"Gebellt wie eine Maschine"

Pico ein Ruhestörer? Er zeigte das Herrchen an

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Michael M. (r.) hat Picos Herrchen Christian Scheider angezeigt.

München - Sein Kopf ragt nur dreißig Zentimeter über den Boden – aber der kleine Pico (6) soll Lärm gemacht haben wie ein Großer! Michael M. zeigte deswegen sein Herrchen an.

„Dieser Hund hat gebellt wie eine Maschine – 40 Minuten lang ohne Pause. Das war ohrenbetäubend und eine Frechheit für alle Zuschauer“, sagt Michael M. (66). Der Senior redet sich in Rage, wenn es um den kleinen Pico (6) geht. Der Pinscher-Terrier-Mischling soll am 17. November 2013 die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag mit kreischendem Gekläffe gestört haben. „Sein Herrchen stand mit Freunden grinsend nebendran, niemand hat den Hund beruhigt – stattdessen haben sie ihn angeheizt.“ Wegen Ruhestörung zeigte Michael M. Picos Herrchen an – am Donnerstag musste sich Gewerkschaftssekretär Christian Scheider (32) deshalb vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Fall ist eine Posse. Hier der echauffierte Senior, der mit ehrlichem Herzen zum Volkstrauertag ging, um seinem Vater und dessen Brüdern zu gedenken, die als Soldaten gefallen waren. Dort der Hundehalter, der gerne provoziert und sich keiner Schuld bewusst ist – dem man eine bewusste Störung der Veranstaltung aber auch nicht unterstellen mag. Im Prozess geht es im Grunde nur um eine Ordnungswidrigkeit. 100 Euro betrug die Geldbuße gegen Christian Scheider, der Widerspruch einlegte und im Prozess kein Wort sprach, sondern nur grinste – das wiederum heizte den Senior so sehr auf, dass sein Kopf vor Wut glühte.

Und Pico? Er musste natürlich draußen bleiben und verpasste die geschickten Fragen des Verteidigers. Kam der Lärm vielleicht von der Welpenschule, die sonntags immer im Hofgarten tollt? Und wo genau in der Zuschauer-Menge stand Pico eigentlich? An viele Details kann sich der Senior nicht erinnern. An den Mordslärm schon: „Er hat gegen die Blaskapelle angebellt und auch in der Schweigeminute laut gebellt!“

Zwei Polizisten, die an dem Tag im Einsatz waren, sagen aus, dass sie Mühe hatten, aufgebrachte Zuschauer zurückzuhalten. Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Nun soll sogar der kleine Pico in Augenschein genommen werden.

Andreas Thieme

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