelungssystem der Türen gezogen hatten. Offenbar war ihnen die Viertelstunde Warterei im Tunnel zu lange gewesen.

Jetzt herrschte Vollalarm: Menschen im Gleisbett! Die Bundespolizei rückte an und suchte eine knappe Stunde lang, bis sie meldete: Keine Personen außerhalb des Zugs. Doch damit war der Spuk noch lange nicht vorbei. „Wir hatten den Verkehr etwa drei Minuten wieder aufgenommen, da bekamen wir schon wieder einen Alarm“, sagte ein Bahnsprecher.

Denn eine S-Bahn-Station weiter, im Tunnel zwischen Ostbahnhof und Rosenheimer Platz, war ein Zug der S 8 Richtung Westen nunmehr mehr als eine Stunde gestanden. Und hier verloren die Fahrgäste nun wirklich die Nerven. Wieder entriegelten welche die Türen, wieder sprangen welche aus dem Zug, wieder musste die Polizei anrücken. Um 16.30 Uhr endlich Entwarnung. Die Bahn musste noch bis in die Abendstunden hinein ein Notprogramm fahren, um die Verspätungen und Unregelmäßigkeiten im Fahrplan wieder einzuholen.

Wie viele Gäste aufs Gleis gesprungen sind und ob es Verletzte gab, war gestern noch nicht klar. Ein Sprecher der Bundespolizei teilte mit, die Beamten hätten niemanden im Gleis gesehen. Der Bahnsprecher betonte jedoch: „Es ist grundsätzlich verboten, aus dem Zug zu springen.“ Gerade durch herannahende Züge drohe Gefahr. „Das ist wirklich das Allerletzte, was man tun sollte.“ Im Zug brenne Licht, und die Lokführer könnten über Funk mit den Passagieren Kontakt aufnehmen. Ob sie im konkreten Fall beruhigender auf diese hätten einwirken müssen, ließ sich gestern ebenfalls nicht sagen.

Definitiv sagen lässt sich aber, dass der Luftballon, der das Malheur auslöste, gar nicht hätte fliegen dürfen. „Wir hatten derartige Vorfälle bereits in der Vergangenheit“, betonte der Bahnsprecher. „Danach haben wir die Hausordnung in unseren Bahnhöfen geändert – derartige Luftballons dürfen nicht mitgeführt werden.“ Aber wer liest schon die Hausordnung? „Wir müssen den Vorfall analysieren, wenn wir in den kommenden Tagen alle Fakten beieinander haben“, sagte der Sprecher. „Wenn wir etwas tun können, damit sich so etwas nicht wiederholt, werden wir es tun.“

Johannes Löhr

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