Der Pflege-Irrsinn: Kritik am Ministerium

München - Für Wilfried Blume-Beyerle ist das Schicksal der Pflegebedürftigen und auch die Belastung des Personals ein Herzensanliegen. Doch es gibt Anlass zur Kritik von Seiten des KVR-Referenten und seiner Kontrolleure.

KVR-Referent Wilfried Blume-Beyerle, Chef der Münchner Heimaufsicht, hatte große Hoffnungen in die angekündigte „Ausführungsverordnung“ gesetzt, die das 2008 verabschiedete Pflege- und Wohnqualitätsgesetz für den Freistaat konkretisieren soll. Jetzt ist er tief enttäuscht und ernüchtert. Sozialministerin Christine Haderthauer habe mit der neuen Verordnung „die Möglichkeit gehabt, die Standards für die Pflege- und Lebensqualität in den Einrichtungen zu erhöhen“. Der vorgelegte Entwurf falle aber „weit hinter dem zurück, was pflegefachlich und zum Wohle unserer alten Menschen notwendig und wünschenswert ist“. Blume-Beyerle appelliert an Haderthauer, die Schwachstellen nochmals zu überarbeiten, bevor die Verordnung im Januar 2011 in Kraft tritt.

Blume-Beyerles Heimkontrolleure werden in den 120 Münchner Alten- und Pflegeeinrichtungen der Stadt immer wieder mit haarsträubenden und herzzerreißenden Zuständen konfrontiert: „Es gibt Mängel und Missstände, die sich durch Gesetze und Verordnungen nicht beseitigen lassen. Doch Vorgaben des Ministeriums zu wichtigen Fragen wie Fachkraftquote, Anspruch auf ein Einzelzimmer, Betreuung in der Nacht sowie bauliche Standards würden den Betroffenen von vornherein eine bessere Rechtsposition verschaffen.“

Einzelzimmerquote: „Ernüchternd“ findet der Referent, dass keine Vorgabe für den Einzelzimmer-Anteil enthalten ist. Dabei sage eine vom Sozialministerium beauftragte Studie, dass 85 Prozent Einzel- und 15 Prozent Doppelzimmer die Mischung sei, die den Bedürfnissen der Bewohner am nächsten komme. In Baden-Württemberg gelte ein Einzelzimmeranteil von 100 Prozent.

Nachtversorgung: Auch in Münchner Einrichtungen ist ein Mitarbeiter nachts für bis zu 60 Bewohner zuständig. Das darf auch so bleiben, denn die Verordnung weist keinen Pflegeschlüssel auf. Dabei habe das Ministerium selbst eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnis lautet: „Ein Pflegeschlüssel von 1:30 sollte das Mindestmaß der Versorgung in der Nacht darstellen.“

Bauliche Standards: Kaum wahrnehmbar sei die Verbesserung bei der Zimmer-Mindestgröße: von zwölf auf 14 Quadratmeter bei Einzel- und von 18 auf 20 Quadratmeter bei Doppelzimmern. „Allgemein anerkannte Empfehlungen, auch die der Baubehörde des bayerischen Innenministeriums, legen Größen für Einzelzimmer von ca. 17 und für Doppelzimmer von ca. 23 Quadratmeter fest.“

Barbara Wimmer

Rubriklistenbild: © dpa

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