Gastronomie

Picknick statt Provokation

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„Am Eröffnungstag haben die Hände gezittert“: Die Zwillinge Dung (li.) und Huy Vu betreiben Münchens erstes laotisches Restaurant. Das Interieur übernahmen sie weitgehend vom Vorgänger-Lokal „Schmock“, allerdings verpassten sie den Wänden einen frischen roten Anstrich.

München - Keine Provokationen mehr. Das versprechen die neuen Chefs des Restaurants an der Augustenstraße 52, das in München 16 Jahre lang als „Schmock“ bekannt war.

Der alte Betreiber, Florian Gleibs, erregte regelmäßig Anstoß mit seinen derben Sprüchen. „Deutsche, esst bei Juden“, verkündete er in Frakturschrift, verkaufte „Judebeutel“ mit Davidsternen drauf. Das jüdische Restaurant Schmock ist jedoch Geschichte. In den schicken Räumen ist jetzt die „Vu Tang Kitchen“ zu finden.

Gleibs’ Nachfolger, die Zwillingsbrüder Huy und Dung Vu (40), starten harmlos: „Eat more sticky rice“ – Esst mehr Klebereis – steht jetzt am Eingang. Langweilig geht es deshalb noch lange nicht zu an der bekannten Adresse in der Maxvorstadt. Die Vu Tang Kitchen ist schließlich das erste Restaurant in der Stadt, das laotische Kost anbietet. Die Brüder Vu – vietnamesischer Herkunft, in Laos geboren – kommen aus einer Gastronomen-Familie, die auf der ganzen Welt verstreut lebt. „In Augsburg, wo wir aufgewachsen sind, betreiben Verwandte von uns thailändische, vietnamesische und japanische Restaurants“, erzählt Dung Vu und lacht. Ein laotisches Restaurant zu eröffnen – auf die Idee kam vor ihnen noch keiner.

Küchenchef Matthias Barthelmes, der schon zusammen mit Holger Stromberg die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bekochte, hat für das neue Restaurant eine „moderne asiatische Fusionsküche“ erdacht. Inspiration holte er sich bei Mutter und Tante Vu, kochte mit ihnen die Kindheitsgerichte der Zwillingsbrüder nach und veränderte sie nach seinem Geschmack.

„Am Eröffnungstag haben die Hände gezittert“, sagt Dung Vu. „Es war eine spannende Frage, ob das Essen ankommt.“ Die vielen Reservierungen, die Betriebsleiter Wolfgang Hingerl seitdem erreichen, sind Antwort genug.

Die Brüder Vu können ihre Gäste aus einem großen Freundes- und Bekanntenkreis schöpfen. Sie arbeiteten schon als Barkeeper im „P1“ und im „Baby“, machten sich einen Namen als Gründer des Mode-Labels „Distorted People“.

Was in der Vu Tang Kitchen auf die Teller kommt? Vor allem Klebereis (Portion 2,50 Euro) natürlich. Dazu Salat, Fleisch, Fisch oder Gemüse (ab 6 Euro). In vielen kleinen Portionen. „Picknick-Style“, nennen das die Brüder. „Man muss teilen und kommt ins Gespräch.“

Die Karte ist bewusst klein gehalten. „Wir wollten keine 200 Gerichte anbieten wie der typische Asiate“, sagt Dung Vu. Das Team ist international, „aber ein paar Quoten-Asiaten haben wir natürlich auch – nur ohne devote Haltung“, sagt der 40-Jährige mit einem Augenzwinkern. „Wir bieten lässigen Service, kein Schickimicki.“

Wer das alte Restaurant dennoch vermisst: Florian Gleibs, der mit den Vu-Brüdern befreundet ist, betreibt noch zwei weitere Restaurants, das „Helene“ in Altschwabing und das „Meschugge“ beim Volkstheater – sie sind die hübsche Schwester und der brave Bruder vom Schmock.

Die Vu Tang Kitchen

an der Augustenstraße 52 hat Montag bis  Samstag von 18 bis 1 Uhr geöffnet. Warme Küche gibt es bis 22.30 Uhr. Reservierung unter 089/ 52 35 05 35.

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