Pferdeshow "Magnifico" meldet Insolvenz an

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Aus die Traumfabrik: Mit großen Bildern und noch größeren Gesten wollte André Heller in neue Show-Dimensionen vordringen. Das gigantische Projekt erwies sich als zu ambitioniert: Den mindestens 16 Millionen Euro Investitionskosten standen schleppende Kartenverkäufe gegenüber. Heller selbst will vom Insolvenzantrag aber nichts gewusst haben.

München - Die Zirkus- und Pferdeshow “Magnifico“ des österreichischen Künstlers André Heller steht vor dem Aus. Die Firma hat Insolvenz angemeldet. Wie es dazu kam:

Am Anfang standen große Worte. Das „beste Team der Welt“ habe er für „Magnifico“ zusammengestellt, schwärmte Ideengeber André Heller, der mit „Afrika, Afrika“ oder „Roncalli“ bereits große Erfolge gefeiert hatte. Und Veranstalter Marcel Avram prophezeite vor der Premiere der Pferdeshow Anfang Februar: „Ein solches Spektakel wird es kein zweites Mal geben.“ 150 Artisten traten im eigens erbauten Riemer Zirkuszelt auf. 14 Millionen Euro verschlangen allein die Vorbereitungen. Und in der Tat: Die Kritiken nach der bundesweit beachteten Premiere fielen durchaus positiv aus.

Trotzdem ist die große Show nun zu Ende, ehe sie über die Münchner Stadtgrenzen hinausgekommen ist. Am Dienstag meldeten sowohl die Magnifico Circus GmbH als auch die Magnifico Entertainment GmbH Insolvenz an. Eine Entwicklung, für die es bereits nach Ende der Münchner Vorstellungen im März erste Anzeichen gab. Schon damals machten Insolvenzgerüchte die Runde. Das für April geplante Gastspiel in Hamburg wurde auf September verschoben, weil Heller ein neues Zelt forderte. „Die gelieferten Zeltpaläste entsprechen bei weitem nicht meinen Vorstellungen“, verkündete Heller damals. „Nur das schönste Zelttheater“ sei ihm gut genug. „Seitdem wurden noch einmal rund zwei Millionen Euro investiert“, sagte Magnifico-Sprecher Michael Wanhoff am Mittwoch. „Bis gestern haben wir am neuen Zelt gearbeitet.“

André Heller selbst war in die Entscheidung offenbar nicht eingebunden. „Vollkommen überrascht“ sei man, sagte Robert Hofferer, Geschäftsführer von Hellers Firma Artevent, der österreichischen Nachrichtenagentur apa. „Außer einem dürren E-Mail aus Deutschland haben wir keine Infos“, so Hofferer. Das Vorgehen des Veranstalters, der die Pferdeshow organisiert und durchgeführt hat, bezeichnete er als „merkwürdig“ und „für uns auch irrsinnig ärgerlich“. Noch vor einer Woche habe man den neuen Probenbeginn besprochen, nun müsse man „mit großem Bedauern und großem Erstaunen“ die Nachricht vom Aus der Show zur Kenntnis nehmen.

Magnifico-Sprecher Wanhoff berichtete indes, die Gruppe aus Investoren habe die Reißleine gezogen. In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, dass „die Kosten dieser gigantischen Produktion sowohl im Vorfeld als auch während des laufenden Betriebs Dimensionen erreicht haben, die nicht mehr durch Einnahmen gedeckt werden können“. In München hatten 82 000 Besucher die 60 Vorstellungen gesehen. Das entspricht einem Schnitt von immerhin 1400, das Zelt fasste jedoch 2500 Besucher.

Am 24. August hätte Magnifico nach der selbstverordneten Pause in Frankfurt wieder an den Start gehen sollen, danach waren Stationen in Hamburg, Wien, Stuttgart und Düsseldorf geplant. Der Kartenvorverkauf lief offenbar schlecht, auch wenn Sprecher Wanhoff gestern keine konkreten Zahlen nennen konnte. Ob gekaufte Karten erstattet würden, könne man nicht sagen, hieß es lapidar. Zunächst müsse man sich mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Rolf Pohlmann beraten.

Von Mike Schier

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