Pfützen unterm Teppich – jetzt vermittelt die Handelskammer

Pfusch beim Sanieren

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Heribert Grabler zeigt die undichte Stelle: Nach einer Balkonsanierung tritt bei Regen immer wieder Wasser unter den Fenstern ein. Die Handwerksfirma hat zwar Abhilfe versprochen – passiert ist jedoch nichts. Jetzt vermittelt die Handwerkskammer

Kirchheim b. München - "Jetzt schreib i": Bürgeranwalt Dietmar Gaiser hilft tz-Lesern bei ihren Problemen.

Wir sind völlig verzweifelt. Vor acht Jahren haben wir in unserem Reihen-eckhaus den Balkon sanieren lassen. Doch am Boden unter den sanierten Fenstern tritt immer wieder Wasser in den Wohnraum ein. Wenn es stark regnet, haben wir richtige Wasserpfützen am Boden. Die ausführende Firma hat uns zwar Abhilfe versprochen. Trotz mehrfacher Nachfrage ist aber noch immer nichts passiert. Wir sind Rentner mit einer sehr kleinen Rente und können uns eine neue Komplettsanierung durch eine andere Firma oder einen Rechtsstreit nicht leisten. Bitte helfen Sie uns, eine Lösung zu finden.

Margarete (73) und Heribert Grabler (76), beide Rentner, aus Kirchheim b. München

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Das Ehepaar Grabler ist kein Einzelfall – Ärger mit Handwerkern gibt es oft genug. Doch welche Rechte haben die Kunden überhaupt? Andreas Wagnitz, Rechtsexperte der Handwerkskammer für München und Oberbayern, erklärt: „Bei der Ausführung von Bauleistungen, wie hier der Balkonsanierung, zeigt sich teilweise erst nach Jahren, ob Mängel vorhanden sind. Deshalb hat der Gesetzgeber die Gewährleistungsfrist für Bauleistungen auf fünf Jahre festgelegt.“

Innerhalb dieser Frist können die Kunden bei schlechter Leistung vom Betrieb verlangen, dass er den Mangel in einem angegebenen Zeitraum beseitigt. „Kommt der Betrieb dem nicht nach, können die Hauseigentümer auch ein anderes Unternehmen mit der Mängelbehebung beauftragen und die Kosten ersetzt verlangen“, sagt Rechtsexperte Wagnitz.

Wird innerhalb dieser fünf Jahre nachgebessert, verlängert sich die Frist sogar noch mal um fünf Jahre. Beim Ehepaar Grabler wurden die letzten Nachbesserungsarbeiten 2005 durchgeführt – die Gewährleistungsfrist läuft bei ihnen somit erst 2010 ab, noch haben sie rechtlichen Anspruch auf Nachbesserung.

Leider führen Auseinandersetzungen über die Mängel häufig zu kostspieligen gerichtlichen Auseinandersetzungen. Um das zu vermeiden, bieten alle Handwerkskammern ein kostenloses Vermittlungsverfahren an. „Wir fordern den Betrieb zur Stellungnahme auf und versuchen, beide Parteien zusammenzubringen“, erklärt Wagnitz. Ähnliche Stellen gibt es auch bei vielen Innungen. Das Ehepaar Grabler nimmt diesen Service der Handwerkskammer dankbar an: „Hoffentlich findet dieser Ärger dann bald ein Ende.“

Mehr Informationen gibt es bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern unter Telefon 089/5119-0 oder im Internet unter www.hwk-muenchen.de .

Christina Schmelzer

Quelle: tz

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