Pinakothek: Wie teuer wird dieser Riss?

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Die Risse in der Rotunde sind bis zu 17 Meter lang

München - Im kommenden Jahr will die Pinakothek der Moderne ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. Doch viel Grund zum Feiern gibt es ­derzeit nicht. Die alten Risse sind wieder da - und noch schlimmer.

Münchens zweitjüngstes Groß-Museum sieht aus wie eine sehr betagte ältere Dame – voller ­Innenspannungen. Das Haus bröckelt wieder. Wieder, weil schon vor ein paar Jahren das Putz-Problem auftrat und die Risse „nur notdürftig zugemacht wurden“, wie Kurt Bachmann sagt. Der Chef des Bauamts bestätigt der tz, dass in den vorgesetzten Mauerverschalungen der Rotunde wieder Risse aufgetreten sind – und noch schlimmer: Erste Untersuchungen haben ergeben, dass sich auch die Verankerungen gelöst haben, die die innere Wand aus Stahl mit der äußeren Mauer aus Ziegel verbinden, der Vorbauschale. Gefahr für Leib und Leben bestehe nicht, aber eingerüstet wird die Rotunde dennoch – und das Haus bleibt, reine Vorsichtsmaßnahme, auch zur langen Nacht der Museen am Samstag geschlossen wegen des zu erwartenden Besucher-Andrangs.

Auch die Fachleute sind derzeit ratlos. Die Untersuchungen werden wohl zwei Monate dauern. Ziegel quillt, Beton schwindet, so viel weiß man. Ein Bau-Naturgesetz. „Aber dass die ­Risse so massiv auftreten, nach nur zehn Jahren, das ist unverständlich.“ Nun wird die Wand auf Herz und Nieren getestet. Das kann ein ­halbes Jahr dauern. „Im schlimmsten Fall müssen wir die Wände komplett abtragen.“

Man habe zwei Möglichkeiten: Entweder die „Radikallösung“ (Bachmann): die Mauer abbrechen und mit Fugen neu mauern, was dem Architekten Stephan Braunfels auf die Palme bringen dürfte – er wollte, dass die Rotunde wie ein monolithischer Block dasteht. Auch die Möglichkeit, einen Gipskarton davorzubauen, wäre dem Star-Architekten wohl ein Grauen. Oder statt der Radikallösung der sanfte Weg: Man versucht, die enormen Spannungen der Mauern ­abzubauen, die Risse ­dadurch zu entfernen. Wie das allerdings gehen soll, darüber grübeln derzeit gleich vier Fachleute, die Ursachenforschung betreiben.

Was bleibt: ein sehr schaler (Verschalungs-)Beigeschmack eines ­Museums, das zum ­wiederholten Male im blutjungen Alter höchst senile Risse zeigt. Und das bei Baukosten von stattlichen 121 Millionen Euro, deren zehnten Teil Privatleute gespendet hatten. Haftansprüche, so das Bauamt, können nicht geltend gemacht werden – die Gewährleistung beträgt im ­Regelfall fünf Jahre. Also löhnt der Steuerzahler.

Matthias Bieber

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