Dr. Pfusch: 24-Jährige in den Wechseljahren!

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Dr. Georg P. vor Gericht. Er weist den Vorwurf ärztlicher Kunstfehler weit von sich und rechtfertigt die Eingriffe

München - Ein Gynäkologe (70) steht wegen Körperverletzung in fünf Fällen vor Gericht: Vier junge Frauen mit Kinderwunsch sind unfruchtbar, eine 24-Jährige in den Wechseljahren.

Seine gynäkologischen Instrumente hat er inzwischen aus der Hand gelegt – und das ist wohl auch gut so. Denn wenn sich die Anklage der Staatsanwaltschaft München I als richtig erweist, war Frauenarzt Dr. Georg P. (70, Name geändert) ein großes Risiko für seine Patientinnen. Angeklagt ist er wegen Körperverletzung in fünf Fällen. Schlimm: Vier junge Frauen, die sich sehnlichst ein Kind gewünscht haben, sind unfruchtbar!

Dr. P. hatte eine Praxis in München, außerdem arbeitete er als Belegarzt in einer Klinik, in der er seine Operationen durchführte. In allen fünf angeklagten Fällen hatte er bei seinen Patientinnen bei einer Bauchspiegelung auch Gewebeproben aus den Eierstöcken entnommen. Mit fatalen Folgen: Die Eierstöcke wurden zerstört!

Durch den Östrogenmangel erlitten die Frauen die selben Symptome wie in den Wechseljahren – mit Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Unfruchtbarkeit.

Ein Opfer ist Anna S. (Name geändert), die den Eingriff im Mai 2007 als 24 Jahre alte Frau hatte vornehmen lassen. In der Anklage heißt es: „Eine nachvollziehbare medizinische Indikation zur Entnahme von Gewebeproben (…) bestand zu keinem Zeitpunkt.“ Die Operation widerspreche „den anerkannten Regeln der ärztlichen Kunst“.

Weiter heißt es: „Zudem beließ der Angeklagte bei der Operation einen Mulltupfer im Unterleib der Geschädigten.“ Durch diesen Pfusch, der erst von einem anderen Arzt entdeckt wurde, litt die Patientin unter erheblichen Schmerzen, Übelkeit, Angstzuständen und einer erheblichen Gewichtsabnahme.

Dr. Georg P. rechtfertigt sich in allen Anklagepunkten: „Ich habe die Proben aus gutem Grund entnommen.“ Dem widerspricht der medizinische Gutachter Prof. Joachim Martius vom Klinikum Agatharied: „Einen Grund für die Probenentnahmen kann ich nicht erkennen.“

Nur bei akutem Krebsverdacht sei eine Biopsie der Eierstöcke gerechtfertigt. Auch hier sei äußerste Vorsicht angebracht, so Prof. Martius: „Wenn man das Ovar beschädigt, fällt die Versorgung der weiblichen Hormone weg.“

Die Verhandlung geht morgen weiter. In Zivilprozessen hat sich der Gynäkologe bereits in einigen Fällen zur Zahlung von Schmerzensgeld bereit erklärt.

E. Unfried

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