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Nach Piratenüberfall: Münchner Helden-Kapitän gefeuert

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Krzysztof Kotiuk (60) mit seiner Kündigung: Seit 1986 lebt der Kapitän in München. Rechts ist das gekaperte Schiff „Hansa Stavanger“ zu sehen. © M. Schlaf

München - Der Münchner Kapitän des monatelang von Piraten entführten Frachters “Hansa Stavanger“, Krzysztof Kotiuk, wurde von der Reederei gefeuert – „aus betrieblichen Gründen“.

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Immer wieder hielten ihnen die Piraten Gewehre an den Kopf. Drohten, schrien! Um nicht zu verdursten, mussten die Geiseln wochenlang das tropfende Wasser der Klimaanlage trinken. Das Leben an Bord der „Hansa Stavanger“ – es war die Hölle. Genau 122 Tage Todesangst durchlebten der Münchner Kapitän Krzysztof Kotiuk (60) und seine Mannschaft auf dem Containerschiff vor Somalia. Ihre Geschichte ging um die Welt – und Kotiuk wurde zum Helden. Doch jetzt ­feuerte die Reederei den Kapitän – „aus betrieblichen Gründen“.

Die schrecklichen Bilder von der Hansa Stavanger

Kopfschüttelnd sitzt Kotiuk in seiner Thalkirchener Wohnung und blickt auf das Kündigungsschreiben der Reederei Leonhardt & Blumberg. „Das ist eine riesige Sauerei!“, sagt er der tz. „Wir wurden damals im Stich gelassen, und jetzt schmeißen die mich raus. Ein Wahnsinn!“ Zur Erinnerung: Anfang April hatten somalische Piraten das deutsche Schiff vor der afrikanischen Ostküste gekapert. An Bord waren 24 Besatzungsmitglieder, darunter fünf Deutsche. Es folgten endlose Verhandlungen – aber erst am 3. August wurden Schiff und Besatzung gegen ein Lösegeld in Höhe von 2,1 Millionen Euro freigelassen. Sofort kritisierte Kotiuk das lange Zögern seiner Reederei. „Denen ging es doch nicht um uns, sondern nur um ihr Geld.“ Ist das der Grund für die Kündigung? Leonhardt & Blumberg verneint das – spricht von „der gegenwärtigen Krise in der Schifffahrt“.

„Blödsinn! Unsere Todesangst hat keinen interessiert, und wegen meiner Kritik muss ich jetzt gehen“, so Kotiuk zu unserer Zeitung. „Ich werde die jetzt aber auf Schadensersatz verklagen. Die Terroristen haben ja viel zerstört, was mir gehörte.“ Der Computer des Kapitäns, seine gesamte Kleidung, Kunstbilder aus Afrika – alles wurde von den Piraten verbrannt oder kurz und klein geschlagen. Fotos, die Kotiuk noch der Geiselbefreiung machte (s. links), dokumentieren das wilde Treiben. „Die haben ja jede Nacht bei lauter Musik gefeiert, während wir auf der Brücke zusammengepfercht waren.“ Zu essen bekamen die Gefangenen nur Reis. „Aber die Reederei erzählte unseren Verwandten ständig, es ginge uns gut. Nichts als Lügen.“

Auch, dass kein Wort des Dankes nach der Befreiung von der Reederei kam, ärgert den Münchner: „Jeder von uns hat ein Paar Schuhe bekommen – das war’s. Als man mir 300 Dollar zusteckte, damit ich mir dort neue Kleidung kaufen konnte – da wurden die bei der nächsten Gehaltsabrechnung wieder abgezogen. Irre!“

Die Gefangenschaft hat ­Kotiuk auch körperlich mitgenommen. Seit dem Angriff ist er in psychologischer Behandlung. „Natürlich geht das nicht spurlos an einem vorbei. Jetzt versuche ich, wieder Kraft zu sammeln und einen neuen Job zu finden.“ Die Kündigung habe ihn aber geschockt. „Weil ich doch meine Aufgabe erledigt hatte: Ich habe die Crew gesund nach Hause gebracht!“

Armin Geier

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