Pharrell Williams im Video: 15 Minuten Universalgenie

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Die tz-Reporter Martin Müller (l.) und Henrik Szilit (M.) haben Hiphop-Superstar Pharrell Williams getroffen

München - Am Samstag haben N.E.R.D im Rahmen der Coke Sound Up Show im Münchner Zenith gespielt. Der Kopf der Band: Megastar Pharrell Williams. tz-Reporter Martin Müller hat ihn überrascht.

Typisch Superstar-Interview: Vor dem Konferenzraum des Sofitel-Hotels, in dem die Interviews mit Pharrell Williams stattfinden sollen, machen sich die versammelten Reporter gegenseitig nervös. Jemand sagt: "Er ist gelangweilt. Spielt nur mit seinem Blackberry."

Ein Anderer macht mir noch mehr Mut: "Sprich ihn bloß nicht auf seine Tattoos an." Toll, Frage vier in Gedanken streichen - man will es sich schließlich nicht verscherzen mit Mr. Williams.

Oh Gott, über was spricht man mit einem Superstar 15 Minuten lang? Tür auf, da sitzt er: Pharrell. Pop-Phänomen, Kopf der Band N.E.R.D, Möbeldesigner, Produzent, Modemacher. Eine - wie man in Szenekreisen sagt - Slash-Slash-Persönlichkeit, einer der alles kann.

Noch dazu ist Tausendsassa Williams die wahrscheinlich coolste Sau des Planeten. Er lehnt sich entspannt zurück, wirkt tatsächlich müde. Na toll. Also los: ihn aufwecken und aus der Reserve locken. Nicht auf Tattoos ansprechen: "Mr. Williams reden wir über den Weltraum."

Verdutzte Miene. Pharrell legt den Kopf schräg. Fragender Blick. "Naja, Sie interessieren sich doch für Carl Sagan." Der Weltraumphilosoph und Bestsellerautor soll angeblich der Liebling des Hiphop-Superstars sein. "Carl war ein Visionär", sagt er. Seine Miene hellt sich auf, er setzt zu einem Vier-Minuten-Monolog an, der selbst Astrophysiker Harald Lesch sprachlos gemacht hätte.

"Wie Sagan mit dem Tesserakt, dem vierdimensionalen Hyperwürfel, Dimensionen erklärt, fasziniert mich", erklärt Williams. Ich verstehe kein Wort und schaue mir den Mann an, der es auf die Best-Dressed-Liste des US-Magazins Vanity Fair geschafft hat. Blaue Mütze seines Modelabels Billionaire Boys Club, schwarz-weiße Baseballjacke, gleiches Label, Jeans, Air-Jordan-Retro-Basketballschuhe. "Schuhe sagen viel über einen aus. Sie definieren dich. Zeigen, wer du bist."

Ein bisschen verrückt, aber eigentlich ein lockerer, normaler Typ. Eigentlich. Aber dann doch: Goldener Blackberry, dicke Uhr, unter der Jacke baumelt eine riesige Kette. Protzig.

Pharrell der Unentschiedene. Am einen Tag sitzt er in der ersten Reihe bei der Modenschau des französischen Luxuslabels Lanvin, lässt sich im Pelzmantel fotografieren, trägt Louis Vuitton - und kommt im Fernsehen distanziert, ja arrogant rüber. Dann wieder liebt er Comics, bunte Shirts, hat sich als Hobbyskater eine Miniramp ins Haus bauen lassen und steht zur Begrüßung wohlerzogen auf.

Wir sprechen über Spiritualität, den Ozean als Kraftquelle und Justin Bieber. Bei allen Themen wirkt Williams ausgesucht höflich, intelligent und lustig. Beim Thema Gold spricht er nicht über teure Schmuckstücke, sondern über die Leitfähigkeit des Edelmetalls. Wer zur Hölle sitzt mir hier gegenüber?

Es beginnt mich nicht mehr zu interessieren, dass er mit Britney Spears, Madonna und Justin Timberlake zusammengearbeitet hat, dicker Kumpel von Kanye West ist und Preise abgeräumt hat wie nichts Gutes.

Wir plaudern über Skateboarden, Tierdokumentationen und Kunst. Dann geht die Tür auf. Das Interview ist zu Ende. 15 Minuten. Für ein Universalgenie wie Pharrell Williams viel zu kurz.

Martin Müller

Fotos zum Auftritt im Zenith finden Sie unter www.partygaenger.de!

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