Platzmangel in Asyllagern

Trotz Job: Er muss im Heim wohnen

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Javad Saberi lebt offiziell in dem Asylheim (siehe Foto unten), in Wahrheit bei seiner Mutter.

München - Bayern geht der Platz für Asylbewerber aus. Jeden Tag werden Flüchtlinge in Turnhallen und Garagen gestopft. Dabei könnte der Freistaat sofort Platz in den Asylbewerberheimen schaffen.

Tausende leben bei Verwandten, während sie offiziell in Asylunterkünften gemeldet sind.

Das Asylheim, in dem Javad Saberi lebt.

Einer von ihnen ist der gebürtige Afghane Javad Saberi (29). Er war zwölf Jahre alt, als die Taliban im westafghanischen Herat seinen Vater – einen Polizisten – ermordeten. „Wir flüchteten noch in der Nacht mit der Familie in den Iran“, erinnert sich Javad. Dort mach er in Teheran an der Uni seinen Bachelor in Ingenieurwissenschaften. Als Javad den Abschluss in der Tasche hat, muss die Familie das Land verlassen. Sie flüchten nach Deutschland. Doch während Javads Mutter Asyl gewährt wird, wird Javads Antrag abgelehnt, er wird aber aus humanitären Gründen geduldet. Javad kommt in eine Asylunterkunft nach Grafenau, geht Putzen, um sich die Zugfahrkarten nach München leisten zu können. Denn: „Meine Mutter ist schwer krank, sie hatte einen Herzinfarkt, ihr wurden Gallensteine entfernt, sie leidet unter Arthrose und Migräne und ist psychisch schwer angeschlagen“, so Javad. Schließlich wird er in das Asylbewerberheim in der Karl-Schmid-Straße in Trudering verlegt. Doch hier hin kommt er nur alle paar Wochen, um zu schauen, ob er Post bekommen hat. Denn Javad lebt bei seiner Mutter in ihrer Einzimmer-Wohnung, am Harras und pflegt sie.

Javad studiert jetzt an der Fachhochschule Mechatronik, sein iranischer Abschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. Er lebt von 290 Euro Unterstützung im Monat.

Javad ist kein Einzelfall. 8617 abgelehnte Asylbewerber leben in Bayern mit einer Duldung, manchmal sechs Jahre und länger in Asylunterkünften. Sie bekommen auch keine Arbeitserlaubnis, um selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat schätzt: „Ich denke, dass 1000 bis 2000 Asylbewerber in Bayern bei Verwandten oder Bekannten leben.“

Johannes Welte

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