Pistenverbot nach Crash

Chirurg rammte Anwalt: Skiraser geht in Berufung

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Opfer Martin Wöhr (l.) mit seinem Anwalt. Nach dem Unfall musste er notoperiert werden.

München - Mit 100 Stundenkilometern rammte er in Kitzbühel den Anwalt Martin Wöhr. Dafür kassierte Peter K. heuer im Juni ein empfindliches Urteil. Gegen eine Auflage ging er nun vor.

In seinem Beruf als plastischer Schönheits-Chirurg arbeitet er präzise und mit Feinschliff. Auf der Skipiste gab Peter K. (Name geändert) aber den Rambo – und verursachte am Silvestertag 2012 einen Horror-Unfall! Mit 100 Stundenkilometern rammte er am Steinbergkogel in Kitzbühel den Münchner Anwalt Martin Wöhr, der einen Nierenriss erlitt, nachts notoperiert werden musste und vier Monate lang arbeitsunfähig war.

Dafür kassierte Peter K., der sich bei dem Crash einige Rippen brach, heuer im Juni ein empfindliches Urteil: sechs Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Körperverletzung, dazu 50 000 Euro Schmerzensgeld (tz berichtete). Zur Auflage machte ihm das Amtsgericht aber auch, dass er drei Jahre nicht auf deutschen Skipisten fahren darf. Wird er trotzdem erwischt, muss er in den Knast. Dagegen legte Peter K. am Münchner Landgericht Berufung ein: Gestern wurde der Fall neu aufgerollt.

Ein Anwalt aus Österreich belastet den Münchner Busen-Doc schwer. Er beobachtete den Unfall auf der Griesalm-Abfahrt gemeinsam mit seiner Familie vom Sessellift aus. „Ich fahre diese schwarze Piste seit 30 Jahren. Man kann dort schöne Schwünge machen, aber er fuhr Schuss hinunter – und zwar so schnell, dass ich dachte: Hoffentlich begegnet dem niemand.“ Aber genau so kommt es. 100 Meter breit ist die Skipiste an der Unfallstelle – unterhalb eines Hanges fährt Martin Wöhr, von oben rauscht Peter K. heran. „Er hat ihn richtig abgeschossen. Das Opfer hatte überhaupt keine Chance. Ein schrecklicher Unfall. Es war der reine Wahnsinn.“

Für die Beweisaufnahme vor Gericht lässt sich Richterin Susanne Hemmerich sogar Videos zeigen. Ein entscheidendes Detail! Denn Peter K. gehörte einer Gruppe an, deren Läufer Abfahrten mit 100 km/h und schneller absolvieren. Anschließend stellen sie die Filme ihrer Abfahrten ins Internet. Einen davon fand der österreichische Anwalt. Peter K. bestreitet allerdings, den Unfall aufgezeichnet zu haben, obwohl er eine Kamera an der Brille installiert hatte. Offensichtlich haben andere Skifahrer den Crash aber aufgezeichnet.

Über seinen Anwalt lässt sich Peter K. gestern als gewissenhaften und sehr routinierten Skifahrer darstellen. Zum Unfall selber sagt er: „Eine Gefährdungslage war nicht vorhersehbar.“ Angeblich sei die Piste zu dieser Zeit völlig leer gewesen.

Ob K. bald selber wieder auf die Piste darf? Am Dienstag fiel noch kein Urteil. Der Prozess wird bald fortgesetzt.

Andreas Thieme

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