Kliniken können Krebskranke nicht versorgen

Pfleger-Mangel immer schlimmer: Mädchen mit Blut im Urin abgewiesen

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Die Haunersche Kinderklinik (Ludwigsvorstadt) musste die Notaufnahme abmelden.

Der Pfleger-Mangel in München sorgt für immer krassere Entwicklungen. So müssen teilweise sogar Krebskranke abgewiesen werden. Betten müssen wegen zu wenig Personal frei bleiben.

München - In Münchens Krankenhäusern wird täglich gekämpft. Nicht nur um Patienten, sondern längst auch um Pflegekräfte. Um an gutes Personal zu kommen, zahlen manche Kliniken bis zu 1000 Euro Kopfgeldprämie. Doch der Notstand wird immer schlimmer: Mittlerweile geben Krankenhäuser offen zu, dass sie schwerkranke Patienten nicht mehr versorgen können. Es müssen sogar Patienten an der Notaufnahme abgewiesen werden, weil einfach das Personal fehlt, um diese zu behandeln. Selbst Krebskranke müssen auf andere Einrichtungen verteilt werden.

Unsere Krankenversorgung steht kurz vor dem Kollaps. Beispiel Haunersche Kinderklinik: Das Haus zählt zu den renommiertesten Kliniken in Europa. Dennoch fahren Notärzte derzeit das Kinderkrankenhaus kaum noch an, denn die Notaufnahme ist offiziell abgemeldet, wie der „BR“ in seinem Magazin „Kontrovers“ berichtet. „Wir haben weniger Aufnahmekapazitäten, weil wir zu wenig Pflegekräfte haben. In allen Bereichen“, gibt Anett Sander aus der Pflegeleitung der Haunerschen Kinderklinik zu. Kein Wunder - fehlen nach neuesten Statistiken schon 21.000 Klinikbeschäftigte in Bayern, allein 10.000 in der Pflege. Tendenz steigend.

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Zählt zu den renommiertesten Kliniken Europas: Die Haunersche Kinderklinik benötigt mehr Pflegekräfte.

Mädchen mit Blut im Urin wird abgewiesen

Der Pflegenotstand sorgt für Dramen mitten in unserer Stadt. So berichtet Kinderarzt Dr. Tobias Eisenhut in dem „Kontrovers“-Beitrag, dass er händeringend einen Platz für ein Mädchen suchte, das Blut im Urin hatte. „Dann hieß es erst mal, das Kind kann an der Klinik oder den Kliniken in München nicht aufgenommen werden“ erzählt der Mediziner.

Auch bei den städtischen Kliniken sucht man verzweifelt nach Personal. Aktuell gibt es rund 80 offene Stellen im Pflegebereich - insbesondere in der Kinder- und Intensivmedizin, so die Pressestelle am Mittwoch zur tz.

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„Bettschließungen“ - wenn nicht genug Personal da ist

Der Pflegemangel in München führt zu sogenannten „Bettschließungen“. Heißt: Hat eine Station beispielsweise 20 Betten für Patienten zur Verfügung, kommt es immer häufiger vor, dass davon acht oder zehn nicht belegt werden, weil zu wenig Personal da ist. Auch in den Notaufnahmen. Wer am Mittwochnachmittag einen Blick ins Internet warf, konnte die Problematik auf dem Bildschirm verfolgen. Auf der Ivena-Seite (diese zeigt an, welche Häuser am Limit arbeiten) standen zwölf von 16 Kliniken im Bereich Intensivstation auf Rot. Das bedeutet, dass sie vom Sanka nicht mehr angefahren werden sollten. Natürlich spielt hier auch die Grippewelle eine Rolle.

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Warum die Münchner Kliniken nur schwer Personal finden, ist kein Geheimnis: Die hohen Mieten, die Lebenshaltungskosten - dazu Dauer-Stress und geringe Bezahlung: Da arbeiten viele lieber auf dem Land - oder steigen ganz aus dem Job aus.

Gehaltserhöhung: So haben sich die Verdienste der Pfleger von 2012 bis 2016 geändert.

Pfleger gesucht

Was muss getan werden, dass endlich wieder mehr Pfleger in den Krankenberuf gehen? Viele Kliniken in der Stadt (unter anderem die städtischen) versuchen, dem Personal selbst Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Zudem zahlt man eine Stadtzulage von 85 Euro, die aber wohl wenige Pflegekräfte überzeugt, deshalb in die Stadt zu ziehen. Experten sind sich einig: Durch die Altersentwicklung wird die Zahl der Pflegebedürftigen und Kranken weiter immens steigen - daher müssten schnellsten Wohnungen in der Stadt gebaut werden. Hier sei besonders auch die Politik in der Pflicht. Auch der Freistaat.

Armin Geier

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