Einziges Konzert in Europa

Pink im Circus Krone: "Oh, das ist ja Whiskey"

München - US-Sängerin Pink hat sich am Freitag im Münchner Circus Krone mit ihrem einzigen Konzert in Europa nach beinahe zwei Jahren aus dem Mutterschutz zurückgemeldet.

Und ihre rund 2000 begeisterten Fans haben der 33-Jährigen natürlich Geschenke für Töchterchen Willow auf die Bühne geworfen. Artig hat sich Pink für jedes einzelne bedankt. Nur beim Babyfläschchen zögerte sie dann doch, blickte fragend in die Arena. Von dort wurde ihr später noch eine Flasche gereicht. Pink wollte sie schon zu den Babysachen legen, dann: „Oh, das ist ja Whiskey. Das ist fantastisch.“ In ihr rattert und dampft eben nach wie vor das Herz einer Rockbraut – mehr noch: „Mein Herz ist größer geworden.“ Raues Lachen. „Nein, nicht meine Brüste, die sind wie immer. Aber mein Herz.“ Dieser Abend in München zeigte es.

Denn von wegen Mutterschutz: Mit ihrem neuen Album „The Truth About Love“ kommt Pink aus beinahe zweijähriger Babypause zurück, ihr Auftritt im Krone war das einzige Konzert in Europa. Und natürlich war es auch ein Testlauf: für Pink, für ihre Performance, für das neue Material. Ein Testlauf, der sofort zündete: Falls sich die Fans über den deutlich verspäteten Beginn geärgert hatten (wie berichtet, hatten es Teile der Bühnentechnik nicht rechtzeitig nach München geschafft), ließen sie es sich nicht anmerken. Die Manege war bereit für die alte, neue Dompteurin im Rockzirkus, und Pink taugte diese Rolle als wäre sie nie weg gewesen: In schwarzen, hochhackigen Stiefeln bis zum Knie und einem schwarzen, hautengen Minikleid hatte sie sofort jene Präsenz, die ihre Shows auszeichnen. „Es ist doof, dass wir in einem Zirkus spielen – und ich nicht herumfliegen darf“, maulte sie irgendwann. Diese Enttäuschung war nicht gespielt.

Pink in München - die besten Bilder

Pink in München - die besten Bilder

Doch nicht nur die Show stimmte. Musikalisch präsentierte Pink nicht nur Nummern vom neuen Album, sondern lieferte ein sehr ordentliche Best-of-Programm, bei dem vor allem die ruhigeren Stücke beeindruckten: etwa die nochmals extrem reduzierte, von einem Piano begleitete Version von „Family Portrait“ sowie „Dear Mr. President“, Pinks bittere Abrechnung mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Über Barack Obama könne sie jedoch keinen Song schreiben, hatte Pink noch zwei Stunden vor dem Konzert hinter der Bühne des Circus Krone erzählt: „Denn das wäre ein Lied voller Liebe und Unterstützung. Und solche Lieder schreibe ich nicht.“ Ein Lied über Obamas Gegenkandidaten, den Republikaner Mitt Romney, wäre dagegen ein „völlig anderer Song“.

Vom neuen Album feierten die Fans die krachigen Wahre-Liebetitel „True Love“ und „The Truth About Love“ .Eindruck hinterließ aber vor allem die Nummer „Try“, die Pink nun als nächste Single auskoppeln wird, und von deren düster-mystischem Intro sie gerne mehr hätte spielen dürfen. „Try“ hat definitiv das Zeug zum Hit.

Natürlich feierten die Sängerin und ihre druckvolle Band in München auch eine ausgelassene Rockparty – sei es nun mit dem wahnwitzigen „U & Ur Hand“ oder „Funhouse“. Es ist keine Übertreibung, Titel wie diese Klassiker aus dem Pink-Repertoire zu nennen. Es sind Nummern, die Spaß machen und nur eine Richtung kennen: nach vorne. Und dass sich die Künstlerin bei „Funhouse“ mit rauem Lachen über Texthänger rettete, zeigt nur, wie wichtig dieser Abend war. Denn zwei Jahre sind eine lange Zeit. Gut, dass Pink zurück ist. Für sie. Und für ihr Publikum.

Von Michael Schleicher

Das Album: Pink „The Truth About Love“ (Sony)

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