Es wird ernst für Raser 

Petueltunnel: Blitzer kommt im Sommer

München - Ab Sommer nächsten Jahres wird es für Raser im Petueltunnel ungemütlich. Denn dann wird nach Angaben der Polizei der geplante Blitzer installiert.

Das Besondere an diesem Gerät ist ein „sanfter“ Blitz, den man angeblich nur bemerkt, wenn man ihn direkt ansieht. Weniger sanft ist meist der Aufschlag im Geldbeutel. Die Tempo-Messungen sind ein Millionengeschäft, wie aus der städtischen Bilanz hervorgeht.

Die Polizei-Statistik für 2011 weist in München 348 Tempo-Unfälle aus. 244 Menschen wurden verletzt, acht getötet. Rund drei Millionen Fahrzeuge passierten die Messstellen des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr (Stadt und Landkreis). 110 000 Fahrer hatten zu viel auf dem Tacho, was einer Beanstandungsquote von 3,7 Prozent entspricht. Ein Sünder gönnte sich Tempo 135 bei erlaubten 50 km/h. Die Quittung: 680 Euro Bußgeld, vier Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot. Die selben Konsequenzen blühen einem Motorradfahrer im Richard-Strauss-Tunnel, der bei Tempo 160 sogar noch die Muse hatte, eine obszöne Geste ins Kameraobjektiv zu entsenden. Neben den krassen Rasern gibt es ein Klientel, das es unentwegt eilig hat und beispielsweise im Altstadt-Tunnel 80 bis 100 Stundenkilometer vorlegt in der irrigen Meinung, mangels stationärem Blitzer könne nichts passieren. Doch mit der „Fünften Kolonne“ der Polizei rechnet offenbar kaum jemand. Das sind jene neutral wirkenden Autos und Motorräder mit eingebauten Kontrollgeräten, die ständig in Bewegung sind.

Der Petueltunnel, in dem ab nächsten Sommer ein Blitzer wacht, ist vor gut zehn Jahren für den Verkehr freigegeben worden. Die 1500 Meter lange Röhre erwies sich aber schon bald als Unfallschwerpunkt. Das zulässige Tempo wurde von 60 auf 50 km/h reduziert. Geholfen hat es kaum. Nach Einschätzung der Experten stiften in erster Linie die zahlreichen Zu- und Abfahrten Verwirrung und führen zu gefährlichen Spontanreaktionen.

In ihr Arsenal gegen Temposünder gibt die Polizei nur einen kleinen Einblick. Sie betreibt derzeit vier ortsfeste Blitzer (noch ohne den Petueltunnel). Die Geräte lauern an der Dachauer-/Max-Born-Straße, an der Wasserburger Landstraße/Bajuwarenstraße, an der Moosacher-/Lerchenauer Straße und im Richard-Strauss-Tunnel. Daneben gibt es eine Flotte mobiler Messanlagen in Polizei-Fahrzeugen sowie die Handgeräte.

Wie sieht die finanzielle Seite des Themas aus? Die Ordnunghüter erklären, ihre Ausbeute sei deshalb nicht zu beziffern, weil sie in dem selben Topf wie andere Verkehrsverstöße landen und als eigene Fraktion in der Kasse nicht mehr erkennbar sei.

Nach Angaben des städtischen Kreisverwaltungsreferats nimmt die Stadt mit ihrer Ausrüstung 2,37 Millionen Euro im Jahr ein, müsse aber auch Kosten von 1,95 Millionen Euro schultern.  

Die Stadt hat in Absprache mit der Polizei ihre eigenen Messaktivitäten organisiert. Sie betreibt nur einen „Starenkasten“, den Blitzer am Westende des McGraw-Grabens am Mittleren Ring. Zudem werden fünf Radar-Fallen in Autos auf Trab gehalten, um vor allem in Tempo-30-Zonen kostenpflichtige Denkzettel zu verteilen.

Eberhard Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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