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Pflegefall "Pflege": So schlimm sind die Missstände!

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Rund 2,3 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland - und die Zahl steigt durch die Altersentwicklung rapide.
Rund 2,3 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland - und die Zahl steigt durch die Altersentwicklung rapide. © dpa

Zu wenig Fachkräfte, überlastete Pfleger, leidenden Patienten – und überall Geldnot: Unser Pflegesystem pfeift aus dem letzten Loch.

Und immer mehr Experten und Betroffene gehen auf die Straße, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Erst vor einer Woche demonstrierten die Münchner Wohlfahrtsverbände gegen den Sparwahn der Kassen vor dem bayerischen Sozialministerium.

Wohlfahrtsverbände demonstrieren gegen den Pflegenotstand

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Gestern nun stellte der bpa (der Bundesverband privater Anbieter) sowie der Pflegekräfteverband eine Protest-Aktion vor dem Ministerium auf die Beine. Ganz zu schweigen von der riesigen Pfleger-Demo in Berlin am Donnerstag, wo 130 000 Menschen ihrem Unmut Luft machten. Der Tenor ist immer der gleiche: „Wenn sich nichts ändert, ist die Pflege bald am Ende!“

Die Missstände, die Probleme – was ist es, was das System immer mehr ins Wanken bringt? Die tz listet einige Fakten auf, bei denen sich alle Experten einig sind, dass sie schnellstens gelöst werden müssen:

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Der Münchner Sozialexperte Claus Fussek über die Pflegemisere: Es geht um die Grundversorgung

130 000 Menschen demonstrierten am Freitag in Berlin dafür, die Krankenhäuser finanziell besser auszustatten. Die tz sprach mit dem Münchner Pflegeexperten Claus Fussek.

Herr Fussek, waren Sie beeindruckt von der Berliner Demonstration?

Das war gigantisch, die Forderungen sind natürlich völlig berechtigt. Mein Traum wäre es, etwas ähnliches für die Altenpflege auf die Beine zu stellen.

Gehören die Probleme Kranken- und Altenpflege nicht zusammen?

Natürlich, Gesundheits- und Pflegesystem ist eines und an beiden Bereichen kritisiere ich, dass das Verteilungssystem nicht transparent ist.

Woran krankt es?

Auf allen Seiten – bei Politikern, Krankenkassen und Verbänden – haben Funktionäre das Sagen, von denen man den Eindruck kriegen kann, sie seien noch nie in einem Krankenhaus oder Pflegeheim gewesen.

Was wäre eine erfolgversprechende Strategie?

Eine ehrliche Diskussion ist angesagt. Es geht ja nicht um Luxuspflege, sondern um die Grundversorgung. Nur wenn das Personal unter menschenwürdigen Bedingungen arbeitet, können die Patienten menschenwürdig gepflegt werden. Daran müssten doch alle ein Interesse haben! Keiner will im Minutentakt und im Akkord gepflegt werden, nicht im Krankenhaus und nicht im Heim.

Ist eine für alle Einrichtungen geltende Deckelung überhaupt sinnvoll?

In Deutschland nimmt man immer entweder Rasenmäher oder Gießkanne. Das ist weltfremd und funktioniert nicht, daraus sollten endlich Konsequenzen gezogen werden. Stattdessen werden schnell drei Milliarden ins System geschossen, dann ist wieder Schluss.

Wird die mächtige Demonstration nachhaltige Wirkung haben?

Wir brauchen einen wirklich gesamtgesellschaftlichen Aufschrei; Wir müssen uns mit diesem lebenswichtigen Problem befassen und klar sagen, was uns eine gute Pflege wert ist. Bezeichnend finde ich, dass das Thema im Landtagswahlkampf keine Rolle gespielt hat, dabei wäre es doch mindestens ebenso wichtig wie Nichtraucherschutz und Pendlerpauschale.

Barbara Wimmer

Quelle: tz

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