Ex-Stadt-Vize soll Aufsteller geklaut haben

Plakat-Krieg bei den Freien Wählern

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Um diese Plakatständer geht es. Ex-Stadt-Vize Karl Hilz (l.) soll 75 davon geklaut haben

München - Polit-Krieg bei den Freien Wählern! Der Feldmochinger Polizist Karl Hilz (55), bis Juni Vize-Stadtvorsitzender, steht vor Gericht. Er soll 75 Plakatständer geklaut haben.

Irgendwann gibt auch die Richterin auf: „Das ist alles so ein bisserl kompliziert, was ihre Organisationsstruktur betrifft …“ Es geht Freier Wähler gegen Freier Wähler. Es geht um die feinen Unterschiede von Partei, Verein und Vereinigung, aber eigentlich geht es nur um ein paar Plakatständer. Und am Ende kann nur noch einer helfen – der große Vorsitzende Hubert Aiwanger (41). Wie so oft bei den Freien …

Angeklagt vor dem Amtsgericht ist der Feldmochinger Polizist Karl Hilz (55), der als Landtagskandidat 2008 in Moosach fünf Prozent holte und bis Juni Vize-Stadtvorsitzender war. Da warf ihn der Vorstand raus, aber das sieht Hilz anders. Ihm wirft der Staatsanwalt vor, 75 Plakatständer geklaut zu haben. Als Zeuge gegen ihn aussagen muss der Stadtvorsitzende und Landtagsabgeordnete Prof. Michael Piazolo (53). Polit-Krieg bei den Freien Wählern!

Am 19. Juni trat Parteichef Aiwanger im Feldmochinger Hof auf. Hilz hatte ihn eingeladen, Aiwanger nahm gern an und sprach über alles Mögliche – Euro-Krise, 3. Startbahn und so weiter. Für die Werbung hatte Hilz Plakate angefordert. Allerdings hatten er und die Helfer überall Aiwangers Kopf überklebt und handschriftlich das Thema aufgeschrieben, weil die Stadt keine Kopf-Plakate genehmigt, wenn kein Wahlkampf ist. Aber dafür steht Hilz gar nicht vor Gericht …

Es geht um die Plakatständer – und da gehen die Versionen auseinander. Hilz tritt mit Partei-Krawatte vor die Richterin und sagt: „Das ist völliger Unsinn, weil ich mir keine Plakatständer stehle.“ Er habe eine Ladung im Reitsberger Hof in Vaterstetten geholt, weil dort hunderte Ständer ungenutzt „übelst verdrecken“. Das sei irgendwie mit Aiwanger abgesprochen gewesen. Außerdem gehörten die Plakatständer ohnehin der Landesvereinigung, meinte der Angeklagte. Piazolo habe gar nichts zu melden, weil er nur den Verband repräsentiert, nicht aber die Vereinigung der Freien Wähler. Überhaupt lässt Hilz kein gutes Haar am Abgeordneten: „Er hat die Basis weit verlassen …“

Ein Aspekt hilft juristisch vielleicht wenig, erklärt aber dennoch viel. Hilz sagt: „Nachdem der Termin festgeklopft war, haben wir uns entschieden, unseren Verein vorzustellen.“ Ausgerechnet zu Aiwangers Rede präsentierte Hilz seinen Ortsverein der Freien Wähler München-Nord. Piazolo nennt dies einen „Gegenverein“.

Und so erzählt der Landtagsabgeordnete eine ganz andere Version: Die Plakatständer habe sein Stadtverband Anfang 2008 angeschafft, bezahlt und absichtlich wenig genutzt, weil bei jedem Aufstellen bis zu einem Viertel kaputt oder verloren geht. Hilz sei kurz vor der Veranstaltung aus der Partei ausgeschlossen worden, weil er sich nicht an Beschlüsse gehalten habe. Aber auch davor habe er nichts von der Einladung erzählt und dann auch noch seinen „Gegenverein“ präsentiert. Der widerspreche der Satzung, das habe ihm Aiwanger schriftlich gegeben. Nachdem Hilz die Ständer nicht zurückgebracht habe, sei die Sorge im Vorstand gewachsen. Die Richterin versuchte, Aiwanger aus der Landtagssitzung zu klingeln – scheiterte aber. Heute geht der Prozess mit dem großen Vorsitzenden weiter.

David Costanzo

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