tz-Bürgeranwalt hilft

Plötzlich zwei Telefon-Verträge

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Hedwig Zosel und Philipp Blümle von der Heimverwaltung

München - Eine Leserin wendet sich an den tz-Bürgeranwalt: Die Rentnerin wollte ihren Telefonvertrag kündigen und stand dann plötzlich mit zwei da.

Dietmar Gaiser: Jetzt schreib i

Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Team des Bürgeranwaltes nicht Briefe oder Anrufe zum Thema Telefonärger bekommt. Die Probleme sind oft ähnlich: Ärger beim Wechsel des Anbieters, Ärger mit Kündigungen und Ärger mit der sehr aggressiven Werbung mancher Unternehmen.

Einer der am häufigsten gemachten Fehler ist es, dass beim Anbieterwechsel nicht auf die Kündigungsfristen geachtet wird. Das heißt, Sie finden ein sehr verlockendes Angebot, schließen einen Vertrag ab und stellen im Nachhinein fest, dass Sie aus dem alten Vertrag nicht entlassen werden. Dann ist guter Rat teuer.

Erster Tipp in so einem Fall: Lesen Sie in Ihrem Vertrag nach, was dort über außerordentliche Kündigungen steht. Vielleicht haben Sie eine Chance. Wenn das nicht klappt, sollten Sie wenigstens den alten Vertrag so ändern, dass Sie nur noch ein Minimum bezahlen müssen. Also alle Extras wie SMS-Pakete oder Flatrates abbestellen. Auch wenn eine Kündigung nicht möglich ist, kann ein Vertrag meist auf ein Minimum an Leistung und damit Kosten heruntergefahren werden.

Und seien Sie vorsichtig bei der aggressiven Werbung vieler Anbieter. Ein sehr häufiger Trick ist, dass die angepriesenen Niedrigpreise nur für ein paar Monate gelten und der Vertrag dann höhere Kosten vorsieht. Das sollten Sie genau klären, bevor Sie etwas unterschreiben. Und Sie sollten rechnen, ob das Supersonderangebot wirklich so billig ist, wenn Sie später mehr bezahlen. Unterschreiben Sie also nie etwas „im Vorbeigehen“. Leider tun das viel zu viele der rund 100 Millionen Handykunden in Deutschland.

Ihr Dietmar Gaiser

Plötzlich zwei Verträge

Mein Name ist Hedwig Zosel, ich bin 85 Jahre alt und lebe im Wohnstift des Kreszentia-Stifts in München. Ich wende mich mit der Bitte an Sie, mich im Hinblick auf meinen mittlerweile zirka drei Monate andauernden Streit mit der Firma Tele2 zu unterstützen. Ich war, beziehungsweise bin Kundin von Tele2. Schon länger wollte ich den Vertrag kündigen, was ich dann auch tat. Doch anstatt der verlangten Kündigungsbestätigung erhielt ich ein Schreiben mit der Aufforderung „schnell unterschreiben und zurückschicken“, was ich leider getan habe. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich leider damit einen neuen Vertrag eingegangen bin und einem Deportierungsauftrag zugestimmt habe, was mir keineswegs klar gewesen ist. Ich dachte, ich müsste das unterschreiben. Kurz darauf erhielt ich eine Kündigungsbestätigung, allerdings mit dem 15. April 2015 als Enddatum, und nicht wie gedacht dem 15. April 2013. Zudem wurde von Tele2 mein Telefonanschluss bei der Telekom gekündigt und stillgelegt.

Philipp Blümle von der Heimverwaltung versuchte daraufhin, die Sache für mich zu lösen und schrieb Tele2, dass ich den Vertrag nicht bewusst abgeschlossen habe. Doch leider kam es nicht zur zunächst zugesagten Vertragsaufhebung. Es muss doch möglich sein, dass ich von Tele 2 loskomme und endlich wieder telefonieren kann. Mein Anschluss funktioniert immer noch nicht. Das einzige, was Tele2 geschafft hat, ist, mir monatlich Rechnungen zu senden für einen nicht nutzbaren Anschluss.

Hedwig Zosel (85), Rentnerin

Schnell etwas unterschrieben, weil man denkt, das hat alles schon seine Richtigkeit – das kann sehr gefährlich werden. Man sollte sich wirklich immer die Zeit nehmen, genau zu lesen, was man denn da genau unterschreibt. Die tz-Leserin Hedwig Zosel hatte wegen einer kleinen Unachtsamkeit plötzlich statt gar keinem Vertrag zwei Telefonverträge. Sie hatte gar nicht damit gerechnet, dass man ihr – statt einer Kündigungsbestätigung – ein neues Vertragsangebot senden würde. Eine Lehre, die die Seniorin jetzt gezogen hat, ist, dass sie alle Briefe, in denen künstlich Druck erzeugt wird durch Aufforderungen wie „Schnell unterschreiben“, künftig immer ganz genau lesen wird.

Die tz rief bei Tele2 an und beschwerte sich über das Geschäftsgebaren der Firma, die mit einer Seniorin zwei Telefonverträge abgeschlossen hatte, und deren Kundin trotzdem nicht telefonieren konnte. Daraufhin ging alles ganz schnell. Schon am darauffolgenden Werktag rief die Tele2-Sprecherin zurück und teilte mit, dass beide Verträge mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden und Hedwig Zosel keine weiteren Rechnungen mehr erhalten werde. Die Sprecherin erklärte, dass Hedwig Zosel einen Preselectionvertrag gekündigt hatte und daraufhin auf ein anderes System umgestellt worden sei. Als sie dann schrieb, sie wolle das nicht, sei das rechtlich gesehen ein Widerruf gewesen, doch der sei zu spät eingegangen, sodass er nicht wirksam wurde. „Wir wussten nicht, dass Hedwig Zosel ihre Angelegenheiten nicht mehr vollständig selbst überblickt, außerdem fehlte eine der Heimverwaltung erteilte Vollmacht“, sagte die Sprecherin. Die tz-Leserin freut sich zwar, dass sie nun endlich kündigen konnte. Doch ärgert sie sich auch, dass die Firma sie so in Aufregung versetzte.

Susanne Sasse

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