Analyse zahlreicher Verspätungen

Nach Bahn-Chaos: Das sind die Forderungen der Politiker

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Diese Bilder sollen sich nicht so schnell wiederholen: Zuletzt waren die Bahnhöfe oft verstopft - wegen des Bahn-Chaos‘.

Ein solches Bahn-Chaos wie in den vergangenen Wochen darf sich nicht wiederholen. Das haben die Politiker dem bayerischen Bahn-Chef mit auf den Weg gegeben.

München - Es war kein angenehmer Auftritt für den bayerischen Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel. Zwei Wochen nach der Chaos-Woche bei der S-Bahn musste er am Donnerstag vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags der Politik Rede und Antwort stehen. Der Druck auf den Konzern ist groß. Die Forderungen der Abgeordneten: bessere Informationen, mehr Investitionen und noch schnellere Verbesserungen im Bau.

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Bei der Störanfälligkeit der Münchner S-Bahn lässt Innenminister Joachim Herrmann (61, CSU) keine Ausreden gelten: „Eine Analyse der Tage mit extremem Störfallgeschehen zeigt, dass die infrastrukturbedingten Störungen mit an der Spitze liegen.“ Heißt: Es liegt nicht am Wetter oder an unvernünftigen Passagieren, sondern am System selber. Herrmann fordert deshalb eine Reaktion der Bahn: „Diesen Zustand kann und will der Freistaat als maßgeblicher ­Finanzier des Schienennahverkehrs nicht akzeptieren!“ Der Freistaat zahlt Infrastrukturgebühren in dreistelliger Millionenhöhe an die Bahn. „Diese müssen insbesondere in die Zuverlässigkeit der In­frastruktur fließen“, forderte Herrmann.

Musste sich viel Kritik anhören: Klaus-Dieter Josel ist Bayerns Bahn-Chef.

Stellwerk am Ostbahnhof bereitet immer wieder Probleme

Tatsächlich waren im Jahr 2017 beinahe 40 Prozent der ­S-Bahn-Verspätungen auf Probleme bei der Infrastruktur zurückzuführen. Ein immer wiederkehrender Störpunkt ist das Stellwerk am Ostbahnhof. „Die Stellwerkstechnik gerät an ihre Grenzen“, gibt Josel zu - die Bahn hatte das bisher immer bestritten. Das Pannen-Stellwerk, das so alt wie die S-Bahn selbst ist, besteht aus 1,5 Millionen Relais-Kontakten. Bis 2026 soll jetzt für 160 Million Euro ein digitales Stellwerk entstehen. Kurzfristig sollen Relais gesäubert werden, um die Störungen zu reduzieren. Beim Zeitplan ist aber Skepsis angesagt: Bereits 2013 hatte die Bahn angekündigt, das Stellwerk Ost solle in „fünf bis zehn Jahren digital umgerüstet werden“.

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Weiterer Streitpunkt: fehlende Infos für Fahrgäste. Die Bahn bietet zwar in ihrer App „München-Navigator“ Zuginformationen in Echtzeit an, auf dem Bahnsteig bleiben die Bildschirme im Störfall aber dunkel. „Auch wir sind mit der Fahrgastinfo nicht zufrieden“, so Josel. Die Anzeigetafeln mit den App-Daten zu koppeln, sei wegen der alten und komplexen Computersysteme frühestens Mitte 2020 möglich. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt Markus Ganserer (Grüne). Die ­Info werde am Bahnsteig benötigt. „Viele Fahrgäste haben drei Apps installiert, die jeweils unterschiedliche Informationen anzeigen - und am Ende liefern die WhatsApp-Gruppen der Pendler immer noch die zuverlässigeren Informationen.“

In unserem News-Ticker halten wir Sie über alle Entwicklungen rund um die Münchner Bahnen auf dem Laufenden.

Insgesamt 28 Projekte will die Bahn voranbringen - die meisten werden aber erst nach dem Start der zweiten Stammstrecke 2025 in Betrieb gehen.

Marc Kniepkamp

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