Ohne Polizeischutz ins Katastrophengebiet

Münchner helfen in der Taifun-Hölle

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Dr. Eva Müller (Mitte) bringt Lebensmittel und Medikamente ins Katas­trophengebiet

München - Der Münchner Geschäftsmann Jan Christian Tylka (44) und seine Bekannte Dr. Eva Müller (47) helfen auf den Philippinen mit, das Leid wenigstens ein bisschen zu lindern. Die tz sprach mit ihr.

Es sind Bilder wie aus dem Krieg. Der Münchner Geschäftsmann Jan Christian Tylka (44) ist derzeit für seine Firma Family Office auf den Philippinen. Auf der Insel Cebu, die am Freitag vom Taifun Haiyan verwüstet wurde. Tylka sagt: „Mich erinnert das an die Bilder von München nach dem Bombenangriff der Alliierten.“

Die Trümmer. Das Leid. Und die Toten. Allein auf Cebu sind mindestens 150 Menschen im Sturm gestorben, im ganzen Land könnten es mehr als 30 000 Todesopfer sein – genau weiß es niemand. Tylka und seine Bekannte Dr. Eva Müller (47) helfen jetzt mit, das Leid wenigstens ein bisschen zu lindern.

Jan Christian Tylka am Auto. Das Handy-Netz funktioniert nur teilweise

Dr. Müller ist Ärztin aus München, lebt aber schon seit fast drei Jahren in der Inselhauptstadt Cebu, wo sie eigentlich nur für zwölf Monate eine berufliche Auszeit nehmen wollte. Sie sagt: „Ich bin geblieben, weil ich gesehen habe, dass ich als Ärztin hier viel mehr helfen kann als daheim.“ Und jetzt, nach dem Taifun, gilt das ganz besonders.

Am Montag ist Müller zusammen mit Tylka die rund 100 Kilometer von Cebu nach Bogo im Norden gefahren. Im Gepäck: Wasser, Reis, Nägel, Plastiktüten und Medikamente. Hilfslieferungen für die Menschen, die jetzt gar nichts mehr haben.

In Bogo (Sig­nalstärke 5) hatte Hai­yan noch schlimmer gewütet als in Cebu (Signalstärke 4). Im Norden gibt es – anders als in der Hauptstadt – immer noch keinen Strom. Und das wird wohl auch noch drei oder vier Wochen lang so bleiben.

Die Autofahrt der Münchner ist ein Slalom. Meistens geht’s nur einspurig voran. Müller: „Man muss umgefallene Bäume, abgeknickte Straßenlaternen und Trümmerteile umkurven.“

Der Taifun Haiyan hat Zehntausende Menschenleben gefordert, weite Landstriche sind verwüstet.

Und richtig gefährlich ist es auch – weil das Elend die Menschen zum Äußersten treibt. Plünderungen! Müller sagt: „Jeder reißt einem alles unter den Händen weg, was man hat.“ Trotzdem ist sie ohne Polizeischutz gefahren, um die Hilfsgüter ins Katastrophengebiet zu bringen. Und um zu verhindern, dass sich Krankheiten ausbreiten. Müller: „Es ist jetzt ganz wichtig, die Menschen zu schulen. Zum Beispiel zu erklären, dass man das Wasser abkochen muss.“ Heute will Müller wieder in Richtung Bogo aufbrechen.

Uli Heichele

Die Lage bleibt dramatisch

Noch immer können die Taifun-Opfer auf den Philippinen nicht ausreichend versorgt werden. Die abgelegensten Regionen werden die Helfer laut Regierung sogar erst am Mittwoch erreichen.

Die Sicherheitslage ist angespannt – kommunistische Rebellen haben am Dienstag einen Hilfskonvoi attackiert. Soldaten töteten zwei Angreifer.

Aufatmen beim Wetter: Der Sturm Zoraida, der ab Mittwoch am Katastrophengebiet vorbeizieht, wurde herabgestuft. Die Winde werden leichter ausfallen, bringen aber viel Regen.

Die Zahl der Todesopfer steigt: Am Dienstag waren 1774 Personen amtlich als tot gemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte viel höher liegen. Hilfsorganisationen befürchten mehr als 30 000 Tote. Sieben Millionen Menschen sollen vom Taifun betroffen sein.

Zwei Millionen Kinder sind in Gefahr

Chaos, Leid und Hunger – die Not der Menschen auf den Philippinen ist unendlich groß. Auch wir möchten den Menschen helfen, die nach Taifun Haiyan vor dem Nichts stehen, die um ihre toten Angehörigen trauern und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Und vor allem den fast zwei Millionen Kindern, denen der Hungertod droht.

Mit ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion „Helfen Sie den Taifun-Opfern!“. Bitte geben Sie das Stichwort „Taifun“ an. Denn wir möchten auch wie versprochen den Kindern in Bangladesch eine Zukunft schenken (Stichwort „Bangladesch“).

Bei Spenden bis 100 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie automatisch von Unicef eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie deshalb im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an. Empfänger ist Unicef.

tz-Spenden-Konten

Commerzbank

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Blz 700 800 00

Stadtsparkasse München

Kontonummer 263 525

Blz 701 500 00

Philippinen: Erste Hilfe nach der Taifun-Hölle

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