Kontrahenten von einst erinnern sich

Gauweiler gegen Ude: Als die Tunnel die Stadt entzweiten

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Alte Kontrahenten vereint: Peter Gauweiler und Christian Ude am neuen Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz.

München - Die tz traf am neuen Luise-Kiesselbach-Tunnel Peter Gauweiler und Christian Ude. Sie duellierten sich damals beim geplanten Tunnelbau. Und mit Ex-CSU-Rathauschef Walter Zöller sprachen wir am Petueltunnel.

Am Samstag ist es endlich so weit: Nach acht Jahren Bauzeit werden die beiden Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz mit einer großen Party eingeweiht. Am Donnerstag schauten beim Tunnellauf schon Tausende durch die Röhren, durch die in der Nacht auf Montag die ersten Autos fahren werden. Die Staus im Südwesten des Mittleren Rings sind Geschichte und die Anwohner können im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Bis zur Tunneleröffnung war es ein weiter Weg mit viel politischem Streit. Die tz traf am neuen Tunnel die Hauptkontrahenten von damals: Peter Gauweiler und Christian Ude. Und mit Ex-CSU-Rathauschef Walter Zöller sprachen wir am Petueltunnel.

So schaute es vor dem Tunnelbau am Petuelring aus: Lärm und Abgase ohne Ende. Die CSU setzte hier den Tunnelbau per Bürgerentscheid durch.

Jahrelang wurde im Rathaus und in der Bürgerschaft heftig über die Notwendigkeit weiterer Tunnels gestritten, nachdem zwischen 1960 und 1988 schon sieben Röhren entlang des Mittleren Rings entstanden. „Die SPD hatte nach dem Baubeginn des Brudermühltunnels 1984 erklärt, dies solle das letzte Tunnelprojekt am Mittleren Ring sein“, erinnert sich Walter Zöller. Doch die CSU wollte mehr und setzte die SPD unter Druck. Christian Ude erinnert sich: „Die SPD war 1988 auf die Zustimmung der CSU zum Haushalt angewiesen, da die Grünen wegen der städtischen Beteiligung am Atomkraftwerk in Ohu nicht zustimmten.“ Die CSU machte ihr Plazet vom Tunnel am Petuelring abhängig, der Bau wurde im Stadtrat beschlossen. Die ersten Kanäle wurden umgelegt. Doch nach der Kommunalwahl 1990 brauchte die SPD die CSU nicht mehr, das Tunnel-Loch wurde zugefüllt.

Staatssekretärin Ulrike Mascher (SPD), OB Christian Ude (SPD) und Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) eröffneten 2002 den Petueltunnel.

PeterGauweiler, damals Münchens CSU-Chef, hatte dann 1995 die Idee, die drei Tunnelprojekte am Petuelring, an der Richard-Strauss-Straße sowie am Luise-Kiesselbach-Platz per Bürgerentscheid durchzusetzen – der war gerade erst gegen die CSU per Volksentscheid durchgedrückt worden! „Ich hatte sofort die Chance erkannt“, erinnert sich Gauweiler, der damals zwei Jahre zuvor denkbar knapp die OB-Wahl gegen Christian Ude verloren hatte. CSU, IHK und ADAC trommelten für die Tunnel, Umweltverbände, SPD und Grüne hielten dagegen. „Ich fürchtete, es würde kein Geld mehr für Schulen und Wohnungsbau geben“, so Ude. Die CSU schlug vor, auf Behördenneubauten zu verzichten. Am 23. Juni 1996 stimmten 50,7 Prozent der Münchner denkbar knapp für die Tunnel. Ex-CSU-Rathausfraktionschef Zöller meint: „Das war die erste große Niederlage von Christian Ude.“

Walter Zöller, lange Fraktionschef der CSU, kämpfte im Rathaus für die Tunnel wie hier am Petuelring.

Der sieht das natürlich anders: „Wir haben den Bürgerentscheid zügig umgesetzt, zur Finanzierung erhöhten wir die Gewerbesteuer.“ Gauweiler bekennt: „Die Stadt hat die drei Projekte sehr schnell und professionell umgesetzt. Trotz der schärferen Vorgaben wurde der Kostenrahmen deutlich unterschritten. Die Tunnelbaustelle am Luise-Kiesselbach-Platz war stets meine Lieblingsbaustelle mit Happy End.“

Ude lächelt: „Mit dem schnellen Tunnelbau hatten wir der CSU ihr wichtigstes Thema genommen – und meine Popularität stieg enorm.“

Johannes Welte

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