Hergestellt aus ungarischen Abfällen

Sie verkaufen Ökostrom über das Internet

+
Die Chefs von Polarstern: Florian Henle (33), Jakob Assmann (31) und Simon Stadler (33)

München - Drei junge Münchner wollen nicht mehr zusehen, wie die Energieerzeugung die Erde ruiniert. Sie wollen die Welt verbessern – und verkaufen Ökogas und Ökostrom über das Internet!

Klimaschutz, Energiewandel: Hier reden viele mit. Drei junge Münchner wollen allerdings nicht mehr zusehen, wie die Energieerzeugung die Erde ruiniert. Sie wollen die Welt verbessern – und verkaufen Ökogas und Ökostrom über das Internet!

„Strom macht nur 20 Prozent unseres Energieverbrauchs aus – der Löwenanteil liegt mit 80 Prozent beim Gas“, sagt Florian Henle (33). Deshalb kam er mit seinen Spezln Simon Stadler (33) und Jakob Assmann (31) auf die Idee: „Lasst uns einfach selbst Ökogas vertreiben!“ 2011 gründen die Jungs Polarstern. „Unser Biogas wird aus den Abfällen einer ungarischen Zuckerfabrik hergestellt“, berichtet Florian Henle.

Das heißt: Hier müssen nicht extra Rohstoffe angepflanzt werden, auch die Biomasse wird nicht erst Hunderte Kilometer per Lkw in die Biogasanlage gekarrt, sondern vor Ort aus den Produktionsresten gewonnen. Die Jungunternehmer besuchen die Zuckerfabrik auch persönlich, informieren in ihrem Blog darüber. Auch der Strom ist 100 Prozent Öko, er kommt von kleinen Wasserkraftwerken in Österreich. Sowohl der Ökostrom als auch das Ökogas ist vom TÜV zertifiziert. „Wir wollen uns nicht anmaßen, die Welt zu retten“, sagt Henle. „Aber ein kleiner heller Stern am Energiehimmel, der wollen wir schon sein.“ Und der leuchtet immer mehr: Das Bundesministerium für Wirtschaft unterstützte das Projekt mit 100 000 Euro, mittlerweile zählt Polarstern zehn Mitarbeiter und Kunden in ganz Deutschland. Im Mai 2011 bezog die Firma ihr Büro in der Au, nur einen Katzensprung von der Isar entfernt. „Im Sommer gehen wir mittags zusammen joggen“, sagt Jakob Assmann. Die Aufgaben sind klar verteilt: Florian kümmert sich um Finanzen, Controlling und den Einkauf, Simon um Organisation und Kundenservice, Jakob betreut unter anderem das Online Marketing und die Entwicklungshilfe. Denn wer zu Polarstern wechselt, schiebt gleichzeitig die Energiewende in Entwicklungsländern an: Für jeden Kunden unterstützt Polarstern mit der Partnerfirma National Biodigester Programme eine Familie in Kambodscha, eine Biogasanlage mit Gasherd, Gaslampen und Sanitäranlagen zu bauen. Im nächsten Jahr soll Polarstern erstmals schwarze Zahlen schreiben. Bis 2016 wollen die Macher außerdem 100 000 Kunden zählen.

In der Regel kostet das Biogas fünf Prozent mehr als herkömmliches Gas – dafür kann man immenses bewirken. Und das mit ein paar Klicks auf der Website: „Man muss sich nur anmelden, den Rest übernehmen wir“, erklärt Florian. Sein Kollege Jakob: „Ich wünsche mir, dass auch die Kinder meiner Kinder noch in einer so schönen Welt leben können wie wir.“

Christina Schmelzer

Firmen-Steckbrief

Gründer: Florian Henle (33), Simon Stadler (33) und Jakob Assmann (31)

Gründungsjahr: 2011

Firmensitz: München

Art der Mitarbeiter: Die zehn Mitarbeiter sind u.a. zuständig für Finanzen, Controlling, Marketing, Entwicklungshilfe und Kundenservice

Anzahl Kunden: Mehrere Tausend in ganz Deutschland

Internet: www.polarstern-energie.de

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Auch interessant

Kommentare