Drei Beispiele

Plastik statt erneuerbar: Stadt bei Kaffeebechern ein schlechtes Vorbild

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Im Kreisverwaltungsreferat wird oft gewartet und mancher Kunde überbrückt die Zeit gerne mit einem Kaffee. Den gibt es in der Behörde aber nur in Plastik- oder beschichteten Pappbechern.

Coffee-to-go-Becher verschmutzen die Natur. Es gibt diverse Aktionen gegen den Müll. Doch die Stadt selbst ist ein schlechtes Vorbild für die Bürger.

München - Sie sind ein echtes Ärgernis: Immer mehr Coffee-to-go-Becher verschmutzen Straßen, Plätze und Natur. Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe landen deutschlandweit jährlich fast drei Milliarden Einwegbecher im Müll. Mittlerweile gibt es auch in München diverse Aktionen gegen den Mitnahme-Müll. Doch ausgerechnet die Stadt selbst zeigt offenbar kein großes Interesse an einer aktiven Reduzierung des Kaffeebecher-Mülls. Im Kreisverwaltungsreferat an der Poccistraße gibt es pfandfreie To-go-Becher aus Plastik oder beschichteter Pappe für den Kaffee. Auch bei der Stadtbibliothek fließt der Kaffee aus dem Automaten in Plastikbecher.

„Tatsächlich verwendet die Mieterin der Gastronomie im Bürgerbüro-Bereich des KVR für die To-go-Kaffeebecher kein Mehrweggeschirr“, bestätigt Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats. Die Regelung dafür sei im Unterpachtvertrag festgeschrieben. Für den sei nicht das KVR, sondern das Kommunalreferat zuständig, erklärt Mayer.

Wie passt das zusammen?

Wie passt das mit den Bemühungen der Stadt zusammen, den Kaffeebecher-Müll zu reduzieren, fragt sich Peter Reinhardt (CSU) vom Bezirksausschuss Bogenhausen. Er fordert, dass die Stadt mit gutem Beispiel vorangeht. „Gerade in den eigenen Räumlichkeiten sollte sie auf eine größtmögliche Schonung unserer Umwelt achten und unnötigen Müll vermeiden.“ Statt der Einweg-Kaffeebecher sollten auf Servierwagen in den Gängen des KVR lieber Tassen oder andere Mehrweggefäße zur Verfügung stehen, findet Reinhardt. Gleiches gilt für andere städtische Häuser wie die Stadtbibliothek. Beim Kaffeeautomaten der Filiale am Rosenkavalierplatz in Bogenhausen zum Beispiel fließt der Kaffee in Plastikbecher. Hingegen kann man im gleichen Haus im Bereich der VHS auch ein mitgebrachtes Gefäß einstellen.

Plastik statt erneuerbar. Ein schlechtes Vorbild.

Eigentlich gibt es in München sogar eine Pflicht zur Abfallvermeidung. „Bei Veranstaltungen auf städtischem Grund oder in Einrichtungen der Stadt müssen Speisen und Getränke in pfandpflichtigen wiederverwendbaren Verpackungen und Behältnissen und mit Mehrwegbesteck ausgegeben werden“, heißt es im Mehrweggebot der Stadt. „Einweggeschirr ist nicht erlaubt.“ Die Behörde die Genehmigungen für solche Veranstaltungen erteilt, ist ausgerechnet: das Kreisverwaltungsreferat. Verstöße gegen diese Plicht können geahndet werden, Ausnahmen seien nur in begründeten Einzelfällen möglich. Vor einem Jahr hatte die Rathaus-SPD noch eine Kampagne zur Reduzierung des Kaffeebecher-Mülls gefordert. Die Stadt solle aktiv Werbung dafür machen, dass mehr Menschen Mehrweg-Kaffeebecher nutzen. Die Lokalpolitiker in Bogenhausen fordert nun, dass man einfach mal bei den eigenen Häusern damit anfängt.

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Carmen Ick-Dietl

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