In der Borstei ausgesetzt

Pflegefamilie für Findelkind Raquel gefunden

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Hier in der Borstei ist das Kind gefunden worden.

München - Eineinhalb Wochen alt ist Raquel mittlerweile. Ihre Mutter, die sie nach der Geburt in der Borstei ausgesetzt hatte, hat sich noch immer nicht gemeldet.

Und so soll das Baby kommende Woche Ersatzeltern bekommen. Nach Informationen des Münchner Merkur hat das Jugendamt eine Pflegefamilie bestimmt, in der das Mädchen die kommenden Monate leben soll.

Eine Bewohnerin des Mehrfamilienhauses an der Franz-Marc-Straße 12 (Moosach) hatte am Morgen des 7. August ein geflochtenes Körbchen im Hochparterre des Treppenhauses entdeckt. Darin lag ein Neugeborenes, in Tücher gewickelt und auf ein blaues Kopfkissen mit gelben Sternen gebettet. Außerdem fand die Frau einen Zettel im Korb mit einer Botschaft: „Bitte kümmern Sie sich gut um sie. Ich kann es nicht! Ein Tag alt und heißt Raquel.“

Die Apothekerin Monika Schübel hat mit dem Plakat Unterstützung zugesichert.

Das Mädchen wurde in die Kinderklinik am Klinikum Dritter Orden gebracht. Besonderes Augenmerk wurde dort auf mögliche Infektionen gelegt, weil die Geburtsumstände völlig unklar sind. Die gute Nachricht: Bis auf eine leichte Unterkühlung war und ist das Baby völlig gesund. „Zur Beobachtung“, so hieß es am Freitag seitens der Klinik, sei Raquel aber noch im Dritten Orden.

Kommende Woche soll sich das aber ändern. Frank Boos, Sprecher des Sozialreferates, bestätigt, dass mittlerweile eine Familie ausgewählt worden ist, die Raquel in sogenannte Bereitschaftspflege nimmt. Dort soll das Baby mindestens mehrere Monate lang leben. Wie es dann mit dem kleinen Mädchen weitergeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Sollte sich die leibliche Mutter doch noch melden, so erklärt Boos, könnte sie Raquel wieder zurückbekommen. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass die Frau „erziehungs- und belastungsfähig“ ist. In einem ausführlichen psychologischen Gutachten müsste das sichergestellt werden. Das andere Szenario wäre eine Adoption. Bis diese notariell abgeschlossen ist, dürften aber ein bis anderthalb Jahre ins Land gehen. Erst danach wäre die verwandtschaftliche Beziehung zur Mutter erloschen.

Die Vermisstenstelle der Polizei, die den Fall betreut, teilte am Freitag auf Anfrage mit, dass es bislang weiter keinerlei Hinweise auf die Identität der leiblichen Mutter gibt. Auch Monika Schübels Bemühungen blieben erfolglos. Die Leiterin der „Einhorn-Apotheke“ in einem Nachbarhaus der Fundstelle hatte mit einem großen Plakat der Mutter Unterstützung zugesichert (Apotheker unterliegen der Schweigepflicht). „Ich mache mir Sorgen um die Frau – vielleicht ist sie ja gezwungen worden, ihr Kind auszusetzen“, sagt Schübel. „Wenn sich die Frau anvertrauen würde, könnte ihr doch geholfen werden.“ Wäre die Mutter bekannt, könnte dies zudem ein mögliches Adoptionsverfahren erleichtern – auch zum Wohl des Kindes.

Sven Rieber

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