FC Bayern, aufgepasst!

Er sperrt den Rathausbalkon auf

+
Chef-Hausverwalter Peter Suermann kommt im Rathaus überall hin – zum Beispiel auf alle Balkone

München - Bald dürfen die Bayern-Stars wieder auf den Rathausbalkon und mindestens die Meisterschale stemmen. Vorausgesetzt, Peter Suermann schließt ihnen auf. Wir porträtieren ihn.

Der Maier Sepp, der Müller Gerd. Schwarzenbeck und Beckenbauer: die Bayern-Legenden. Waren oft hier, im Besprechungsraum der Stadtkämmerei. Wer hier durchdurfte, hatte es geschafft. Durch Zimmer 103, den Durchgangsraum zum Rathausbalkon, hinaus zum Ausblick auf zehntausende Fans am Marienplatz.

Demnächst werden auch die Bayern-Stars von jetzt wieder auf Besuch vorbeikommen, Schweinsteiger, Ribéry, Robben, all die anderen: Sie haben wieder Grund zum Feiern, die Meisterschaft mindestens, vielleicht noch Pokal und Champions League, jetzt dürfen sie wieder raus auf den Balkon.

Vorausgesetzt, Peter Suermann (52) sperrt ihnen auf. Suermann, selbst ein Meister. Der Rathausmeister! Er denkt noch oft daran, wie er das erste Mal am Marienplatz stand. Er kam aus seiner Heimat im Rheinland, 1978, mit seiner damaligen Freundin. Er war auf Kurzurlaub in München, ließ sich fotografieren wie so viele Touristen. Vorm Rathaus. „Dass ich hier einmal wohnen würde, hätte ich mir nie gedacht“, sagt er.

1990 aber las er eine Stellenanzeige: Die Stadt suchte einen Elektromeister fürs Rathaus. Suermann bewarb sich, bekam den Job und zog mit seiner Frau hier ein. In seine neue Dienstwohnung. Peter Suermann, Marienplatz 8. Ein Domizil im Rathaus, es gibt schlechtere Adressen. Könnte man meinen.

1996 wurde Suermann Leiter der Hausverwaltung, bald darauf kamen die zwei Kinder auf die Welt. Da wurde es plötzlich schwierig. Die Lage: alles andere als kinderkompatibel. Geht mal raus zum Spielen? Durch die Hintertür, auf die Großbaustelle Marienhof? Vorn raus, mitten in die Fußgängerzone? Suermann zog mit Familie weg, aufs Land, raus nach Schrobenhausen. Sie kauften ein Haus, seitdem pendelt er mit dem Zug. Und er sagt, es sei besser so, die Trennung von Arbeitsplatz und Wohnort. Er muss nicht mehr auch abends das Straßenmusikantengedudel hören, sich nicht mehr beschimpfen lassen, wenn er mit dem Auto durch die Dienerstraße fährt.

60 Mitarbeiter in der Hausverwaltung hat Peter Suermann: Techniker, Elektriker, Reinigungspersonal, Schreiner. Den Schreiner brauchten sie etwa beim Papstbesuch, sie mussten einen Holzständer für das Goldene Buch zusammenzimmern. Denn Benedikt XVI. war der bislang einzige Mensch, der für seinen Eintrag nicht ins Rathaus musste. Das Buch kam zum Signieren zu ihm, hinaus auf den Marienplatz.

Suermann hat viele Prominente kommen und gehen sehen, Michail Gorbatschow etwa oder auch Michael Jackson. Der winkte 1992 vom Rathausbalkon, und als Peter Suermann tags darauf die Zeitung aufschlug, sah er ein Bild von sich, direkt neben Jacko. „Ein Schnappschuss, den ich mir natürlich aufgehoben habe“, sagt Suermann, „ansonsten bemühe ich mich sehr um Zurückhaltung, ich dränge mich nicht in den Vordergrund, aber das sind natürlich unvergessliche Höhepunkte.“ Ansonsten gibt es viel Alltagsroutine. Das Glockenspiel etwa, jeden Tag um elf, zwölf und im Sommer auch um fünf. Jeden Tag gehen Suermann oder ein Kollege in den fünften Stock. Schalten das alte Schaltpult von 1907 an. Wechseln im achten Stock die Musikwalzen, die über lange Seilzüge einige Etagen weiter oben die 44 Glocken monatsweise mit anderen Liedern zum Klingen bringen. Drücken den Knopf, durch den der Hahn draußen dreimal kräht. Und richten am Ende den umgefallenen Ritter wieder auf, den armen Reitersmann, der seit mehr als 100 Jahren jeden Tag beim Lanzenkampf verliert.

Fast ein Vierteljahrhundert arbeitet Suermann nun schon hier, manchmal gerät er immer noch ins Schwärmen. Oben etwa, fast an der Spitze auf rund 80 Metern, auf der kleinen Plattform mit dem Rundumblick. „Ich habe hier in München meinen Platz gefunden“, sagt er, „für mich ist das ein Traumjob.“ Ein paar Etagen weiter unten wird nun erst mal die Titelfeier der Bayern anstehen. Dann sperrt er den Balkon wieder auf. Suermann, der Rheinländer … Wolle mer se rauslasse.

Florian Kinast

Mein München-Lokal

Der Biergarten der Naturfreunde an der Zentralländstraße macht die Erholung nach dem Baden perfekt.

Mein München-Gericht

Ein Obazda und eine frische Breze in eben diesem Biergarten.

Mein München-Platz

Das Naturbad Maria Einsiedel an der ­Zentralländstraße, weil man hier schnell alles vergisst, was in einer Großstadt sonst nicht so angenehm ist.

Mein Münchner

Alle, die mich vor vielen Jahren so freundlich aufgenommen haben.

München – und sonst

In einem Hamburger Elbvorort mit Blick aufs Wasser und große Pötte.

Auch interessant

Meistgelesen

Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner

Kommentare