Glücklich geschätzt

Plötzlich ist Flohmarkt-Schnäppchen 3000 Euro wert: Experten nahmen Leser-Fundstücke unter die Lupe 

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Der Glücksgriff vom Flohmarkt: Der Vater von Mehmet Ali kaufte das Bild für 30 Mark, Experte Andreas Ruef (re.) schätzt seinen Wert auf 3000 Euro.

Wer träumt nicht davon, dass sich ein Schnäppchen vom Flohmarkt als Schatz entpuppt. Am Samstag schätzten Experten im Pressehaus Dinge, die ihnen unsere Leser zeigten. Dabei gab es freudige Überraschungen – aber auch Enttäuschungen.

Mehmet Ali kann sein Glück zunächst gar nicht fassen: „Wahnsinn, das ist ja toll“, sagt er immer wieder, und dann muss er erst einmal seine Frau anrufen. Ein Bild, das sein Vater in den 80er-Jahren auf einem Flohmarkt in München für damals 30 Mark kaufte, ist ein Vielfaches wert: rund 3000 Euro. „Es hing bei meinem Papa an der Wand, seit einigen Jahren aber stand es in der Ecke, und als ich in der Zeitung las, man könne hier Bilder schätzen lassen, packte ich es ein“, erzählt der 52-Jährige. Sein Vater Riza Ali, geboren 1933 in der Türkei, kam als einer der ersten türkischen Gastarbeiter im Jahr 1964 nach München. 1968 holte er seine Frau und den damals zweijährigen Mehmet nach Deutschland. „Mein Vater wird sich freuen, was für einen Glücksgriff er da machte“, sagt Mehmet Ali und packt das Bild sorgfältig in eine Decke.

Nie gedacht, dass das Bild so wertvoll ist

Dass es so wertvoll ist, hätte er nie gedacht. „Maler Alfred Zoff hat es laut Signatur im Jahr 1890 gemalt, die meist kleinformatigen Werke dieses österreichischen Landschaftsmalers sind sehr beliebt“, erklärt Kunstauktionator und Antiquitätenexperte Andreas Ruef aus Landshut. Schon zu Lebzeiten von Zoff kaufte sogar der Kaiserhof einige seiner Werke – am begehrtesten sind seine sogenannten Seestücke, von denen auch die Münchner Familie Ali eines besitzt.

Hauptsächlich ideellen Wert haben die Erbstücke, die Frederik Zingel und Tatjana Fiedler am Samstag schätzen ließen.

Andere Bilder sind zwar schön anzusehen, aber nicht sehr wertvoll – etwa das aus Asien stammende Bild eines Kriegers mit Schwert und Hahnenkopf, das Leser Frederik Zingel geerbt hat. Seinen Wert schätzte Ruef auf rund 300 Euro. Und die Jesusfigur, die Tatjana Fiedler ins Pressehaus mitbrachte, hat allenfalls einen ideellen Wert. Gleiches gilt auch für einen Porzellanteller aus dem Jahr 1914, den Nadine Stoll für ihre Oma schätzen ließ. Der Preis hängt bei solchen Gegenständen vor allem davon ab, ob sich ein Sammler findet und wie viel der bereit ist, dafür zu bezahlen. „Wenn nicht, dann heben wir den Teller weiter auf“, sagt Stoll.

Eine wertvolle Taschenuhr von 1750 hat Monika Asam geerbt.

Unverkäuflich ist die goldene Uhr, die Monika Asam dem Kunstkenner Axel Schlapka zeigt. „Wir haben sie seit Generationen in Familienbesitz, aber keiner wusste, wie alt sie ist“, erzählt Asam. Schlapka findet heraus, dass es ein Werk des Londoner Uhrmachers Robert Ward ist und aus dem Jahr 1750 stammt – der Wert der filigranen Uhr liegt bei rund 3000 Euro.

Einen Teller, auf dem das Konterfei Hindenburgs prangt, zeigt Nadine Stoll.

Gut zehn Kilogramm schwer und 400 bis 500 Euro wert ist der bronzene Jägersmann, den Wally Brenner für einen Freund ins Pressehaus schleppt. Er stammt aus derselben Glockengießerei im Tal, die auch die Bavaria gegossen hat. Goldschmiedin Christina Langes begutachtet diverse Perlenketten und Goldringe, andere Leser bringen Reliquien, wertvolle Bücher und vieles mehr. Weil die Aktion wieder so gut ankam, wird unsere Zeitung im Frühjahr abermals eine Veranstaltung anbieten, bei der Leser ihre Schätze schätzen lassen können. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Susanne Sasse/Dietmar Gaiser

Dieser Jägersmann von Wally Brenner ist verwandt mit der Bavaria.


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