Fall muss neu aufgerollt werden

Pfleger soll Patientin missbraucht haben - nun schweigt er vor Gericht

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Schweigsam: Viktor S. sitzt am Montag im Landgericht.

Sie kam mit Herzprobleme ins Klinikum Großhadern und wurde betäubt. Das soll Pfleger Viktor S. ausgenutzt haben, um eine Patientin zweimal sexuell zu missbrauchen. Sein Fall wird nun neu aufgerollt.

München - Als Krankenpfleger trug Viktor S. (63, Name geändert) große Verantwortung. Aber genau das soll er perfide ausgenutzt und eine Patientin im Klinikum Großhadern zweimal sexuell missbraucht haben. Wegen der mutmaßlichen Taten im Sommer 2015 steht der Pfleger nun erneut vor Gericht. Denn bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt.

Bereits am 23. Juni 2016 hatte das Landgericht Viktor S. des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen und gegen ihn eine Haftstrafe über fünf Jahre und zehn Monate verhängt. Seine Verteidiger waren aber in Berufung gegangen und erhielten vor dem Bundesgerichtshof Recht: Das Urteil gegen S. wurde wieder aufgehoben. Hintergrund war ein Rechtsfehler. Denn dass Viktor S. als Pfleger tätig war, hatte das Landgericht strafverschärfend gewertet, obwohl dieser Aspekt bereits im angeklagten Tatbestand enthalten ist - konkret ging es um das Betreuungsverhältnis, das S. ausgenutzt haben soll.

Das Klinikum Großhadern: Hier soll sich der Pfleger an der Partientin vergangen haben.

Angeklagter verweigert Angaben zur Person

Nun wird der Fall neu verhandelt, gemäß den gesetzlichen Vorgaben aber an einer anderen Strafkammer des Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft muss dem Pfleger seine Schuld erneut nachweisen. Dass das nicht einfach werden könnte, machte Viktor S. am Montag klar: Er verweigerte die Aussage, machte nicht einmal Angaben zu seiner Person. Die Strapazen sind ihm aber deutlich anzusehen: Sein Haar ist weiß geworden, dazu hat S. stark abgenommen.

Sein Verteidiger Stephan Lucas forderte am Montag per Beweisantrag, dass die geschädigte Frau (59), die wegen Herzproblemen in der Klinik gewesen war, dieses Mal aussagen muss. Begründung: Im vergangenen Prozess wurde sie nicht als Zeugin gehört, obwohl Viktor S.’ Verurteilung auf ihren Anschuldigungen beruhte. „Ihre Wahrnehmung war durch die Einnahme der Medikamente stark eingeschränkt“, sagte Lucas. Viktor S. hatte schon 2016 behauptet: „Die Vorwürfe sind falsch. Ich kenne die Frau gar nicht.“

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Wegen Sexualdelikten vorbestraft

Ob das stimmt, muss nun Richter Stephan Kirchinger klären. Er verlas am Montag drei Stunden lang das Urteil der Bundesrichter. Demnach war Viktor S. wegen Sexualdelikten bereits einschlägig vorbestraft. Erstmals zur Sprache kam nun auch, dass das Amtsgericht Ebersberg den Pfleger bereits im Dezember 2012 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt hatte und sogar ein Berufsverbot gegen ihn verhängt hatte. Pikant: Die Anstellung als Pfleger am Klinikum Großhadern hatte S. sich mit einer gefälschten Bewerbung erschlichen. Kollegen beschrieben ihn später als nett, freundlich und hilfsbereit. Die Patienten hätten ihn gemocht.

Das sieht die Staatsanwaltschaft anders: Sie hat Viktor S. wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Um die Taten zu begehen, soll er sein Behandlungsverhältnis ausgenutzt haben. Heute wird der Prozess fortgesetzt.

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Andreas Thieme

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